Schöffengericht spricht Urteil
Tödlicher Unfall auf der B 58: 21-Jähriger muss ins Gefängnis

Drensteinfurt/Ahlen -

Zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten hat das Ahlener Schöffengericht am Dienstag einen Mann aus Hamm verurteilt. Der 21-Jährige hatte am 1. September die Ampelkreuzung an der B 58 bei Rotlicht überquert und dabei einen tödlichen Unfall verursacht.

Dienstag, 02.06.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 20:53 Uhr
Der Fahrer des VW, der die Ampel-Kreuzung zuvor mit hohem Tempo bei Rot überquerte hatte, musste sich nun vor dem Ahlener Schöffengericht verantworten.
Der Fahrer des VW, der die Ampel-Kreuzung zuvor mit hohem Tempo bei Rot überquerte hatte, musste sich nun vor dem Ahlener Schöffengericht verantworten. Foto: Max Lametz

Es war das tragische Ende eines fröhlichen Abends: Als sich am frühen Morgen des 1. Septembers vergangenen Jahres die Gäste einer Geburtstagsparty von Drensteinfurt aus auf den Heimweg machten, wurde das Auto einer 26-Jährigen Münsteranerin beim Abbiegen auf die Bundesstraße 58 vom Wagen eines 21-jährigen Mannes aus Hamm erfasst. Die Fahrerin aus Münster sowie eine 24-jährige Beifahrerin aus Gronau erlitten schwerste Verletzungen.

Eine 24-jährige Frau aus Altenberge, die sich auf dem Rücksitz des Renaults befunden hatte, starb wenig später in der Klinik. Am Dienstag hatte sich der Verursacher des folgenschweren Zusammenstoßes unter anderem wegen fahrlässiger Tötung vor dem Ahlener Schöffengericht zu verantworten. Das Urteil gegen den in Teilen der Anklage bereits einschlägig vorbelasteten 21-Jährigen: zweieinhalb Jahre Haft.

Geschwindigkeitsüberschuss von über 100 Stundenkilometern

Wie der Staatsanwalt in der Anklageschrift noch einmal darlegte, war der 21-jährige Arbeitslose gegen 0.45 Uhr von Hamm kommend in Fahrtrichtung Münster unterwegs – und das mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. An der Kreuzung der B 58 und der Landesstraße 585 in Höhe der Dreingau-Halle missachtete der Fahrer des VW Passats die rote Ampel – und kollidierte im Kreuzungsbereich mit dem Wagen der 26-jährigen Frau aus Münster.

Wie die Berechnung des Gutachters nach Aussagen von Zeugen, die die Kreuzung kurz zuvor ebenfalls von der Sendenhorster Straße aus kommend bei grüner Ampel überquert hatten, ergab, muss der VW den abbiegen Renault mit einem Geschwindigkeitsüberschuss von deutlich über 100 Stundenkilometern erfasst haben.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der mit den drei jungen Frauen besetzte Wagen fast 100 Meter weit bis in den angrenzenden Graben geschleudert. Das Auto des Verursachers fing dabei Feuer. Der Fahrer hatte jedoch Glück: Er konnte sich mit Schürfwunden und Prellungen selbstständig aus dem Wrack befreien. Anders als die drei Insassinnen des Renaults, von denen sich die beiden Überlebenden bis heute nicht an den Hergang erinnern können. Die 26-jährige Fahrerin aus Münster trug mehrere Brüche von Arm, Rippen und Brustwirbel sowie Prellungen und innere Blutungen davon. Die 25-jährige Beifahrerin aus Gronau-Epe musste wegen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas, Hirnblutungen sowie zahlreicher Knochen- und Wirbelbrüche für zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt werden. Bis heute leidet sie unter Sehstörungen. Die 24-jährige Insassin aus Altenberge starb noch in der Nacht in der Münsteraner Uniklinik an einem unfallbedingten Polytrauma.

Entschuldigung abgelehnt

Der in schwarzem Anzug erschienene Angeklagte verfolgte das Verfahren vor dem Ahlener Schöffengericht mit gesenktem Kopf. Von der auf Anraten seines Anwaltes mit leiser Stimme vorgetragenen Entschuldigung wollten die als Nebenkläger erschienenen Angehörigen des Todesopfers allerdings nichts wissen. „Die schieb Dir sonstwo hin“, schallte es aus den Reihen der Verwandten.

In seiner kurzen Einlassung räumte der Beschuldigte ein, die Kreuzung bei Rotlicht passiert zu haben. Er habe darauf gehofft, dass die Ampel noch rechtzeitig auf Grün schalten würde. Als er den abbiegenden Renault der 26-jährigen aus Münster bemerkt habe, sei er stark auf die Bremse getreten – was der Gutachter vor Gericht bestätigte: Das beim Crash festgeklemmte Bremspedal war bis zum Bodenblech durchgetreten. Geholten hatte es nichts – der Zusammenprall war nicht mehr zu verhindern.

Vorherige Verfehlungen

Das Urteil gegen den 21-jährigen reiht sich ein in eine Liste weiterer Verfehlungen. Bereits 2018 musste er sich vor dem Jugendrichter wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten. Es folgte gleich drei Bußgeldverfahren wegen Fahrens mit überhöhter Geschwindigkeit. Und erst Anfang 2019 war er vom Jugendschöffengericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt und zu einem Verkehrserziehungskurs „verdonnert“ worden. Damals hatte er auf dem Parkplatz der Hammer Eishalle einen Fußgänger angefahren und verletzt. Er habe, so der der 21-Jährige, sein Opfer aber lediglich „erschrecken wollen“, da er zuvor von diesem provoziert worden sei.

Mit dem Urteil blieb das Schöffengericht unter der geforderten Strafe der Staatsanwaltschaft, die dem Beschuldigten ein „Totalversagen als Autofahrer“ attestierte und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten für angemessen gehalten hatte. Der Verteidiger des 21-Jährigen sah indes eine Bewährungsstrafe als noch durchaus vertretbar.

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