Kontaktbeschränkungen
Lockdown light für eine Woche im Kreis Warendorf

Kreis Warendorf -

Was alle verhindern wollten, ist eingetreten: ein Lockdown für den ganzen Kreis Warendorf. Vorerst aber nur für eine Woche - wenn sich alle an die Spielregeln halten.

Dienstag, 23.06.2020, 18:12 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 19:07 Uhr
Großes Medienaufgebot: Montag hoffte Landrat Dr. Olaf Gericke (l.) noch, dass es im Kreis keinen Lockdown geben würde. Dienstagvormittag hieß es: Lockdown für Oelde, Beckum und Wadersloh. Nachmittags war der ganze Kreis betroffen.
Großes Medienaufgebot: Montag hoffte Landrat Dr. Olaf Gericke (l.) noch, dass es im Kreis keinen Lockdown geben würde. Dienstagvormittag hieß es: Lockdown für Oelde, Beckum und Wadersloh. Nachmittags war der ganze Kreis betroffen. Foto: Beate Kopmann

Jetzt doch: Der Lockdown light kommt. Noch am Morgen hatte Landrat Dr. Olaf Gericke mit Ministerpräsident Laschet telefoniert, um genau das zu verhindern – oder nur auf Teile des Kreises wie Oelde und Beckum zu beschränken. „Aber in Düsseldorf wollte man keinen Flickenteppich.“

Der Lockdown gilt zunächst für eine Woche. „Und in diesen sieben Tagen haben wir die Chance zu belegen, dass das Virus nicht auf die Bevölkerung im Kreis Warendorf übergesprungen ist“, betonte Gericke. „Wir müssen uns an die Regeln halten, dann können wir nach einer Woche aus dem Lockdown wieder raus sein.“

Zu den Kontaktbeschränkungen zählt auch die Schließung von Schulen und Kitas. Beides wird aber um einen Tag verschoben, damit Eltern eine Kinderbetreuung organisieren können – und Schüler ihr Zeugnisse erhalten. Nur in Oelde sind – wegen der hohen Zahl von 150 Infizierten – Schulen und Kitas sofort dicht.

Was ist in den Kreisen Warendorf und Gütersloh noch erlaubt?

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  • In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gibt es angesichts von mehr als 1500 infizierten Arbeitern beim Schlachtbetrieb Tönnies einen regionalen Lockdown. Was bedeutet das für die über 600.000 Menschen, die dort leben?

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  • LOCKDOWN: Die Kontaktbeschränkungen vom März 2020 treten laut der Coronaregionalverordnung ( pdf) um Mitternacht (Mittwoch, 24. Juni 2020) wieder in Kraft. Die Maßnahmen gelten laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bis zum 30. Juni 2020. 

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  • TREFFEN: Diese Beschränkungen schreiben vor, dass sich nur Menschen aus einer Familie oder einem Hausstand in der Öffentlichkeit zusammen aufhalten dürfen. Treffen dürfen sich auch zwei Personen, die weder der Familie angehören noch zusammen leben. Damit sind auch die anderswo wieder erlaubten Feiern mit bis zu 50 Personen bei Anlässen wie Hochzeit, Taufe, Geburtstag verboten, genau wie Schulentlassfeiern.

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  • FREIZEIT: Bis zum 30. Juni sind wieder viele Kulturveranstaltungen sowie Sport in geschlossenen Räumen verboten. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Indoorspielplätze und Schwimmbäder. Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum sind untersagt.

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  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Bars und die Bewirtung an Theken in Gaststätten ist verboten. Restaurants dürfen unter Auflagen geöffnet bleiben. Es dürfen maximal zwei Personen oder alternativ eine Familie an einem Tisch sitzen. 

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  • SCHULEN UND KITAS: Bereits seit dem 17. Juni sind zumindest die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wieder geschlossen. Im Kreis Warendorf werden Schulen und Kitas ab Donnerstag geschlossen.

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  • FERIEN: Am Freitag ist der letzte Schultag in NRW. Laschet erklärte, der Lockdown bedeute kein Ausreiseverbot in den beginnenden Sommerferien. Er appellierte aber an die Betroffenen, den Kreis nicht zu verlassen. Allerdings hat Bayern ein Beherbergungsverbot für Gäste aus Landkreisen ausgesprochen, in denen die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt - also Gütersloh und Warendorf. Es sei denn, die Urlauber können einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

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  • QUARANTÄNE: Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mit ihren Familien unter Quarantäne, die auch von der Polizei überwacht wird. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung des Unternehmens.

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  • TESTS: Alle Bürgerinnen und Bürger der Kreise Gütersloh und Warendorf sollen die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen - in speziellen Test-Zentren oder beim Hausarzt. Die Bevölkerung soll durch Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen werden.

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  • GESCHÄFTE: Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer verweist darauf, dass die Einschränkungen weniger umfangreich seien als im März. „Ich bin froh, dass zum Bespiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben dürfen″, sagte Adenauer.  „Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten”, richtete er einen Appell an die Bewohner seines Landkreises, sich an die neuen Regeln zu halten.

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Familien, die in Urlaub fahren wollen, empfahl der Landrat, sich in eine der beiden Abstrichstellen in Warendorf oder Telgte vorher testen zu lassen. Die Rechnung dafür brauchen die Bürger nicht zu übernehmen. „Den Rechnungsadressaten suchen wir noch“, sagte Gericke, ließ aber anklingen, dass Tönnies in Betracht kommen, schließlich habe der Fleischkonzern in Rheda-Wiedenbrück den ganzen Schlamassel verursacht.

Wir müssen uns an die Regeln halten, dann können wir nach einer Woche aus dem Lockdown wieder raus sein.

Landrat Dr. Olaf Gericke

Mit Unterstützung der Bundeswehr soll außerdem noch ein großes Testzentrum im Kreis entstehen. Die Unterstützung dafür hat Jens Spahn bereits zugesagt. Der Standort dafür ist bislang ebenso unklar wie eine Unterkunft, die noch für die mit dem Virus Infizierten errichtet werden soll.

„Wir werden neben Altenheimen auch die Beschäftigten von Supermärkten testen müssen“, berichtete Gericke weiter. Mit eigenen Personal sei das nicht zu stemmen. Unterstützung habe das Land bereits zugesagt. Auch die Polizei werde verstärkt, denn diese müsse die Einhaltung der Quarantäne kontrollieren.

Gericke betonte mit Nachdruck, er hoffe, dass der Kreis nach einer Woche aus dem Lockdown wieder raus sei. Die Testergebnisse seien bislang nicht so dramatisch wie erwartet. Das lasse hoffen. Dennoch: „Die Bürger müssen jetzt wegen Tönnies leiden, dabei hatte sich die Bevölkerung im Kreis bislang vorbildlich verhalten.

In einer Telefonkonferenz einigten sich die Bürgermeister am späten Dienstagnachmittag darauf, die Verordnung des Landes sehr restriktiv auszulegen. So bleiben die Freibäder geöffnet. Hallenbäder müssen allerdings schließen. Auch die Museenwerden dicht gemacht – das  hatte das Land so angeordnet. Weil Volkshochschulen und Musikschulen aber nicht erwähnt wurden, will der Kreis diese  geöffnet lassen. Und über eine Nachricht dürften sich alle Eltern freuen, die ein Kind in der Kita haben. Es soll eine Notbetreuung geben. Die Kreisverwaltung will das federführend für alle Jugendämter im Kreis umsetzen.  

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