Zugverkehr
Bahn-Reaktivierung: Züge sollen schneller fahren

Lengerich -

Mittels einer Machbarkeitsstudie soll geklärt werden, ob es Sinn machen könnte, auf der TWE-Strecke (Rheine–Ibbenbüren–Lengerich–Münster) wieder Personenzüge fahren zu lassen. Josef Högemann, Sprecher der Lappwaldbahn, der dieser Schienenstrang gehört, erklärt, welche Voraussetzungen dafür bereits gegeben wären und woran es hapert oder fehlt.

Freitag, 26.06.2020, 01:46 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 07:02 Uhr
Lengerich-Stadt ist einer der von Lappwaldbahn-Sprecher Josef Högemann „Unterwegsbahnhöfe“ genannten Stationen, an denen Personenzüge auf ihrer Fahrt von Ibbenbüren nach Lengerich halten könnten.
Lengerich-Stadt ist einer der von Lappwaldbahn-Sprecher Josef Högemann „Unterwegsbahnhöfe“ genannten Stationen, an denen Personenzüge auf ihrer Fahrt von Ibbenbüren nach Lengerich halten könnten. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Vielleicht rollen sie ja eines Tages wirklich wieder, Personenzüge zwischen Ibbenbüren und Lengerich. Klar ist aber auch: Bevor das so kommt, muss an der Strecke noch einiges passieren. Das weiß auch Josef Högemann , Sprecher der Lappwaldbahn, der dieser Schienenstrang gehört.

Die Strecke ist derzeit für eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h genehmigt. „Im Interesse kurzer Reisezeiten wäre eine Anhebung auf 80 km/h sinnvoll. Dafür ist eine Anpassung der Signalisierung sowie der technischen Sicherung der Bahnübergänge zwingend erforderlich“, sagt Högemann. Auch müssten Haltepunkte und Zugangswege erneuert werden.

Anschluss ans DB-Netz

Allerdings – das macht Högemann ebenfalls deutlich – erfüllt die Strecke bereit eine ganze Reihe von Anforderungen. „Bis Ende 2023 wird die gesamte Infrastruktur der Strecke ertüchtigt sein“, sagt der Lappwaldbahn-Sprecher, sodass neben dem schweren Güterverkehr dann auch Schienenpersonennahverkehr (SPNV) durchgeführt werden könne, oder dafür nur noch geringfügigere Anpassungsmaßnahmen im Bereich des Oberbaus notwendig wären. Vorhanden seien die notwendigen Kreuzungsbahnhöfe, deren Weichen und Nebengleise bis Ende 2023 ebenfalls ertüchtigt werden und damit die Voraussetzungen für einen SPNV erfüllen. „Diese für Zugkreuzungen nutzbaren Unterwegsbahnhöfe sind: Brochterbeck, Tecklenburg und Lengerich Stadt.“

Noch auf einem ganz anderen Blatt Papier steht der Anschluss ans DB-Netz. „In Ibbenbüren muss die Ein- und Ausfahrt in den DB-Bahnhof dahingehend geändert werden, dass die Signalisierung DB-seitig angepasst wird“, sagt Högemann. Eine zusätzliche Weichenverbindung sei ebenfalls wünschenswert, liege aber im Ermessen der DB . „Grundsätzlich wäre in diesem Fall auch eine durchgehende Regionalbahn Rheine – Ibbenbüren – Lengerich – Münster möglich.“ Klingt gut.

Gleisverbindung fehlt noch

Etwas anders ist die Situation offenbar noch in Lengerich, wo beide Bahnen im Bereich des Personenbahnhofs mit Abstand auf unterschiedlichem Höhenniveauparallel verlaufen, wie Högemann erläutert. „Eine Gleisverbindung zwischen beiden besteht bislang nur im Güterbahnhof. Möglich ist der Bau einer Fußgängerbrücke mit Aufzug als Bindeglied für Übergangsreisende.“ Aus Richtung Ibbenbüren ankommende Reisende würden dann per Aufzug auf das Niveau der DB-Gleise gebracht und können mithilfe der Brücke auf kurzem Weg direkt den Hausbahnsteig der Deutschen Bahn erreichen. „Sollten die Züge über Lengerich hinaus optional bis nach Münster geführt werden, müsste eine Weichenverbindung zwischen beiden Bahnen östlich des Bahnsteigbereichs geschaffen werden und eine Einbindung in die Sicherungstechnik der DB erfolgen“, so Högemann.

Da bliebe noch zu klären, was der Spaß denn kosten soll. „Hier Zahlen zu nennen wäre nicht seriös, denn es muss zunächst die Machbarkeit und der Aufwand zusammen mit DB Netz geprüft werden“, sagt Josef Högemann. Immerhin: Der Beschluss, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen steht nun schon ein paar Wochen.

Alternative zum Auto

Die Idee, die Möglichkeit der Reaktivierung zu überprüfen, findet Högemann gut. „Ich hoffe, dass es auch im Bereich Teutoburger Wald möglichst bald eine echte Alternative zum Auto gibt.“ Auch wenn ein vertakteter SPNV nicht von heute auf morgen zu realisieren sei, könne ein Ausflugsverkehr an Sommerwochenenden ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung sein. „Ein solches Angebot ließe sich ohne große Ausbaumaßnahmen recht schnell realisieren, um den Naturraum Teutoburger Wald vom Individualverkehr zu entlasten. Allein in die Region Tecklenburg kommen pro Jahr etwa 1,2 Millionen Tagesgäste.“ Ausflugs- und auch Schülerverkehre seien in vielen Fällen die Wegbereiter für einen regelmäßigen SPNV gewesen.

Und auch für die Lappwaldbahn selbst könnte eine Bewerbung für die Personenbeförderung auf ihrer eigenen Strecke interessant sein. „Grundsätzlich sind wir in dieser Frage gesprächsbereit. Das hängt von den Rahmenbedingungen ab“, sagt Josef Högemann dazu.

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