Mitgliederversammlung stellt Verein neu auf
Hospizkreis verzichtet auf Förderung

Ostbevern -

Ein Verwaltungsaufwand, der durch die Ehrenamtlichen so einfach nicht mehr leistbar sei, führte jetzt zu einem einschneidenden Schritt für die Hospizkreis. Fördermittel, die von den Krankenkassen für die Begleitung sterbender ausgeschüttet werden, wird der Verein künftig nicht mehr in Anspruch nehmen.

Dienstag, 11.08.2020, 17:23 Uhr
Volles Haus bei der Mitgliederversammlung des Hospizkreises in der Aula der Josef-Annegarn-Schule.
Volles Haus bei der Mitgliederversammlung des Hospizkreises in der Aula der Josef-Annegarn-Schule. Foto: Hospizkreis

Eine ungewisse Zeit liegt hinter dem Hospizkreis Ostbevern (HkO). Denn seit die erste Vorsitzende Daniela Kunkemöller im Rahmen der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr mitgeteilt hatte, dass sie ihr Amt niederlegen möchte, waren sie und ihr Vorstandsteam auf der Suche nach einer Nachfolgelösung – lange ohne Erfolg (WN berichteten). Zwischenzeitlich war sogar die Auflösung des Vereins im Gespräch, sollte keine Nachfolge gefunden werden. Doch soweit wollte es niemand kommen lassen. Deswegen hat sich der Vorstand zu einem einschneidenden Schritt entschieden: „Wir wollen back to the roots und Sterbende begleiten“, sagt Schriftführer Hans Wallschlag. Das bedeutet – so hatte es der Vorstand bereits bei einer Klausurtagung im vergangenen Jahr besprochen und so wurde es auch jüngst bei der Mitgliederversammlung durchgewunken – dass der Verein künftig auf die Fördermittel die von den Krankenkassen für die Begleitung Sterbender und deren Angehörigen ausgeschüttet werden, verzichten wird.

Zehn Jahre Fördergelder in Anspruch genommen

Denn durch die immer währende Beantragung dieser Mittel entstand ein enormer Verwaltungsaufwand für den kleinen Verein, der in erster Linie von der ersten Vorsitzenden zu schultern war. Neben der Dokumentation der Begleitungen galt es, die Abrechnungen einzureichen und weiteren Schriftverkehr mit den Krankenkassen abzuarbeiten. Hätte man dieses Konzept weiter verfolgt, dann sei die Decke an Menschen, die Lust haben sich ehrenamtlich zu engagieren doch „sehr, sehr dünn geworden“, sagt Hans Wallschlag.  

Seit rund zehn Jahren nimmt der Hospizkreis die Fördergelder in Anspruch. Stellte damit sogar eine weitere Koordinatorin für den Bereich Glandorf ein. Jetzt wolle man sich wieder auf die eigentliche Arbeit des Hospizkreises besinnen, und „Sterbende sowie deren Angehörige begleiten“, sagt der Schriftführer. „Das können wir auch ohne diese Fördergelder“, ist sich der Vorstand sicher und erhielt dafür die Zustimmung der Mitglieder. „Die Arbeit im ehrenamtlich geführten Vorstand darf nicht noch belastender werden und so dazu führen, niemanden zur Mitarbeit im Vorstand gewinnen zu können“, hieß es aus der amtierenden Führungsriege.

Und auch ein neuer Vorstand ist damit in greifbare Nähe gerückt. Denn die Entlastung des Vorstandes mit dem Wegfall der Verwaltungsaufgaben und die hartnäckige Suche – auch mit Hilfe der Westfälischen Nachrichten, trug Früchte. Bernd Jungblut aus Brock meldete sich und signalisierte seine Bereitschaft zur Mitarbeit im Vorstand. „Er kann sich auch gut vorstellen nach einer entsprechenden Einarbeitung die Nachfolge von Daniela Kunkemöller anzutreten“, freut such Hans Wallschlag über das Engagement des Bröckers.

Jungblut soll Vorsitzender werden

Jungblut wird zunächst als Beisitzer ebenso wie Ewald Brünen im Vorstand mitarbeiten. Damit sei auch für Kerstin Holtmann, die aus dem Vorstand aus beruflichen Gründen ausscheiden wird, eine gute Nachfolgelösung gefunden. Hans Wallschlag bleibt für weitere zwei Jahre dem HkO als Schriftführer erhalten.

Die Weichen für die weitere Hospizarbeit in Ostbevern seien so erfolgversprechend gestellt und die Chancen, dass der HkO im März 2021 sein 20-jähriges Bestehen feiern kann, deutlich gestiegen, freuen sich die Verantwortlichen „ihren Verein“ wieder auf ein gesundes Fundament gestellt zu haben.

Ansonsten war die Versammlung des rund 100 Mitglieder starken Vereins von verschiedenen Regularien geprägt. Die zweite Vorsitzende Helga Börnhorst-Löchte vertrat bei der Versammlung die verhinderte Daniela Kunkemöller.

Aktuell betreuen die Begleiterinnen und Begleiter – insgesamt sind 24 Mitglieder in diesem Bereich ausgebildet – vier Personen. Im vergangen Jahr konnten 21 Sterbende und deren Angehörigen in der letzten Lebensphase ergänzend zur palliativmedizinischen und pflegerischen Versorgung betreut werden. „Eine Veränderung der Möglichkeiten der Begleitung im Rahmen der Corona-Zeit bemerken wir auch“, sagt Anja Menzel, eine der beiden Koordinatorinnen, in ihrem Bericht. „Das Telefon ist ein gutes Hilfsmittel geworden, Sorgen, Ängste und Fragen mitzuteilen und stützend zur Seite stehen zu können.“ Die Begleitung zu Hause oder in Altenheimen läuft langsam wieder an, zurzeit werden vier Personen und ihre Zugehörigen betreut.

Doch nicht nur die Arbeit mit den Sterbenden ist dem Hospizkreis ein Anliegen. So brachte die Arbeit mit Jugendlichen – einmal mit den Firmlingen in St. Ambrosius, einmal bei einem Projekttag an der Loburg – gute Erfahrungen. Beides soll wiederholt werden.

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