Nach „Horror-Haus“-Urteil
Wilfried W. muss Psychiatrie verlassen

Höxter/Münster -

Knapp zwei Jahre nach dem Urteil im "Horror-Haus"-Prozess gibt es eine neue Entscheidung des Landgerichts Münster: Der heute 50-jährige Wilfried W. soll zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig gewesen sein. Deshalb soll er die Psychiatrie in Münster verlassen und in ein gewöhnliches Gefängnis verlegt werden.

Mittwoch, 02.09.2020, 13:30 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 13:37 Uhr
Nach „Horror-Haus“-Urteil: Wilfried W. muss Psychiatrie verlassen
Das damalige Wohnhaus des beschuldigten Ehepaares in Höxter-Bosseborn. Foto: dpa

Fast zwei Jahre nach dem Urteil im „Horror-Haus“-Prozess hat die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Münster entschieden, dass Wilfried W. (50) bei Begehung der Tat schuldfähig war und doch nicht in die Psychiatrie gehört. Wilfried W. wird jetzt in ein gewöhnliches Gefängnis verlegt.

Der Mann und seine Ex-Frau Angelika W. (51) hatten in ihrem Haus in Höxter-Bosseborn über Jahre hinweg Frauen gequält, zwei waren gestorben. Im Oktober 2018 verurteilte das Landgericht Paderborn Angelika W. wegen Mordes und versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft, ihren Ex-Mann zu elf Jahren. Er galt allerdings wegen einer Intelligenzminderung und einer Persönlichkeitsstörung als vermindert schuldfähig und kam deshalb in die Christopherus-Klinik für Forensische Psychiatrie in Münster.

Ärzte halten 50-Jährigen für schuldfähig

Bei der turnusmäßigen Überprüfung der Unterbringung kamen der Strafvollstreckungskammer in Münster Zweifel. Denn die behandelnden Ärzte meinten, Wilfried W. sei voll schuldfähig, er gehöre in ein gewöhnliches Gefängnis. Auch ein vom Gericht beauftragter Gutachter konnte das nicht ausschließen, so dass die Behandlung jetzt abgebrochen wurde.

Die Anwälte von Wilfried W. prüfen jetzt, ob sie Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm einreichen. Die Staatsanwaltschaft will in den kommenden Wochen prüfen, ob sie die Verhängung einer Sicherungsverwahrung nach Ablauf der Haftstrafe anstrebt.

Der Fall Höxter

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  • Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist eine 41-jährige Frau wochenlang in einem abgelegenen Haus im ostwestfälischen Höxter gefangen gehalten worden und schließlich an schweren Misshandlungen gestorben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das abgelegene Gehöft wird untersucht, die Ermittler gehen Hinweisen auf weitere Opfer nach.

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  • Der Mann hatte nach Angaben der Ermittler in einer Zeitungsannonce nach einer „Frau für eine feste Beziehung“ gesucht. Die 41-Jährige aus Bad Gandersheim in Niedersachsen antwortete und zog den Ermittlungen zufolge kurz nach dem Kennenlernen in das Haus des Mannes in dem kleinen Dorf Bosseborn, das zu Höxter gehört.

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  • Es soll nicht die erste Annonce des Mannes dieser Art gewesen sein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Paderborn, Ralf Meyer, sagte, dass der 46-Jährige offenbar schon zuvor mehrfach Partnerschaftsanzeigen geschaltet hatte. Auch hätten sich mittlerweile Frauen bei den Ermittlern gemeldet, die Kontakt zu ihm gehabt haben wollen. Die Ermittler tragen die Fälle aktuell zusammen.

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  • So ist eine 51-Jährige aus dem Großraum Berlin nach eigenen Angaben mehr als drei Monate lang in dem Haus in Höxter misshandelt worden.

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  • Wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft von Mittwoch (4.5.) hieß, war die Frau laut ihrer Aussage von Ende 2011 bis März 2012 in dem Haus festgehalten und von dem beschuldigten Paar körperlich misshandelt worden.

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  • Dennoch liegt in dem Fall vieles noch im Dunkeln - vor allem zum Motiv ist noch nichts bekannt. Zudem stellt sich die Frage, warum das Opfer nicht floh. Immer wieder sei die 41-Jährige mit ihren Peinigern auch draußen auf der Straße gesehen worden, erklärten die Ermittler.

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  • Das Haus in Höxter ist noch nicht wieder freigegeben, die Polizei wertet weiterhin Spuren aus. Es gebe bislang keine Hinweise auf ein Sexualdelikt, hatten die Ermittler in ihren ersten Stellungnahmen mitgeteilt. Laut Obduktion starb die Frau durch Schläge auf den Kopf.

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  • Ans Licht gekommen war der Fall, weil das Ex-Ehepaar versucht haben soll, die lebensbedrohlich verletzte Frau zurück nach Bad Gandersheim zu bringen. Auf dem Weg streikte allerdings ihr Auto, erklärten die Ermittler. Weil es der Frau immer schlechter gegangen sei, hätten die Verdächtigen einen Rettungswagen gerufen. Da war es aber offenbar schon zu spät.

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