Bundesweiter Warntag
Warn-App NINA funktioniert bei vielen nicht

Münster -

Lautstarkes Sirenengeheul und aufploppende Warnmeldungen waren für den ersten bundesweiten Probealarm angekündigt. Doch dann tat sich nicht viel. Beim ersten bundesweiten Probealarm am Donnerstag ist die Warn-App NINA bei vielen Nutzern still geblieben. In Münster war der Warntag auch aus einem anderen Grund still.

Donnerstag, 10.09.2020, 16:54 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 17:57 Uhr
Bundesweiter Warntag: Warn-App NINA funktioniert bei vielen nicht
Die Warn-App NINA blieb am Donnerstag auf vielen Handys stumm. Foto: dpa

Der erste bundesweite Warntag hat am Donnerstag deutliche Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung offenbart. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kam die Meldung der Warn-Apps NINA und KATWARN erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an.
Im Ergebnis: Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen.Das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm denn auch offen als „fehlgeschlagen“. Grund sei ein technisches Problem gewesen. „Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet“, kündigte das Ministerium in Berlin an. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt werden.

Fehler-Analyse

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn erklärte diese Panne mit der zeitgleichen Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen. Präsident Christoph Unger sagte: „Erste Analysen haben ergeben, dass um 11 Uhr nicht nur zentral die Warnung ausgelöst worden ist, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen ausgelöst haben, so dass es zu einer Überlastung des Systems gekommen ist.“
Mitunter ging der Warntag komplett an der Bevölkerung vorbei. Für München erklärte ein Feuerwehrsprecher, es gebe in der Landeshauptstadt seit vielen Jahren keine Sirenen mehr. Sie seien nach dem Ende des Kalten Kriegs nach und nach abgebaut worden. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Nutzer verwundert darüber, dass Sirenen nicht heulten. Der Gehörlosen-Bund twitterte scherzhaft: „Also, wir haben nix gehört.“

Debatte über Sinn des Warntags

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer , bezeichnete den Warntag als „Fiasko“. Statt die Bevölkerung mit den Warnsystemen vertraut zu machen, habe der Tag gezeigt, dass diese nicht vernünftig funktionierten.
„Im Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz gibt es praktisch in ganz Deutschland besteht dringenden Handlungsbedarf“, so Theurer. Die Bundesregierung müsse jetzt das Versagen der verschiedenen Systeme aufarbeiten und konkrete Lösungen präsentierten.Der Warntag, der künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden soll, soll auf Gefahrenlagen wie Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge vorbereiten. Eingebunden werden sollten alle vorhandenen Warnmittel wie beispielsweise Warn-Apps, Radio und Fernsehen, digitale Werbetafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen.
Nicht alle sind davon überzeugt, dass ein solcher Warntag überhaupt sinnvoll ist. Der Psychologe Andreas Hamburger von der International Psychoanalytic University Berlin kritisierte insbesondere den Sireneneinsatz. „Die Menschen, die selber noch als Kinder Luftangriffe erlebt haben, sei es in Deutschland im Krieg, seien es Geflüchtete, die aus Kriegssituationen kommen, werden ganz unmittelbar und sehr intensiv mit Gefühlen von Panik auf solche Signale reagieren“, sagte Hamburger der Deutschen Presse-Agentur. „So dass man sich schon die Frage stellen muss oder sollte: Ist es notwendig, und welchem wirklichen Zweck dient es denn, diese Reflexe bei Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu triggern?“ 

Keine Warnung in Münster

Da in Münster die Sirenen noch nicht einsatzbereit sind , bekamen viele Münsteranerinnen und Münsteraner am Donnerstag gar nichts von dem Warntag mit. Denn auch auf einen Testlauf für die Lautsprecherdurchsagen per Mess- und Warnfahrzeuge verzichtete die Stadt.

Erster bundesweiter Warntag

Erstmals seit der Wiedervereinigung wurde in Deutschland an diesem Donnerstag (10. September 2020) ein  bundesweiter Warntag  abgehalten. Dabei sollten unterschiedliche Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall getestet werden, etwa Sirenen, Durchsagen per Lautsprecher, Mitteilungen über die sozialen Medien und Warn-Apps sowie digitale Werbetafeln. Der Probealarm begann um 11.00 Uhr. Um 11.20 Uhr erfolgte die Entwarnung.
Die Bürgerinnen und Bürger sollen dabei die Abläufe kennenlernen, um im Ernstfall die Warnmeldungen richtig wahrnehmen und einordnen zu können, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn mit. In NRW gibt es den Warntag seit 2018. Künftig ist der bundesweite Warntag jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September geplant.
Denkbar wären Warnungen etwa bei Bränden oder dem Auftreten von radioaktiver Strahlung, aber auch bei Stromausfällen oder Naturgefahren wie Erdbeben und Überschwemmungen. Auch vor Krankheitserregern wie dem Coronavirus warnt das Bundesamt über die Warn-App NINA bei besonderen Situationen. Andere Warn-Apps sind BIWAPP (Bürger Info und Warn App), KATWARN sowie diverse regionale Angebote.

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