Grau reagiert auf Kritik
CDU-interne Missklänge rund um die Stichwahl

Münster -

Die Freude über den Sieg von CDU-Mann Lewe bei der Stichwahl ist groß. Aber hinter den Kulissen brodelt es. Der CDU-Vorsitzende Hendrik Grau muss mit Gegenwind klarkommen.

Dienstag, 29.09.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 10:03 Uhr
CDU-Chef Hendrik Grau
CDU-Chef Hendrik Grau Foto: CDU

Was wäre passiert, wenn Oberbürgermeister Markus Lewe die Stichwahl am Sonntag verloren hätte? „Darüber hätte ich dann nachgedacht“, antwortet der CDU-Vorsitzende Hendrik Grau und atmet durch: „Gott sei Dank hat Markus Lewe gewonnen.“

Seit zehn Monaten ist Immobilienunternehmer Grau Vorsitzender der münsterischen Christdemokraten – muss aber parteiintern durchaus mit Gegenwind klarkommen. Das war schon bei der Aufstellung für die CDU-Reserveliste der Kommunalwahl so, als langgediente Ratsmitglieder auf den hinteren Plätzen landeten und um ihren Wiedereinzug in den Rat bangen mussten.

„Immobilienmafia“

Einer von jenen ist Frank Baumann, seit 26 Jahren für die CDU im Rat. Bei der Wahl vor zwei Wochen verlor der 55-Jährige sein Mandat. Was er in einem Facebook-Post unmittelbar vor der OB-Stichwahl als Kritik am Umgangsstil der Parteispitze verstanden wissen wollte, entlud sich zu deutlich mehr. „Dieser vergraute und verrohte Politikstil ist nicht mehr meine CDU“, legte Baumann los, um in der späteren Diskussion dem Vorstand „einseitige Klientelpolitik“ vorzuwerfen. Und nicht nur das: „In Münster hat eine undemokratische Machtclique unsere Partei übernommen“, schrieb Baumann, sprach von einer „Immobilienmafia“, die das Ruder übernommen habe.

Die Oberbürgermeister-Stichwahl in Bildern

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  • Gratulation an den Wahlsieger: Peter Todeskino (Grüne, r.) gratuliert Oberbürgermeister Markus Lewe zur Wiederwahl.

    Foto: hpe
  • Ellbogengruß statt Handschlag: Die Gratulation an den Wahlsieger erfolgte coronakonform.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Auszählung der Stimmen bei der Oberbürgermeister-Stichwahl (hier die Wahlbriefumschläge im Schlaungymnasium) war spannend.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Rathaus wurden die Zwischenergebnisse auf einer Leinwand verfolgt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Viele Bürger waren gekommen, um das Geschehen vor Ort live zu verfolgen.

    Foto: hpe
  • Auf einer Leinwand wurden die Zwischenergebnisse der Auszählung dargestellt. Und auch wenn der Kandidat der Grünen zwischenzeitig vorne lag,...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... musste Peter Todeskino (r.) am Ende doch Markus Lewe zum Wahlsieg gratulieren. Lewe holte 52,6 Prozent der Stimmen, Todeskino entsprechend 47,4.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Markus Lewe und seine Ehefrau Maria freuen sich über den Wahlsieg.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lewe: „Ich bin sehr erleichtert und freue mich über das Ergebnis, auch wenn es knapp ist.“

    Foto: hpe
  • Trotz der Niederlage war Todeskino nicht niedergeschlagen: „Ich hätte natürlich gerne gewonnen, aber ich bin nicht enttäuscht. Auf das Ergebnis kann ich stolz sein.“

    Foto: hpe
  • Im Stadtbezirk Münster-Mitte lag Todeskino in zwölf von 13 Wahlbezirken vor Lewe, der wiederum in den Außenbezirken punkten konnte.

    Foto: hpe
  • Robert von Olberg (r.,SPD) zieht am 27.09.2020 in der Bürgerhalle des Rathauses den imaginären Hut vor der Leistung von Wahlverlierer Peter Todeskino.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die Grünen hatten das Marktcafé gebucht. Mit Spannung wurde das Geschehen hier verfolgt.

    Foto: hpe
  • Als Todeskino aus dem Rathaus auf den Prinzipalmarkt tritt, wird er von einem Pulk jubelnder Anhänger empfangen.

    Foto: hpe
  • Im Marktcafé blickte Todeskino schon nach vorn: „Beim nächsten Mal treten wir mit einer grünen Oberbürgermeister-Kandidatin an, dann schneiden wir noch besser ab.“

    Foto: hpe
  • Gelöste Stimmung herrschte bei der Wahlparty der CDU vor dem Stadtcafé.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ganz coronakonform war der Freudentaumel im CDU-Lager nicht zu jeder Minute.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lewe stieß mit seinen Anhängern auf seine nun dritte Amtszeit an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Und die könnte durchaus schwierig werden. Denn im Rat, dem CDU-Mann Lewe weiter vorsteht, ist ein Mehrheitsbündnis des linken Lagers durchaus denkbar.

    Foto: Matthias Ahlke

„Diesen Begriff würde ich zurücknehmen“, erklärte er am Montag auf Nachfrage. Doch da war die Verärgerung über Baumanns Kritik und vor allem deren Zeitpunkt vor der Wahl parteiintern längst groß.

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am Sonntag reagierte Parteichef Grau öffentlich auf Facebook: „Wie sich wenige Tage vor einer so wichtigen Stichwahl für unsere Stadt mehrere ehemalige Fraktionsmitglieder öffentlich derart äußern können, ist mir vollkommen unverständlich.“ Zugleich verwies er darauf, dass ein Ratsmandat als Ehrenamt kein Berufsersatz sei.

Wahlkreis nicht direkt gewonnen

Grau will die Partei jünger und weiblicher machen, die Ratsliste sei dazu ein erster Schritt gewesen. Und weiter: Als Kreisvorsitzender trete er für eine Erneuerung „unserer Fraktionsarbeit“ ein. „Es darf kein ,Weiter so´geben.“

In diesem Zusammenhang betonte Grau, „ausdrücklich keine Funktion im Fraktionsvorstand“ anzustreben. Welche Rolle der Parteichef aber spielen will, soll sich in der nächsten Zeit klären. Die schnelle Wiederwahl von Fraktionschef Stefan Weber soll Grau jedenfalls nicht sonderlich gefallen haben, wie zu hören ist. Dass der Parteichef seinen Wahlkreis Schloss nicht direkt gewonnen hat und nur über die Liste in den Rat eingezogen ist, empfinden wiederum Teile in Partei und Fraktion als Makel. Dazu Grau: „Natürlich hätte ich gern meinen Wahlbezirk geholt.“

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