High-Tech-Ansiedlung in Saerbeck
Klimakommune lockt Wasserstoff-Produzenten an

Saerbeck -

High-Tech-Firma investiert 120 Millionen Euro in Saerbeck. Der thailändische Wasserstoff-Produzent Enapter will in der Münsterland-Gemeinde 300 zum Teil hoch qualifierte Arbeitsplätze schaffen. Ausschlaggebend war der Bioenergiepark vor Ort.

Mittwoch, 14.10.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 14.10.2020, 10:08 Uhr
Am Firmensitz in Pisa produziert Enapter bislang 90 Elektrolyseure im Monat. In Saerbeck plant das Unternehmen eine Produktionsstraße, auf der jährlich 100 000 Geräte vom Band laufen.
Am Firmensitz in Pisa produziert Enapter bislang 90 Elektrolyseure im Monat. In Saerbeck plant das Unternehmen eine Produktionsstraße, auf der jährlich 100 000 Geräte vom Band laufen. Foto: Enapter

Der thailändische Wasserstoff-Spezialist Enapter errichtet in Saerbeck eine Massenfertigungsanlage für Elektrolyseure, in denen grüner Wasserstoff hergestellt wird. Saer­becks Bürgermeister Wilfried Roos bezeichnete den Schritt als „eine Ansiedlung von großer Bedeutung für die Gemeinde“. Saer­beck habe sich durchsetzen können, weil es „lupenreinen grünen Strom“ liefern kann .

Bei einem ersten Kontakt habe Enapter wissen wollen, ob die Gemeinde 4,5 Millionen Kilowattstunden grünen Strom im Jahr liefern könne. Roos habe die Frage amüsiert zur Kenntnis genommen. 4,5 Millionen Kilowattstunden sind laut Roos fünf Prozent der gesamten Strommenge, die der Bioenergiepark in Saer­beck pro Jahr produziert. Den Strom sollen auf einem gemeindeeigenen Gebiet Windkrafträder, eine Biogasanlage sowie Photovoltaikanlagen produzieren. Von dort soll eine Leitung bis zu dem Enapter-Firmengelände gelegt werden.

Enapter will 120 Millionen Euro investieren

Enapter plant nach Angaben des NRW-Wirtschaftsministeriums eine roboterunterstützte Produktionsstraße, die 100 000 Elektrolyseure pro Jahr herstellt. Im italienischen Pisa, wo die Firma ihren Hauptsitz hat, würden derzeit erst 90 Geräte pro Monat gefertigt. Das Unternehmen werde rund 120 Millionen Euro investieren.

Geplant sei ein Campus mit Produktionshalle, Bürogebäude, Tagungsstätte und Wasserstofftankstelle, berichtet der Bürgermeister. 300 zum Teil hoch qualifizierte Arbeitsplätze würden dort entstehen. Die Stellen zum Beispiel für Ingenieure und Chemiker würden in Kürze ausgeschrieben.

Stellungnahme der IHK und Bezirksregierung

Lob für Wasserstoff-Investition für die Region

Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen und die Bezirksregierung Münster begrüßen die Ankündigung des Unternehmens Enapter, sich in Saerbeck (Kreis Steinfurt) mit einem Wasserstoff-Campus anzusiedeln. Das Unternehmen mit Sitz in Pisa (Italien) und Niederlassungen in Deutschland, Thailand und Russland will im Münsterland unter anderem sogenannte Elektrolyseure zur Erzeugung von „grünem“ Wasserstoff fertigen.

Auf dem Campus Saerbeck, für den das Unternehmen sich große Flächen im neuen Gewerbegebiet Nord II gesichert hat, soll unter anderem eine Fertigung für patentierte kleinteiligere Elektrolyseure entstehen, die zur Herstellung von komprimiertem Wasserstoff verwendet werden. „Das ist eine tolle strukturpolitische Entscheidung für die Region und das Ergebnis des guten Zusammenwirkens aller beteiligten Akteure vor Ort und im Land“, so Regierungspräsidentin Dorothee Feller in einer gemeinsamen Pressemitteilung von IHK und Bezirksregierung.

Die Entscheidung des Unternehmens zeige einmal mehr, dass sich lokales Engagement und eine konsequente Ausrichtung wie die der Klimakommune Saerbeck auszahlten, so die Regierungspräsidentin weiter. Ebenso wichtig sei die regionale Vernetzung entscheidender Akteure aus Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt der Wissenschaft und den Hochschulen, insbesondere der Fachhochschule Münster, um herausragende Wasserstoff-Projekte tatsächlich zu realisieren. „Hier werden wir auch in Zukunft die gemeinsamen und gebündelten Stärken des Münsterlandes und der Emscher-Lippe-Region nutzen können“, so Dorothee Feller.

Für IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel ist die Entscheidung des Unternehmens eine weitere Initialzündung, die Region stärker auf Zukunftstechnologien auszurichten: „Das ist ein starker technologischer Impuls für die Wirtschaftsregion, den wir mit Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, wie vom Unternehmen erbeten, untersetzen werden.“

„Um die spezifischen Anforderungen des Betriebs an Fachkräfte bestmöglich zu erfüllen, wird die IHK die betriebliche Ausbildung durch Zusatzqualifikationen, die chemische aber auch elektrotechnische Spezialfertigkeiten umfassen, unterstützen“, sagte Jaeckel. Das Konzept dafür habe eine bundesweite Jury dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Förderung vorgeschlagen.

Die Chancen, Nachwuchsfachkräfte für Produktionsprozesse zu finden, die das Medium Wasserstoff einbinden, sind nach Jaeckels Einschätzung gut. „Junge Menschen interessieren sich zunehmend, wie ökologisch nachhaltig ihr zukünftiger Ausbildungsbetrieb ausgerichtet ist und welchen Beitrag er zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme leistet.“

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