Airline-Insolvenz
Germania stellt Flugbetrieb ein - FMO sucht Ersatz

Münster/Berlin -

5. Februar 2019

2017 traf es Air Berlin, 2018 Small Planet Airlines, nun Germania. Erneut muss eine Berliner Fluggesellschaft Insolvenz anmelden. Die Flieger bleiben ab sofort am Boden. Am Flughafen Münster/Osnabrück fallen auf einen Schlag 16 von 27 Reisezielen weg.

Dienstag, 05.02.2019, 05:23 Uhr
Airline-Insolvenz: Germania stellt Flugbetrieb ein - FMO sucht Ersatz
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Am Flughafen Münster/Osnabrück hebt kein Germania-Flieger mehr ab. Foto: Gunnar A. Pier (Archiv)

Aus, vorbei, Feierabend: Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Das hat Untenehmenssprecher Lars Wagner in der Nacht zu Dienstag mitgeteilt. „Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, erklärte Airline-Chef Karsten Balke. Als Konsequenz daraus sei „keine andere Möglichkeit als die Insolvenzbeantragung“ geblieben. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Wie es nun weitergeht, ist noch völlig offen.

Ersatz nur für Pauschaltouristen

Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung. Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Anfang des Jahres hatte Germania den Liquiditätsengpass eingeräumt. Der Gesellschaft mit 1100 Mitarbeitern und rund 40 Flugzeugen fehlten danach 15 Millionen Euro. Ein erster Rettungsversuch scheiterte. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter.

Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer „außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte”.

Schlag für den FMO

Für den Flughafen Münster/Osnabrück ist die Meldung ein heftiger Schlag. Germania war dort die wichtigsten Airline, hatte das Engagement in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut. Die Fluggesellschaft bediente am Airport in Greven 20 der 27 Ziele und beförderte 2018 rund 270.000 der rund eine Million Fluggäste. 

Auf einen Schlag fallen am FMO jetzt 16 Urlaubsziele weg, die Germania laut Sommerflugplan alleine bedienen sollte. Auf den restlichen Strecken, etwa nach Palma de Mallorca, halten andere Airline noch Verbindungen vor.

Wegfallende FMO-Ziele

Faro, Fuerteventura, Funchal, Gran Canaria, Heraklion, Ibiza, Istanbul (IST), Kos, Lanzarote, Larnaca, Malaga, Rhodos, Teneriffa, Thessaloniki, Varna, Zonguldak.

...

„Touristikprogramm am FMO schnellstmöglich sichern“

Entsprechend bestürzt nahm der FMO-Chef die Nachricht vom Germania-Aus zur Kenntnis: „Germania hatte am 19.01. die Lösung der Finanzierungsfragen bekannt gegeben und wörtlich hinzugefügt, dass damit die mittel- und langfristige Perspektive gesichert sei. Knapp zwei Wochen später eine Insolvenz zu verkünden, verwundert doch sehr“, ärgerte sich Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz in einer Mitteilung am Dienstagmorgen .

Der FMO habe schon seit Beginn der Germania-Krise den „permanenten Austausch mit den großen Reiseveranstaltern in Deutschland stark intensiviert”, heißt es in einer Mitteilung des Flughafens. „Wir werden nun alles daran setzen, gemeinsam mit den touristischen Partnern schnellstmöglich das Touristikprogramm am FMO zu sichern“, sagte Schwarz. 

Im Zuge der Neuausrichtung des Touristikgeschäftes am FMO nach dem Weggang der Airberlin habe der Flughafen ganz bewusst auf eine „deutliche Diversifizierung der Anbieter” Wert gelegt. Airberlin hatte seinerzeit einen Marktanteil von über 60 Prozent am FMO. Heute sehe die Verteilung mit 36% Lufthansa, 26% Germania, 15% SunExpress, 10% Eurowings und 5% Laudamotion deutlich ausgeglichener aus. Dabei wirkt sich aus, dass Germania zwar viele Ziele von Greven aus anflog, aber den Großteil nicht mit täglichen Verbindungen - anders als etwa die Lufthansa auf den Inlandsstrecken nach Frankfurt und München.

Am Montag noch Hoffnung

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung” berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe solle auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. In der Nacht folgte dann die Mitteilung, dass vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz für die genannten Firmen beantragt worden sei.

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