Was Sie über den Flughafen Münster/Osnabrück wissen müssen
Was Sie über den Flughafen Münster/Osnabrück wissen müssen

Die Geschichte des FMO

Die Geschichte des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) ist die eines langen Aufs und späten Abs. In den ersten Jahrzehnten seiner Geschichte flog der Regionalflughafen in Greven steil nach oben. Ständig neue Ziele, immer mehr Airlines und in der Folge stetig wachsende Passagierzahlen. Der Flughafen schien dauerhaft auf Wachstum gepolt.

Erst nach den Terroranschlägen vom 11. September und der damit einhergehend globalen Flugangst kennen auch die FMO-Verantwortlichen und die Gesellschafter die Mühen der Ebene.

Der Flughafen begann klein, ganz klein: 1954 wurde die heute 18 Hektar große Flughafen-Fläche als Areal für Segelflugzeuge offiziell zugelassen. Knapp drei Jahre später firmierte er als sogenannter Motorlandeplatz der Luftfahrtvereinigung Greven.

1966 schließlich gründeten die Städte Münster, Greven und Osnabrück den Flughafen Münster/Osnabrück GmbH, knapp zwei Jahre später begannen die ersten Arbeiten für den Ausbau. Die ersten Pläne hatten noch vorgesehen, einen neuen  Regionalflughafen bei Drensteinfurt zu errichten. Sie wurden schnell ad acta gelegt.

In den späten 1960er Jahren entstand in Greven neben dem neuen Vorfeld auch die rund 2000 Meter lange Startbahn - die viele Jahre später noch Gegenstand eines erbitterten und langwierigen Streits mit Naturschützern werden sollte.

1973 fand schließlich der erste Charterflug vom FMO statt. Die Maschine flog nach Mallorca. Danach ging es bis zum Millennium steil bergauf: Im Jahr 2000 erreichte der FMO mit 1,8 Millionen Fluggästen das bisherige Allzeithoch. Danach ging es stetig bergab. Im Jahr 2015 lag die Zahl der Fluggäste bei rund 820.000. Zeitgleich wurde das Loch in der Kasse immer größer.

Alle Infos im Überblick

1986 wurde der FMO als zwölftes Mitglied in die Liste der internationalen deutschen Verkehrsflughäfen aufgenommen. In NRW gehören nur noch Düsseldorf und Köln/Bonn diesem Kreis an. Mit wachsenden Passagierzahlen wuchs auch der Flughafen.

Das zweite Terminal

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Foto: Wilfried Gerharz

1987 wurde die Flugzeughalle 4 fertiggestellt, 1990 konnte der neue Tower in Betrieb genommen werden, im Jahr 2001 wurde das neue, über 50 Millionen Euro teure Terminal II in Betrieb genommen, ein Jahr danach wurde für den damaligen Haupt-Carrier Air Berlin eine eigene Wartungshalle errichtet. Der FMO stemmte die Finanzierung des Terminals aus eigenen Mitteln.

Im Nachhinein stellte sich heraus: Die moderne Abfertigungshalle, in der jährlich bis zu vier Millionen Passagiere abgefertigt werden können, ist für die realen Bedingungen am FMO viel zu groß geraten. An den Krediten, deren Tilgung in den Jahresbilanzen bis heute mit Millionenbeträgen auftaucht, knabbert die FMO GmbH bis heute. 

Die Startbahn-Verlängerung

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Foto: colourbox.de

In die Zeiten der unbegrenzten Wachstumseuphorie fällt auch der Plan, die Startbahn zu verlängern. 1994 kam das Thema zu ersten Mal auf. Der Gedanke: Mit Hilfe einer auf 3600 Meter verlängerten Startbahn könnten von Greven aus auch interkontinentale Ziele angeflogen werden, die zusätzliche Ziele, noch mehr Passagiere und mithin die Attraktivität des FMO nachhaltig steigern würden.

Der ursprüngliche Plan sah vor, die Startbahn in zwei Etappen zunächst auf 3000 und dann auf 3600 Meter zu verlängern. Für das gesamte Projekt waren 120 Millionen Euro veranschlagt. Offiziell halten die Gesellschafter nach wie an den wenn inzwischen auch abgespeckten Ausbauplänen fest. Inoffiziell geht niemand mehr davon aus, dass der Flughafen seine Startbahn verlängert bekommt.

Nach zehnjährigen Planungen brachte das Land NRW 2005 das für den Ausbau nötige Planfeststellungsverfahren zu Ende - und rief damit Umweltschützer auf den Plan. Die monierten vor allem, dass der nahe Elting- Mühlenbach und das ihn umgebenden FFH-Schutzgebiet durch die Startbahnausbau negativ beeinträchtig würden.

Stellvertretend für alle Umweltschutz-Organisationen zog der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) vor Gericht und erreichte nach mehreren Verfahren 2009 schließlich vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Neuaufnahme des Verfahrens. Ende Mai 2011 wurde der alte Planfeststellungsbeschluss in seiner bestehenden Form vom Oberverwaltungsgericht in Münster endgültig für rechtswidrig erklärt. Dem Land wurde jedoch die Möglichkeit eingeräumt, den Plan zu heilen, sprich: in veränderter Form erneut vorzulegen.

Inzwischen hatten sich Nabu und FMO auf einen Kompromiss geeinigt: Danach soll die Startbahn jetzt auf 3000 Meter verlängert werden. Große Teile der rund 60 Millionen Euro, die dieser Ausbau kosten soll, und die von den Gesellschaftern dafür beiseitegelegt worden waren, wurden inzwischen in den FMO investiert.

Der Einbruch

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Foto: colourbox.de

Nach den Terroranschlägen vom 11. September auf das World-Trade-Center in New setzte eine globale Flugangst ein: Alle Airports verzeichneten zum Teil deutliche Passagierrückgänge. Auch der FMO: In Greven sank die Zahl der Passagiere von 1,8 Millionen im Jahr 2000 auf 820.000 im Jahr 2015.

Einhergehend mit dem Rückgang der Fluggastzahlen bricht auch die Zahl der Airlines ein und damit die der Flugziele. 2012 geben in kurzer Abfolge mehrere Airlines entweder ganz oder nur am FMO auf. Nachdem sich die kriselnde Air Berlin auch in Greven immer weiter zurückgezogen hat, brechen die Gesellschafter 2013 mit dem bis dahin geltenden Grundsatz, aus wirtschaftlichen Erwägungen keine Billigairline an den Flughafen zu holen:

Die irische Ryanair kurzzeitig Girona und Málaga in Spanien an, stellt den Betrieb dann aber wieder ein.

Die Finanzlage

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Foto: Wilfried Gerharz

Im Jahr 2013 beläuft sich das Kreditvolumen des Flughafens auf rund 120 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Verlustvortrag von rund 20 Millionen Euro, dahinter verbergen sich bilanziell in Folgejahr verschobene Defizite. Sicher ist: Nach Jahren der schwarzen Null rutscht auch der FMO in den Kreis deutscher Airports, die perspektivisch auf Zuschüsse ihrer Gesellschafter, sprich, die öffentliche Hand angewiesen sind.

2014 verabschieden die Gesellschafter ein millionenschweres Entschuldungspaket.

Zu viele Flughäfen

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Foto: colourbox.de

Der Flughafen Münster/Osnabrück ist nicht der einzige, der unter einer zu geringen Auslastung und damit verbunden wirtschaftlichen Schwierigkeiten leidet. Einer der wesentlichen Gründe: Nicht nur in NRW gibt es zu viele Flughäfen. Nach wie vor werden sie auch Standortvorteil und damit als Instrument der Wirtschaftsförderung angesehen, mit Hilfe dessen die ökonomische Attraktivität der Region gesteigert werden kann.

Das Argument der schnellen Anbindung an die Welt macht jedoch nur Sinn, wenn der Flughafen tatsächlich diese Verbindungen bieten kann. Dies ist am FMO zumindest eingeschränkt der Fall, bietet er doch direkte Verbindungen zu den Drehkreuzen Frankfurt und München.

Unmittelbare Konkurrenten des FMO sind der Flughafen Dortmund, der Flughafen Paderborn-Lippstadt, aber auch Bremen und Hannover, vor allem aber die beiden nordrhein-westfälischen Großflughäfen Düsseldorf sowie Köln/Bonn. Generell festzustellen ist, dass sich die Airlines anders als viele Jahre angenommen nach wie vor auf die großen Flughäfen konzentrieren und nicht - wie lange Zeit geglaubt, wegen der enormen Auslastung der Metropol-Airports in die Fläche gehen.

Twente

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Foto: Wilfried Gerharz

Zwei Jahre lang hielten die Flughafen-Pläne im niederländischen Twente die Verantwortlichen des FMO auf Trab. Knapp 60 Kilometer von Greven entfernt plante die Region Overijssel sowie die Stadt Enschede einen brachgefallenen Nato-Flughafen zu einem regionalen Airport auszubauen und damit dem FMO massiv Konkurrenz zu machen.

Letztlich scheiterten die Pläne Mitte 2014 am Einspruch der Brüsseler Wettbewerbshüter. Das Vorhaben der Niederländer hatte zu einer massiven politischen Verstimmung im Grenzraum geführt.

Wechsel an der Spitze

Je größer die Probleme am FMO werden, desto größer wird der Druck auf die Leitung. 2015 spricht der Landrat des Kreises Steinfurt als zweitgrößer Anteilseigner dem Geschäftsführer das Misstrauen aus. Der Schaden ist irreparabel.

Im Dezember kommt es zum Schwur. Mit knapper Mehrheit entscheidet sich der Eigentümerkreis dafür, den Vertrag des da 56 Jahre alten FMO-Chefs nicht zu verlängern .

Nach 20 Jahren musste Stöwer im September 2016 seinen Platz räumen.  

Wie fliegt man aus der Krise?

Dezember 2015

Keine allzu verkniffenen Gesichter, keine wirklich sichtbare Anspannung. Im großen Konferenzraum des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) tagten gestern die Gesellschafter. Auf dem Programm: kein Business as usual, sondern ei­ne Abstimmung.

Deren Ergebnis steht zwar schon vorher fest, trotzdem hat sie es in sich. Gerd Stöwers Vertrag wird nicht verlängert. Nach 19 Jahren an der Spitze des Flughafens in Greven lassen die Eigentümer den Vertrag des 56 Jahre alten Geschäftsführers mit knapper Mehrheit zum 30. September 2016 auslaufen.

Die Sitzung beginnt mit ei­ner halben Stunde Verspätung. Und ist nach 50 Minuten beendet. Es gibt nichts zu beraten, es gilt nur abzustimmen. Wolfgang Griesert, der Osnabrücker Oberbürgermeister, hat den Vorsitz des FMO-Aufsichtsrates inne und ist zudem Vorsitzender der Ei­gen­tü­mer-Runde. Er steht am Ende Re­de und Antwort, ohne viel zu sagen. Offensichtlich ist: Ihm schmeckt das Ergebnis nicht. Wie ein paar andere hätte er dem FMO-Chef gerne ein weiteres Jahr gegönnt.

Was waren die Gründe dafür, dass Stöwer keinen neuen Vertrag erhalten hat?

„Die Gesellschafter haben nicht zugestimmt.“

Und warum haben die Gesellschafter nicht zugestimmt?

„Da müssen Sie die Gesellschafter fragen, die sind au­tonom.“

Was Griesert nicht sagen will, ist längst kein Geheimnis mehr: Es rumort schon seit geraumer Zeit hinter den FMO-Kulissen. Letztlich war es wohl ein Dreiklang aus anhaltend rückläufigen Passagierzahlen, da mit verbundenen gravierenden wirtschaftlichen Problemen – und den unweigerlichen Folgen daraus: ei­nem Vertrauensverlust, der erst schleichend kam, am Ende aber so weit um sich gegriffen hatte, dass die Parlamente in Greven, Osnabrück und dem Kreis Steinfurt – man muss es wohl so hart sagen – ihre knappe Mehrheit in der Gesellschafter-Runde nutzten und dem FMO-Chef den Stuhl vor die Tür stellten.

Und nun?

Ist guter Rat teuer. Keinem Regionalflughafen in der Republik geht es wirklich gut. Zur Wahrheit gehört aber auch: Kaum einem anderen geht es derart schlecht wie dem FMO. Um den Flughafen in Greven wieder flügge zu bekommen, hat ihm der Aufsichtsrat in der vergangenen Woche sieben Punkte ins Aufgabenbuch geschrieben. Strukturprogramm nennt sich das.

Dabei neu und zen­tral: Das Un­ter­neh­men FMO soll in eine Be­sitzer- und ei­ne Betreiber gesellschaft ge­splittet werden, wobei erstere wie ei­ne Bad Bank Schulden und Zinslasten übernehmen soll, während die von aller Last befreite Betreibergesellschaft für das operative Geschäft zuständig und damit womöglich für Investoren attraktiv sein soll.

Januar 2016: Die Lehren aus der Leere

Den Flughafen in Greven wieder flügge werden lassen ist leichter gesagt als getan. Das Jahr 2015 schloss wie etliche davor: Mit einem deutlichen Minus bei den Fluggästen und erneut anders, als von Noch-Chef Gerd Stöwer zu Jahresbeginn prognostiziert. 820.000 Passagiere nutzten 2015 den Flughafen Münster/Osnabrück FMO, das sind 8,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Business as usual? Offenbar nicht. Es tut sich etwas am FMO.

Mit knapper Mehrheit haben die Gesellschafter im Dezember den Vertrag des FMO-Geschäftsführers Gerd Stöwer nicht verlängert. Im September hat der 56-Jährige seinen letzten Arbeitstag in Greven. Im Zuge der Personaldebatte stießen die Flughafen-Eigentümer zudem eine Strategiedebatte an. Dabei geht es um fünf Themen und ein Signal: Am Flughafen Münster/Osnabrück soll sich die Situation zum Besseren wandeln. Das jedenfalls ist der erklärte Wille der drei großen Gesellschafter, die Städte Münster und Osnabrück sowie der Kreis Steinfurt.

Ausgangslage

„Wir sind eine Wachstumsregion“, sagt der Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, Wolfgang Griesert. Und die brauche einen Flughafen. Vielleicht „kleiner und anders“, so der Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe. Für ihn wie für Griesert gehört der FMO zur öffentlichen Infrastruktur. „Das deutliche Bekenntnis dazu hat in der Vergangenheit möglicherweise gefehlt“, sagt Lewe.

Finanzpaket

Die Gesellschafter haben im Jahr 2014 ein Entschuldungs- und Finanzpaket geschnürt, bei dem es darum geht, die Eigenkapitalquote des FMO zu erhöhen. Dazu bekommt der Flughafen über acht Jahre verteilt rund 100 Millionen Euro. Trotz des neuerlichen Passagierrückgangs (das Paket geht von einem jährlichen Fluggastplus von vier Prozent aus), „ist das Finanzierungskonzept nicht gefährdet“, betont der Landrat des Kreises Steinfurt, Dr. Klaus Effing. Griesert und Lewe sehen das genauso. Das Ziel ist: In zehn Jahren wieder auf 1,2 Millionen Passagiere zu kommen.

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Foto: colourbox.com/Jürgen Christ

Frachtflug

Die Gesellschafter wollen auf den Stärken des FMO aufbauen. Dazu gehört unter anderem, dass er keinem Nachtflugverbot unterliegt.  Warum also nicht versuchen, verstärkt auf Frachtflug zu setzen? Das Problem: Das Luftfracht-Aufkommen ist in der Region nicht so groß, als dass es der Flugzeuge bedarf, um die Güter in eine Richtung zu transportieren. Gleichwohl: Griesert will als Vorsitzender von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung das Gespräch mit den Landesregierungen in NRW und Niedersachsen suchen. Laut Lewe gibt es bereits „gute Signale aus Düsseldorf“, helfen zu wollen. Dabei geht es nicht darum, ein Frachtflugdrehkreuz zu etablieren, das ist, so Griesert, „eine andere Liga“. Das Ziel sei vielmehr, „frachtverstärkt zu fliegen“. Pikant: Sollte sich aus dem Thema Luftfracht am FMO ein Standbein entwickeln, würde das Thema Startbahn-Verlängerung erneut an Aktualität gewinnen.

Terminal 2

Das zu große Terminal 2 soll – wenn möglich – anderweitig genutzt werden. Die Frage ist, wie. Gutachter sollen Potenziale entwickeln. Die Idee, ein Factory-Outlet-Center zu etablieren, ist offenbar vom Tisch. „Das würde den FMO stärken, aber unsere Innenstädte schwächen“, sagt Griesert.

Investoren

Die Beteiligung privater Investoren ist erwünscht. Diskutiert werden drei Modelle. Die Gesellschaftsstruktur bleibt, wie sie ist. Interessenten beteiligen sich nicht aus primär ökonomischem Interesse, sondern eher wegen eines Know-how-Transfers. Eine solche Lösung favorisiert Landrat Effing. Münster und Osnabrück gehen weiter: Sie können sich vorstellen, eine Betriebs- und eine Besitzgesellschaft oder eine Betriebs-, eine Besitz-, und eine Immobiliengesellschaft zu gründen. Klar zu sein scheint: In der Besitzgesellschaft befinden sich die bisherigen Eigentümer – und der Schuldenberg. Griesert will auch die vollständige Privatisierung zumindest diskutieren. „Wir sollen es nicht übertreiben“, sagt Lewe dazu. Potenzielle Investoren sollen sich bereits gemeldet haben.

Airlines

Etliche Airlines kamen an den FMO –  und waren oft schnell wieder verschwunden. Das war schlecht fürs Renommee. Griesert stellt darum das  Modell des „Anfütterns“ mit Vergünstigungen in der Anfangszeit infrage. „So bekommst du keinen stabilen Markt hin“, sagt er. Der Steinfurter Landrat empfiehlt in diesem Zusammenhang, auch die Unternehmer der Region zu fragen: „Wo ist euer Bedarf.“

Chefsessel

Der Kreis Steinfurt hat den Aufsichtsratschef in einem Brief angemahnt, die Stelle des Geschäftsführers schnell auszuschreiben. „Weil das Verfahren nun einmal lange dauert und Prof. Stöwers Vertrag im September ausläuft“, sagt der Landrat. Griesert hält hingegen „an der im Aufsichtsrat verabredeten Reihenfolge“ fest, wonach erst die strategischen Punkte behandelt werden sollen, ehe die Personalfrage angegangen wird. Schließlich könne es sei, dass ein Investor gefunden wird, der  bei der Frage der neuen Geschäftsführung womöglich ein Wörtchen mitreden will.  Derzeit bereitet Stöwer die  Roadmap für den Strategieprozess vor. Im Februar will der Aufsichtsrat erste Gutachten auf den Weg bringen. Dass der FMO-Chef diese Aufgabe übernimmt, wird in dem Kontrollgremium auch kritisch gesehen. Griesert mahnt zur Gelassenheit: „Es ist doch klar, dass Prof. Stöwer den Prozess nicht steuert, sondern höchstens Vorschläge unterbreitet.“

Die Suche nach Mr. X

Juli 2016

Am 30. September hat FMO-Chef Gerd Stöwer seinen letzten Arbeitstag in Greven. Die Gesellschafter hatten seinen Vertrag im Dezember nicht verlängert . Seit April sucht die Personalberatung Kienbaum nach einem geeigneten Nachfolger.

Die Eigentümer wollen keine Va­kanz an der Spitze des Flughafens Münster/Osnabrück. Am 27. August will der eigens gebildete Personalausschuss dem Aufsichtsrat einen Kandidaten präsentieren. Der soll dann von den Gesellschaftern ernannt werden. So ist der Plan.

Geredet wird derzeit von vielen viel. 40 Bewerber sollen sich gemeldet haben. Das ist jedoch irrelevant, da das Beratungsunternehmen Kienbaum beauftragt wurde, Kandidaten aufzuspüren. Auch wenn der Vorsitzende von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung, der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, anderes sagt: Die Kandidaten haben sich bereits dem Personalausschuss vorgestellt.

Diesem Gremium gehören ne­ben Griesert der münsterische Oberbürgermeister Mar­­kus Lewe, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster, Dr. Michael Jung, und der Steinfurter Landrat Dr. Klaus Effing an. Sie repräsentieren die drei großen Gesellschafter.

Offiziell kennt der Aufsichtsrat keine Bewerber

„Es gab keine Gespräche mit Bewerbern“, sagte Griesert am Abend des 16. Juni gegenüber unserer Zeitung. Am Nachmittag hatten sich die vier Ausschussmitglieder jedoch definitiv mit Bewerbern in Ladbergen zusammengesetzt. Dem Vernehmen nach sprachen sechs Kandidaten vor. Griesert, Lewe und Co. haben sich absolutes Stillschweigen auferlegt. Offiziell kennt auch der Aufsichtsrat den Kreis der Bewerber nicht.

Favorit mit „Airliner-Erfahrung“

Aus dem Interessenten-Pool soll der Personalausschuss inzwischen einen Favoriten gekürt haben . Es sei jemand mit „Airliner-Erfahrung“, so ist zu hören.

Ein neuer Chef mit viel Erfahrung und ausgeprägten Kontakten zu Fluggesellschaften täte dem FMO gut. Während die Themen Luftfracht, die Frage ei­ner künftigen Gesellschaftsform und die Suche nach einem neuen Geschäftsführer und privaten Investoren die Debatte der vergangenen Monate bestimmten, haben sich die Passagierzahlen in Greven kontinuierlich weiter nach unten geschraubt.

Ohne gute Angebote keine zusätzlichen Passagiere: Das liegt auf der Hand. Hier kann man dem scheidenden Chef Gerd Stöwer nicht nachsagen, zu wenig getan zu haben. Trotzdem schrumpfte mit der Zeit die Zahl der Ziele und die akquirierten Airlines stahlen sich nach immer kürzerer Zeit vom Hof.

Neuer Chef, neue Ziele

Neuer Chef, neue Ziele: Unmittelbar nachdem die Gesellschafter Stöwers Nachfolger ernannt haben, startet die Kärrnerarbeit: Gleich nach dem Ende der Som­merpause wird die Unternehmensberatung „Pricewaterhousecoopers“ (PwC) die Er­gebnisse der „Markterkundung“ präsentieren. Da­bei geht es um die Fragen, ob der Bereich Frachtflug am FMO ernst zu nehmend relevant werden könnte und ob der Flughafen attraktiv für private Investoren ist.

Suche nach der schwarzen Null

Unabhängig von dem Ergebnis – sicher scheint zu sein: Der operative Bereich wird auf absehbarer Zeit kei­nen Gewinn abwerfen, im Gegenteil: Um die schwarze Null zu erreichen, werden die Gesellschafter zwei bis drei Millionen Euro pro Jahr hineinpumpen müssen.

Schon das stramme Entschuldungspaket hat angesichts der vielen Millionen Euro für Streit gesorgt. Der operative Nachschlag könnte weitere Wellen schlagen. So haben zuletzt die Steinfurter gefordert, dafür einen anderen als den bisherigen Anteilsschlüssel zugrunde zu legen.

FMO-Passagierzahlen erholen sich

Juli 2016

Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) kann in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein im Vergleich mit seiner NRW-Konkurrenz moderates Minus vorweisen.

Nach Angaben des Flughafenverbandes ADV belief sich der Passagierrückgang von Januar bis Mai in Greven auf drei Prozent. Da der FMO im Juni um 3,5 Prozent bei den Fluggästen zulegte, liegt die Halbjahresbilanz bei minus 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Damit hat der Flughafen in Greven die rote Laterne abgegeben. Den mit Abstand größten Rückgang bei den Passagieren im Vergleich zu den ersten fünf Monaten 2015 verzeichnete der Flughafen Paderborn/Lippstadt mit einem Minus von 15,2 Prozent. Das statistische Landesamt IT-NRW hat am Dienstag die Fluggastzahlen für die ersten drei Monate des Jahres gemeldet. Da lag der FMO noch bei minus vier Prozent (58.400 Fluggäste).  Das bedeutet: Die Grevener konnten in den Folgemonaten Boden gut machen.  

Von den sechs großen Flughäfen in NRW flogen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 15,5 Millionen Passagiere ab. Von Düsseldorf starteten in dieser Zeit insgesamt 8,2 Millionen Fluggäste. Das entspricht einem Zuwachs von 1,9 Prozent.

Der Flughafen Köln/Bonn liegt mit einem Plus von 21,9 Prozent (4,276 Millionen Passagiere) beim Zuwachs an der Spitze. Das erklärt sich durch die Nähe zu Düsseldorf. Der dortige Flughafen ist an den Grenzen seiner Belastbarkeit angekommen, folglich dient Köln/Bonn immer mehr als Ausweich-Airport.

Der Flughafen Dortmund verzeichnete ein Plus von 2,2 Prozent (733.514 Fluggäste),  der Airport in Weeze rutscht ins Minus: 676.391 Passagiere in den ersten fünf Monaten des Jahres bedeuten im Vergleich zu 2015 ein Rückgang um vier Prozent.

In Greven lag der Gesamtverkehr zwischen Januar und Mai bei 251.525 Fluggästen. Das Schlusslicht Paderborn/Lippstadt zählt hier 198.875 Passagiere - das sind 15,2 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

August 2016: Gerangel um Nachfolge von FMO-Chef Stöwer

Am Samstag, 27. August 2016, soll der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) einen neuen Chef bekommen. So sieht es zumindest das Drehbuch von Aufsichtsrat und Gesellschaftern vor. Aber ganz so einfach scheint das Prozedere nicht zu sein.

Der eigens ge­bildete Personalausschuss mit Vertretern der drei größten Ei­gentümer Osnabrück, Münster und dem Kreis Steinfurt wird dem Aufsichtsrat bei dessen Sitzung am 27. August 2016 einen Kandidaten für die Nachfolge von Noch-Geschäftsführer Gerd Stöwer vorstellen. Der Aufsichtsrat gibt dann den anschließend tagenden Gesellschaftern eine Empfehlung, was bei einem Kandidaten kein Entweder-oder, sondern nur ein Ja oder Nein sein kann. So weit, so gut.

Aber ganz so einfach scheint das Prozedere nicht zu sein. Hinter den Kulissen wird gerungen. Da geht es weniger um den bislang nur dem Ausschuss bekannten Favoriten als vielmehr um das Verfahren. Vor allem im Kreis Steinfurt, mit 30 Prozent Anteilen zweitgrößter Eigentümer, regt sich aufseiten der Politik Widerstand. Was bei den Aufsichtsratsmitgliedern der anderen beiden Groß-Eigner Münster (35 Prozent) und Osnabrück (17 Prozent) zu Unmut führt. Von „Erpressung“ ist hinter vorgehaltener Hand die Rede, verbunden mit verhaltener Kritik am Steinfurter Landrat Dr. Klaus Effing, dem es nicht gelingt, Brücken zu bauen.

SPD, Grüne, UWG, aber auch vereinzelt CDU-Vertreter im Steinfurter Kreistag kritisieren das Verfahren, wonach der Personalausschuss dem Aufsichtsrat bei ei­nem Kandidaten eigentlich keine Wahl lässt. „So nicht“, heißt es hier. „Unsinn, das Verfahren wurde genauso abgesprochen“, schallt es von der anderen Seite zurück. Wie es aussieht, gibt es in den verbleibenden sechs Tagen noch reichlich Gesprächsbedarf.

Die Gesellschafter-Struktur des FMO

Die Gesellschafter-Struktur des FMO Foto: Jürgen Christ

Im Dezember hatten die Gesellschafter den Vertrag mit FMO-Chef Stöwer nicht verlängert . Dem vorausgegangen war ein jahrelanger Sinkflug des FMO. Schwindende Passagierzahlen , immer we­niger Airlines, ein Rückgang bei den Zielen und Strecken, dafür ein steigender Schuldenberg ließen die Eigentümer die Reißleine ziehen. Offiziell hat Stöwer Ende September seinen letzten Arbeitstag. Um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten, hatten die Gesellschafter frühzeitig die Personalberatung Kienbaum eingeschaltet ; im Juni stellten sich sechs Kandidaten dem Personalausschuss vor, der Favorit sei jemand „mit Airline-Erfahrung“, heißt es.

Dr. Rainer Schwarz ist Nachfolger von Gerd Stöwer

27. August 2016

Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) hat einen neuen Geschäftsführer. Die Gesellschafter des Grevener Airports haben am Samstagmittag Dr. Rainer Schwarz (Mitte) zum Nachfolger Gerd Stöwers ernannt.

Schwarz (59) ist einer der bekanntesten Flughafen-Manager Deutschlands. Er führt seit Dezember 2014 die Geschäfte am Flughafen Rostock-Laage. Der Regionalflughafen in Mecklenburg-Vorpommern ist kleiner als der FMO, verzeichnete zuletzt allerdings ein kräftiges Passagierplus.

Die Bekanntheit des promovierten Betriebswirtes stammt jedoch aus seiner Zeit in Berlin: Schwarz war bis Juni 2013 Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und damit Vorstandschef jener Gesellschaft die als Bauherr des skandalumwitterten Hauptstadtflughafens ins Gerede gekommen ist.  Der gebürtige Essener verfügt über exzellente Kontakte in der internationalen Luftfahrtszene.

In Rostock-Laage konnte er die Fluggastzahlen unter anderem dadurch deutlich steigern, dass er Kreuzfahrtpassagiere aus Spanien mittels Sonderflügen herbeifliegen ließ. Die spanische Reederei „Pullmantur Cruises“, die zum globalen Riesen „Royal Caribbean“ gehört, nutzt den Flughafen als Ausgangspunkt für Fahrten ab dem Hafen Warnemünde in die Ostsee und zu den norwegischen Fjorden.    

29. September 2016: Gutachten zur FMO-Markterkundung

Der Aufsichtsrat des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) hatte am Donnerstag einige Kröten zu schlucken. Hinter verschlossenen Türen stellte die Unternehmens­beratung „PricewaterhouseCoopers“ (PwC) ihr Gut­achten zur „Markterkundung“ vor.

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse sind ernüchternd: Kein privater Investor ist in Sicht. Und auch das Thema Frachtflug, von dem sich mancher Auftrieb für den Grevener Flughafen erhofft hatte, wird aus PwC-Sicht keine nennenswerte Rolle spielen, weil das notwendige Volumen fehlt. Allenfalls in ­Nischen böte die Luftfracht Potenziale.

Die Reaktionen auf den knapp 100-seitigen Bericht waren schon vor dessen Präsentation entsprechend. „Das Ergebnis ist ernüchternd“, erklärte ein Aufsichtsratsmitglied. Damit reduzierten sich die „Perspektiven des FMO dramatisch“.

Allzu gut sind die schon lange nicht mehr. Die Passagierzahlen sind seit Jahren rückläufig und werden in diesem Jahr allenfalls die 800 000er-Marke schrammen. Infolgedessen sind die wirtschaftlichen Pro­bleme groß. 2014 schnürten die vorwiegend kommunalen Eigentümer ein auf acht Jahre angelegtes 100-Millionen-Euro-Finanzpaket. Ein Jahr später stellte das Gremium dem Noch-Geschäftsführer Gerd Stöwer mit knapper Mehrheit den Stuhl vor die Tür und gab besagte Markterkundung in Auftrag.

FMO für Investoren zu klein

Die Hoffnungen waren groß, letztlich aber illusorisch. Warum sollte sich ein Investor an einem kriselnden Flughafen beteiligen? Flughäfen unter ei­ner Million Passagiere seien für Investoren, die eine schnelle Renditemöglichkeit suchten, uninteressant, erklärte PwC. Gefunden worden seien einzig Unternehmen, die „ausschließlich den Betrieb des Flughafens gegen eine Managementgebühr übernehmen würden“, teilte der FMO am Abend mit. Heißt im Klartext: die sich als Dienstleister ihr Engagement von den Eigentümern bezahlen lassen wollen. Das wirtschaftliche Risiko wäre damit allein bei den Gesellschaftern geblieben. Die Studie sollte den FMO-Eignern ei­gentlich Wege aufzeigen, wie sie die Probleme des Flughafens lösen können. Stattdessen fielen ihnen die Schwierigkeiten gestern wieder allesamt vor die Füße.

Von in der Vergangenheit gemachten Fehlern war in den vergangenen Tagen zu hören. Es fielen auch Sätze wie: „Die Debatten der letzten Monate hätten vor fünf oder zehn Jahren geführt werden müssen.“ Immerhin spricht man jetzt darüber.

Bis zum Jahr 2000 war der Flughafen auf Wachstum gepolt. Danach begann der Sinkflug, der über Jahre mit positiven Nachrichten von neuen Zielen, frischen Airlines und bald steigenden Fluggastzahlen rosarot übertüncht wurde. Selbst das unter Stöwers Regie erarbeitete Entschuldungspaket fußt auf der Annahme eines Passagierwachstums von jährlich vier Prozent! PwC war an dem Projekt beteiligt und sprach damals von „sehr ambitionierten Annahmen“, schließlich lag 2014 das Passagierwachstum an deutschen Flughäfen im Mittel bei zwei Prozent.

Positive Nachrichten

Zwei positive Nachrichten gibt es dann doch vom FMO: Er wird die Air-Berlin-Krise offenbar schadlos überstehen . Zudem prüft Pegasus Airlines, im Winter anstelle von Turkish Airlines vom FMO nach Istanbul zu fliegen.

Die Ära Stöwer endet am Freitag . Nach 20 Jahren an der Spitze des FMO wurde sein Vertrag im Dezember nicht verlängert. Sein Nachfolger ist Rainer Schwarz, vormals BER-Chef und zu letzt Geschäftsführer des Flughafens Rostock-Laage. Anfang 2017 übernimmt er am FMO das Ruder. „Schwarz ist der einzige Joker, der jetzt noch im Spiel ist“, hieß es gestern aus Kreisen des Aufsichtsrates.

September 2016

Die neun Millionen Fluggäste, die im ersten Halbjahr in NRW gestartet sind, verteilen sich sehr unterschiedlich auf die Flughäfen. Während Köln/Bonn und Düsseldorf florieren, geht es im Rest des Landes mit den Zahlen bergab.

Über neun Millionen Passagiere sind in den ersten sechs Monaten von den Flughäfen in NRW gestartet. Das sind – wie das statistische Landesamt IT NRW am Freitag mitteilte – 5,6 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahr. Gewinner dieser Entwicklung ist mit 2,7 Millionen Passagieren und einem Plus von 19,1 Prozent der Flughafen Köln/Bonn. Grund: Der Flughafen Düsseldorf (5,3 Millionen Passagiere/plus zwei Prozent) ist überlastet, Köln/Bonn übernimmt immer mehr die Rolle eines Ausweich-Airports.

Am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) starteten 170.000 Passagiere. Das sind 1,6 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2015. Dortmund liegt mit 450.000 Fluggästen (minus 2,2 Prozent), knapp vor Weeze (436.000 Passagiere/minus 3,7 Prozent). Schlusslicht ist der Flughafen Paderborn. Dort starteten von Januar bis Juni 140.000 Reisende. Das sind 14,6 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die Passagierzahlen der Flughäfen in NRW im 1. Halbjahr 2016

Die Passagierzahlen der Flughäfen in NRW im 1. Halbjahr 2016 Foto: Colourbox.de, Grafik: Christ

24. Januar 2017

Der neue FMO-Chef setzt auf die Touristik-Sparte

Verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, ins Touristik-Angebot in­­vestieren und nicht auf blau­en Dunst Airlines akquirieren, nur weil‘s der Statistik guttut: Der neue Chef des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO), Prof. Rainer Schwarz, hat klare Vorstellungen, welche Schritte er gehen möchte, um den Flughafen in Greven aus der Krise zu führen. Am 1. Februar 2017 tritt er die Nachfolge von Gerd Stöwer an .

Schwarz, der sagt, nicht „Ankündigungsweltmeister“ sein zu wollen, hat ei­ne schwere Aufgabe übernommen: 787.000 Passagiere nutzten 2016 den FMO , das ist das schlechteste Ergebnis seit Jahren – es soll natürlich bald anders werden .

Wie das klappen könnte, stellte der 60-Jährige, der zuvor dem Flughafen in Rostock vorstand, am Dienstag beim Besuch unserer Zeitung vor.

Der Geschäftsreiseverkehr steht gut da. Das Tourismusgeschäft aber, das den FMO einst groß machte, ist ein Schatten seiner selbst. Hier will der neue Chef ansetzen. Das bedeutet: Kärrnerar­beit statt Ausflüge ins Spektakuläre. „Wo möglich, die Frequenz der klassischen Strecken erhöhen.“ Mallorca, Kanaren, Griechenland, Türkei. Und nicht „irgendwelche Exoten“ holen.

Gerade noch 30 Prozent der Menschen im FMO-Einzugsgebiet nutzen den Airport derzeit für ihre Flugreisen. „Das ist eine sehr niedrige Quote“, sagt Schwarz. Das erste Ziel: Wieder auf eine Million Passagiere zu kommen. Weil ab da laut Gutachten der Airport für Airlines attraktiv wird.

Also: Ins Touristik-Programm investieren – wie für diesen Sommer geschehen. Zudem: Low-Cost-Angebote der etablierten Airlines einbeziehen, wenn möglich ne­ben München und Frankfurt eine wei­tere Drehkreuzverbindung generieren und wo möglich Strecken zurückgewinnen, die einst zogen. Wien beispielsweise, London, Amsterdam oder Berlin. Der FMO muss attraktiver und damit konkurrenzfähig werden, sagt Schwarz. Damit „die Menschen zuerst dort nach Angeboten suchen und nicht von vornherein andere Airports in den Blick nehmen“.

12. Mai 2017

Deutliches Passagierplus am FMO

In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) bei den Passagierzahlen ein Plus von fast neun Prozent hingelegt. Das hat der neue Geschäftsführer Prof. Rainer Schwarz bei seiner 100-Tage-Bilanz erklärt, zugleich jedoch davor gewarnt, sofort von einer Trendwende zu sprechen.

Der 60-Jährige hatte am 1. Februar die Nachfolge von Gerd Stöwer angetreten und zuvor den Flughafen Rostock-Laage geleitet.

Mit dem Inkrafttreten des Sommerflugplans im April hat der FMO sein Touristikprogramm stark ausgebaut. Das scheint anzukommen. Die Zahl der Frühbucher sei „ordentlich“, erklärte FMO-Sprecher Andrés Heinemann. Der Touristik-Konzern Tui habe allein im April „mehr Buchungen für die Saison 2017 gemeldet, als im gesamten Sommer 2016“.

Die wichtigste Fluggesellschaft in der Sommersaison ist die Germania, sie fliegt vom FMO 15 Ziele an und hat im April in Greven eine zweite Maschine stationiert.

2020 will Schwarz wieder die Zahl von einer Million Fluggäste erreichen. 2016 hatten 785.000 Menschen den Airport genutzt. Das war ein Negativrekord.

FMO bekommt Flughafenhotel

von Peter Beckmann

7. Juni 2017: Der FMO bekommt ein Flughafenhotel

Der Airportpark am FMO läuft voll: Unter anderem sind die Verträge für das lang ersehnte Flughafenhotel offenbar unterschriftsreif. Der Kauf von zwei weiteren Hofstellen ist angedacht.

„Was lange währt wird endlich gut.“ Glaubt man diesem Sprichwort, muss es ein richtiger Knaller werden. Denn: Über Jahre, ja fast Jahrzehnte wurde über ein Hotel am Flughafen diskutiert und spekuliert. Jetzt soll das Flughafen-Hotel tatsächlich Realität werden. „Zum Beginn des Sommerflugbetriebs 2018 soll es eröffnet werden“, sagte Udo Schröer, Geschäftsführer der Airportpark GmbH, auf Anfrage unserer Zeitung.

Demnach stehe die Unterzeichnung eines Grundstücksvorvertrages kurz bevor und ein positiver Bauvorbescheid liege bereits vor, sagte Schröer. Den Namen des künftigen Betreibers möchte er allerdings noch nicht verraten.

„So gut wie keine freien Grundstücke mehr“

Schröer, der, wie seine Vorgänger, lange Probleme mit der Vermarktung der Grundstücke im Airportpark hatte, hat jetzt ein ganz anderes Problem. „Ich habe so gut wie keine freien Grundstücke mehr“, sagte er. Deshalb führe er seit fast zwei Jahren mit den Eigentümern von zwei landwirtschaftlichen Betrieben Kaufverhandlungen. „Die Eigentümer wollen beide heraus aus diesem Gebiet.“

Zufälligerweise sind das die beiden Betriebe, die der Ansiedlung des Hermes-Logistik-Centers im Wege stehen könnten. Denn: Der 24-Stunden-Betrieb des Logistik-Centers verursacht natürlich Lärm. Betroffen wären davon die Ferienhaussiedlung am Franz-Felix-See und eben diese zwei landwirtschaftlichen Betriebe in der Hüttruper Heide.

Hermes

Hermes ist eine 100-prozentige Tochter des Otto-Versands, die Immobilienentwicklungsgesellschaft ECE gehört der Familie Otto. Hermes will in sein neues Logistikcenter im Airportpark 40 Millionen Euro investieren. 100 000 Pakete sollen am Tag bearbeitet werden. Insgesamt werden 134 Arbeitsplätze geschaffen, 15 davon im kaufmännischen Bereich. Das Logistik-Centrum soll im Jahr 2019 in Betrieb gehen.

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Problem Lärmschutz

„Während der Nachtzeit treten an den Wohngebäuden (. . . .), sowie an den Gebäuden der Ferienhaussiedlung Franz-Felix-See Überschreitungen der Immissionsrichtwerte auf“, heißt es in einem Schreiben des beauftragten Planungsbüros an Schröer, das unserer Zeitung vorliegt. Durch die Errichtung eines Lärmschutzbauwerkes entlang der kompletten Südseite des Logistik-Centers mit einer Höhe von 5,50 Metern könnten die Immissionswerte an der Ferienhaussiedlung eingehalten werden.

Bei den beiden Hofstellen könne zwar die Immissionswerte durch Lärmschutzmaßnahmen knapp eingehalten werden. „Aber für weitere Ansiedlungen könne der Lärmschutz dann zu einem unlösbaren Problem werden. Die die Immobilienentwicklungsgesellschaft ECE schlägt Schröer daher den Erwerb der beiden Hof­stellen vor, „um eine rechtssichere Planung und Realisierung des Projektes umzusetzen.“

28. Juni 2017: FMO-Passagierzahlen steigen deutlich an

Positive Nachrichten vom Flughafen Münster-Osnabrück: Der FMO verzeichnet in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein Passagierplus von rund zwölf Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016. Das hat Flughafen-Sprecher Andrés Heinemann am Mittwoch bestätigt.

Unter Strich kommt der Flughafen in Greven damit in den ersten sechs Monaten auf knapp 400.000 Passagiere.

Verantwortlich für das ordentliche Plus in der ersten Jahreshälfte ist in erster Linie das erweiterte Angebot der Germania. Die Fluggesellschaft fliegt mit dem Inkrafttreten des Sommerflugplans von Greven aus 15 Ziele an und hat im April eine zweite Maschine am FM0 stationiert. Tatsächlich lagen in den ersten drei Monaten dieses Jahres die Passagierzahlen noch unter denen des jeweiligen Vorjahres.

Für die traditionell buchungsstarken Sommerferien in NRW und Niedersachsen rechnet der FMO mit rund 245.000 Fluggästen. Sollte sich die Prognose, die auf Buchungszahlen beruht, bestätigen, entspräche auch das einem Passagierzuwachs von rund 15 Prozent im Vergleich zu den Ferienwochen 2016.

Mit dem Inkrafttreten des Sommerflugplans im April hat der FMO sein Touristikprogramm stark ausgebaut. Das scheint anzukommen. Der Touristik-Konzern Tui hatte allein im April „mehr Buchungen für die Saison 2017 gemeldet, als im gesamten Sommer 2016“. 2020 will Flughafenchef Prof. Schwarz wieder eine Zahl von einer Million Fluggäste erreichen.

Zu Spitzenzeiten Anfang 2000 hatte der FMO noch knapp 1,8 Millionen Passagiere verzeichnet. Danach ging es stetig abwärts, 2016 nutzten noch 785.000 Menschen den Airport in Greven. Das war ein Negativrekord.

15. Dezember 2017

Der Airportpark in Greven startete 2004 als große Idee. Ein interkommunales Gewerbegebiet zwischen der A 1 und dem FMO, ein Fi­letstück fürs eher gehobene Business. Stehkragen ja, Blaumänner nein.

Über 200 Hektar, sprich mehr als zwei Millionen Qua­dratmeter groß ist das in vier Planungsabschnitte geteilte Areal. Riesige Fläche, große Pläne, wi­drige Wirklichkeit: Jah­relang passierte nichts. Statt Gebäuden wuchsen dort Gerste, Weizen und Mais. Während die Umland-Gemeinden über zu kleine Ge­werbeflächen vor der ei­genen Haustür klagten.

Plötzliche Erfolge

Udo Schröer wirkt zufrieden. Weil er zwei Erfolge vermelden kann. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der Airportpark GmbH und damit jener Gesellschaft, die den Business-Park an Unternehmen zu bringen versucht. Was inzwischen sehr gut gelingt. Von den 390.000 Netto-Qua­drat­me­tern des ersten Abschnitts „sind 320.000 nicht mehr am Markt“ – und weitere 20.000 fast verkauft. „Im Grunde haben wir keine Flächen mehr“, sagt Schröer. Die zweite positive Nachricht: Die Nachfrage reißt nicht ab. „Ich habe viele Anfragen, die ich kurzfristig nicht bedienen kann.“ Und ja, er habe darum schon etlichen Interessenten absagen müssen.

Vom Langzeit-Aschenputtel zur plötzlichen Königin, wie funktioniert der Trick? Zuerst kommen die einfachen Argumente. Die brummende Konjunktur, eine anhaltende Expansionsbereitschaft, der sich wieder bekrabbelnde Flughafen und kaum verfügbare freie Gewerbeflächen jenseits von 30.000 Quadratmetern im Münsterland.

Dass die Po­litik lange Blütenträumen nachhing, sich für den Air­portpark Strukturen er­hoffte, wie sie in der Düsseldorfer Airport-City zu finden sind, und vor lauter schöner Träumerei die schnöde Wirklichkeit übersah, sagt Schröer nicht. Die erhofften Architekten, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater blieben jedenfalls lieber in ihren schicken Büros in Münster und Osnabrück, anstatt in der Pampa am FMO zu siedeln. Das Umswitchen in den Politiker-Köpfen brachte den Erfolg.

Flughafen spielt wichtige Rolle

Die, die bereits in Greven sind, wie der Wellpappenproduzent Schuhma­cher. Oder die, die absehbar kommen, wie der Logistiker Hermes, der Autohändler Beresa, der Immobilienentwickler Dream-Tec, der Gartengerä­te-Ver­triebler Hubertus Bäumer, der Technologie-Betrieb Frei oder der Bauunternehmer, der seine Zentrale vors FMO-Portal verlegt: Sie alle eint dreierlei. Sie sind Mittelständler, sie be­schäf­ti­gen nicht nur Anzugträger und haben alle nachgewiesen, dass sie fürs Geschäft einen Flughafen vor der Tür benötigen – und den FMO nutzen.

Die sogenannte Flughafenaffinität ist nach wie vor ein Muss. Auch wenn das der grüne Landtagsabgeordnete Norwich Rüße unlängst anzweifelte. „Wer im Airportpark siedeln will, muss sie nachweisen“, sagt Schröer. Dafür reicht es nicht, wenn der Chef zweimal pro Jahr von Greven aus zum Kunden fliegt. Vier von fünf Interessenten erfüllten diese Bedingung nicht. „Dann ist das Gespräch nach zehn Minuten beendet.“

Von 1500 neuen Jobs geht Schröer im ersten Planungsabschnitt aus. Da die Nachfrage nicht abreißt, plädiert er dafür, den zweiten Abschnitt in Angriff zu nehmen. Am besten schon 2018. In einem ersten Schritt ist von 200.000 Quadratmetern die Rede. „Besser wä­ren aber doppelt so viel“, sagt Schröer. Der Standort sei schließlich eta­bliert und arriviert – „ein Schatz für die Regi­on“. Schon 2019, sagt der Airportpark-Chef, könne er den ersten Kaufvertrag für den zweiten Abschnitt un­ter Dach und Fach haben.

24. September 2018

Weiterhin steigende Passagierzahlen, verbesserte Erträge, weniger Schulden: Spätestens in zwei Jahren will der Flughafen Münster/­Osna­brück (FMO) wieder ei­ne schwarze Null schreiben. Das hat Geschäftsführer Rainer Schwarz im Regionalrat berichtet. 

„Ich gehe davon aus, dass wir 2020 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis haben werden“, sagte der FMO-Chef am Montag in Münster. Dieses Jahr wird der Flughafen in Greven mit einem Defizit von „unter sieben Millionen Euro“ abschließen. 2014 hatten die Verluste noch zwölf Millionen Euro betragen.

Passagierzuwachs und Entschuldungspaket

Verantwortlich für die po­sitiven Ergebnisse ist neben dem Passagierzuwachs das Entschuldungspaket, das die 14 zumeist kommunalen Ei­gentümer 2014 geschnürt hatten. Damals verpflichteten sie sich, auf acht Jahre gestreckt rund 90 Millionen Euro in den  FMO  zu pumpen. „In diesem Jahr belaufen sich unsere Verbindlichkeiten noch auf 37 Millionen Euro“, sagte der FMO-Chef, der seit Februar 2017 im Amt ist. 2023 will der Flughafen seine Kredite bis auf ei­­nen Rest von 1,3 Millionen Eu­­­ro getilgt haben.

Der FMO steht so gut da wie lange nicht mehr. 2017 nutzten ihn knapp 970 000 Passagiere, das war ein Plus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Ausgangslage 2016 mit unter 800 000 Fluggästen dürftig war. Maßgeblich verantwortlich für das Plus war vor allem das Engagement der Fluggesellschaft Germania.

„In diesem Jahr beträgt der Zuwachs bis Ende August 2,6 Prozent“, teilte der FMO-Chef weiter mit. Ende 2018 werde die Passagierzahl voraussichtlich wieder die Milliongrenze erreichen. „Das ist dann eine Basis, von der aus man den Flughafen entwickeln kann.“

30 Destinationen in zehn Ländern

Neben den Drehkreuzen München und Frankfurt sind derzeit vom FMO aus 30 Destinationen in zehn Ländern zu erreichen. In diesem Winter kommen noch Madeira und Agadir in Marokko sowie Salzburg hinzu. Neue Ziele ab Sommer 2019 sind Ibiza, Larnaka auf Zypern und Songuldak in der Türkei.

12. Oktober 2018

Erneut positive Nachrichten vom Flughafen Münster/Osnabrück (FMO): Der Airport in Greven beendete das dritte Quartal 2018 mit einem Fluggast-Plus von 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das hat der FMO am Donnerstag mitgeteilt. 

Von Juni bis September nutzten 391.921 Passagiere den Flughafen. Stärkster Monat mit 135.650 Fluggästen (plus 16,4 Prozent) war danach der September. Motor der positiven Entwicklung war vor allem der touristische Verkehr. Im Urlaubssegment gab es die größte Steigerung bei den Zielen Antalya, Hurghada und Faro.

„Auch der Linien- und Geschäftsreiseverkehr entwickelte sich erfreulich und konnte um über elf Prozent zulegen“, teilte der  FMO  weiter mit. Mit solchen Zahlen ist der Flughafen auf gutem Wege, die Millionen-Grenze bei den Passagieren noch in diesem Jahr zu überspringen.

2017 hatte der FMO nach etlichen schlechten Jahren mit fast 970.000 Fluggästen und einer Steigerung von über 23 Prozent abgeschlossen.

5. Februar 2019

2017 traf es Air Berlin, 2018 Small Planet Airlines, nun Germania. Erneut muss eine Berliner Fluggesellschaft Insolvenz anmelden. Die Flieger bleiben ab sofort am Boden. Am Flughafen Münster/Osnabrück fallen auf einen Schlag 16 von 27 Reisezielen weg.

Aus, vorbei, Feierabend: Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Das hat Untenehmenssprecher Lars Wagner in der Nacht zu Dienstag mitgeteilt. „Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, erklärte Airline-Chef Karsten Balke. Als Konsequenz daraus sei „keine andere Möglichkeit als die Insolvenzbeantragung“ geblieben. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Wie es nun weitergeht, ist noch völlig offen.

Ersatz nur für Pauschaltouristen

Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung. Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Anfang des Jahres hatte Germania den Liquiditätsengpass eingeräumt. Der Gesellschaft mit 1100 Mitarbeitern und rund 40 Flugzeugen fehlten danach 15 Millionen Euro. Ein erster Rettungsversuch scheiterte. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter.

Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer „außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte”.

Schlag für den FMO

Für den Flughafen Münster/Osnabrück ist die Meldung ein heftiger Schlag. Germania war dort die wichtigsten Airline, hatte das Engagement in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut. Die Fluggesellschaft bediente am Airport in Greven 20 der 27 Ziele und beförderte 2018 rund 270.000 der rund eine Million Fluggäste. 

Auf einen Schlag fallen am FMO jetzt 16 Urlaubsziele weg, die Germania laut Sommerflugplan alleine bedienen sollte. Auf den restlichen Strecken, etwa nach Palma de Mallorca, halten andere Airline noch Verbindungen vor.

Wegfallende FMO-Ziele

Faro, Fuerteventura, Funchal, Gran Canaria, Heraklion, Ibiza, Istanbul (IST), Kos, Lanzarote, Larnaca, Malaga, Rhodos, Teneriffa, Thessaloniki, Varna, Zonguldak.

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„Touristikprogramm am FMO schnellstmöglich sichern“

Entsprechend bestürzt nahm der FMO-Chef die Nachricht vom Germania-Aus zur Kenntnis: „Germania hatte am 19.01. die Lösung der Finanzierungsfragen bekannt gegeben und wörtlich hinzugefügt, dass damit die mittel- und langfristige Perspektive gesichert sei. Knapp zwei Wochen später eine Insolvenz zu verkünden, verwundert doch sehr“, ärgerte sich Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz in einer Mitteilung am Dienstagmorgen .

Der FMO habe schon seit Beginn der Germania-Krise den „permanenten Austausch mit den großen Reiseveranstaltern in Deutschland stark intensiviert”, heißt es in einer Mitteilung des Flughafens. „Wir werden nun alles daran setzen, gemeinsam mit den touristischen Partnern schnellstmöglich das Touristikprogramm am FMO zu sichern“, sagte Schwarz. 

Im Zuge der Neuausrichtung des Touristikgeschäftes am FMO nach dem Weggang der Airberlin habe der Flughafen ganz bewusst auf eine „deutliche Diversifizierung der Anbieter” Wert gelegt. Airberlin hatte seinerzeit einen Marktanteil von über 60 Prozent am FMO. Heute sehe die Verteilung mit 36% Lufthansa, 26% Germania, 15% SunExpress, 10% Eurowings und 5% Laudamotion deutlich ausgeglichener aus. Dabei wirkt sich aus, dass Germania zwar viele Ziele von Greven aus anflog, aber den Großteil nicht mit täglichen Verbindungen - anders als etwa die Lufthansa auf den Inlandsstrecken nach Frankfurt und München.

Am Montag noch Hoffnung

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung” berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe solle auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. In der Nacht folgte dann die Mitteilung, dass vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz für die genannten Firmen beantragt worden sei.

10. Februar 2019

Neue Vorwürfe gegen den Chef der insolventen Fluglinie „Germania“: Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ soll der Alleineigentümer der Fluglinie vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens Vermögenswerte auf Dritte übertragen, um sie so dem Zugriff von Gläubigern zu entziehen. 

Das Blatt beruft sich dabei auf Akten des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg, das das Insolvenzverfahren bearbeitet. Dabei soll es sich um Aufträge über die Bestellung von 25 Airbus-Flugzeugen im Wert von zwei Milliarden gehandelt haben.

Dieses Anrecht ließe sich möglicherweise zu Geld machen, hieß es. Der Chef und Miteigentümer ließ die Vorwürfe am Sonntag via Bild-Zeitung dementieren. Es habe „keinerlei Verschiebungen von Vermögenswerten gegeben“, heißt es dazu, da die Bestellung keinen finanziellen Wert habe.

13. Februar 2019

Großer Erfolg für den FMO: Knapp eine Woche nachdem die Fluggesellschaft Germania pleite gegangen ist, ist es dem Flughafen Münster/Osnabrück gelungen, ein starkes Ersatzangebot auf die Beine zu stellen.

Wie der Airport in Greven am Mittwoch mitteilte, wird die türkisch-niederländische Fluggesellschaft Corendon-Airlines mit dem Beginn des Sommerflugplans Ende März eine Maschine in Greven stationieren und ein umfangreiches touristisches Angebot unterbreiten. Corendon wird die kanarischen und griechischen Inseln ebenso anfliegen, wie Ägypten und Antalya in der Türkei.  Die weiß-roten Maschinen werden 17 Mal pro Woche in Greven starten.

Damit hat der Flughafen kurzfristig wieder acht der 16 Ziele im Angebot, die mit der Germania-Insolvenz weggebrochen waren. Für den Sommerflugplan von März bis Oktober erwartet Corendon-Airlines am FMO rund 150.000 Fluggäste. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir - nicht einmal eine Woche nach der Germania-Insolvenz mit Corendon Airlines einen neuen Qualitätscarrier als Partner gewinnen konnten“, erklärte FMO-Geschäftsführer Prof. Rainer Schwarz.

Kompensation der Hälfte des Germania-Aufkommen

Alle wichtigen Reiseveranstalter hätten bereits signalisiert, ihre Kontingente bei Corendon einzubuchen. Thomas Braun, Deutschland-Manager von Corendon, betonte, der FMO passe „perfekt in das Streckenportfolio“ seiner Airline. FMO-Aufsichtsratschef, der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, begrüßte die Stationierungsentscheidung.  „Die vergangenen beiden Jahre hatte der FMO eine hervorragende Entwicklung verzeichnet", mit dem neuen Touristik-Partner habe er auch ohne die Germania beste Chancen, seinen erfolgreichen Weg fortzusetzen.

Den FMO hatte die Germania-Pleite hart getroffen. Die Berliner Airline hatte in Greven zwei Maschinen stationiert und im vergangenen Jahr vom FMO 269.000 der rund eine Million Fluggäste befördert. Das entsprach einem Anteil von 26 Prozent.

Mit der von Corendon-Airlines  erwarteten Fluggast-Zahl könnte der FMO allein mit dem Sommerprogramm mehr als die Hälfte des Germania-Aufkommens kompensieren.

13. Februar 2019

Die Bürgerinitiative gegen den Ausbau des Flughafens Münster/Osnabrück bezieht mit einer Pressemitteilung Stellung zu aktuellen Äußerungen des FMO-Geschäftsführers. Sie sieht in seinen Aussagen zum Nachtfluglärm einen strategischen Schachzug. 

„Dr. Rainer Schwarz hat in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses in Greven unter anderem zum vorhandenen Nachtfluglärm am FMO ausgeführt, dass die Messstellen in Greven und Reckenfeld deutlich niedrigere Lärmpegel aufweisen würden, und dass man meilenweit von Grenzwerten entfernt sei.“ Diese Aussage soll nach Auffassung der Bürgerinitiative (BI) gegen den Ausbau des FMO „wohl der Beruhigung der vom nächtlichen Fluglärm am FMO betroffenen Bevölkerung dienen“.

Es sei zwar richtig, so die BI, dass an diesen beiden Messstellen die Lärmgrenzwerte von sechs mal 72 Dezibel im Durchschnitt der Nächte in den sechs verkehrsreichsten Monaten für die Einrichtung einer Nachtschutzzone in 2018 nicht erreicht worden ist. Am Messpunkt in Ladbergen sei dieser Grenzwert mit durchschnittlich 7 mal 72 Dezibel allerdings bereits überschritten worden.

Kritik an Grenzwerten

Im Übrigen sind nach Auffassung der BI „die Grenzwerte unter Berücksichtigung der Lärmwirkungsforschung dringend verbesserungsbedürftig. Sie stammen aus dem Gesetz zum Schutz vor Fluglärm (Fluglärmgesetz) aus dem Jahr 2007“, betont der BI-Vorsitzende Ludger Schulze Temming. Dieses Gesetz stehe zurzeit auf dem Prüfstand und werde hoffentlich noch in diesem Jahr vom Bundestag deutlich verbessert.

Nach Auffassung der BI ist „jede nächtliche Flugbewegung am FMO eine zu viel“. Denn nach Erkenntnissen der Lärmwirkungsforschung könne man bereits ab Lärmwerten von 35 Dezibel (am Ohr des Schläfers gemessen) wach werden. Dies entspreche bei einem zur Lüftung gekippten Fenster einem Außenwert von zirka 50 Dezibel, der in Greven und Reckenfeld deutlich überschritten werde.

Zudem hätten in den sechs verkehrsreichsten Monaten Mai bis Oktober die nächtlichen Flugbewegungen am FMO mit den steigenden Passagierzahlen wieder deutlich zugenommen von 732 (2014) über 1253 (2016) auf 2349 (2018). In den Monaten Juli bis Oktober 2018 gab es laut BI in jeder Nacht am FMO durchschnittlich 14 bis 15 Flugbewegungen.

19. Februar 2019

Der Einstieg von Corendon Airlines am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) war erst der Anfang. Am Dienstag vermeldete der Flughafen weitere positive Nachrichten.

Mit Sun-Express, Laudamotion, Eurowings und Bulgarian Air Charter bauen vier weitere Fluggesellschaften im Sommer ihr Engagement in Greven aus. Zwei Wochen nach der Insolvenz der Airline Germania, die am FMO ein umfangreiches Angebot geflogen hatte, ist der Flughafen damit auf einem guten Weg, einen Großteil der durch die Airline-Pleite weggebrochenen Ziele kurzfristig durch neue Anbieter ersetzen zu können.

Sun-Express, ein Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines, wird zusätzlich drei wöchentliche Flüge nach Antalya in der Türkei anbieten. In der Hochsaison startet die Airline 17 Mal pro Woche zum Badeort an der Riviera. 
Die österreichische Laudamotion fliegt ab Juni drei Mal zusätzlich nach Mallorca. Insgesamt startet die Ryanair-Tochter dann zehn Mal pro Woche zur Baleareninsel.

Eurowings, die Lowcost-Tochter der Lufthansa, stockt ihr Mallorca-Angebot auf und fliegt ebenfalls zehn Mal wöchentlich dorthin. 
Zudem steuert die bulgarische Ferienfluggesellschaft Bulgarian Air Charter von Greven aus die beiden Ziele Varna und Burgas am Schwarzen Meer an. Bisher war Germania diese Strecken geflogen.

Freude über Akquise-Erfolge

Germania hatte zuletzt 20 der 27 FMO-Ziele bedient. 16 der 27 Verbindungen waren mit der Pleite Anfang Februar  auf einen Schlag weggefallen. Das Aus der Berliner Airline war für den Flughafen in Greven ein Schlag ins Kontor, der rückblickend jedoch weniger heftig ausfallen wird, als zunächst vermutet.

In der vergangenen Woche hatte Flughafen-Chef Prof. Rainer Schwarz den Einstieg von Corendon Airlines verkündet. Durchaus als dicker Fisch: Das niederländisch-türkische Unternehmen wird am FMO eine Maschine stationieren und ab April die kanarischen und griechischen Inseln ebenso anfliegen wie Ägypten und Antalya in der Türkei. Corendon startet in Greven dann 17 Mal pro Woche und sorgen dafür, dass der FMO ab April allein dadurch die Hälfte der verlorenen Germania-Strecken wieder im Angebot hat.

Mit den jüngsten Akquise-Erfolgen konnte der Flughafen nun „75 Prozent des touristischen Angebots mit anderen Fluggesellschaften wiederbesetzen“, teilte der FMO-Chef am Dienstag mit. 270.000 Passagiere waren 2018 vom FMO mit Germania geflogen. Mit dem neuen Angebot könnten in diesem Jahr rund 200.000 Fluggäste erreicht werden.

„Wir freuen uns, mit nun 26 zusätzlichen Wochenfrequenzen auch im Sommer 2019 einen umfangreichen und attraktiven Flugplan bieten zu können“, so Schwarz weiter.