Die Fantastischen Vier im Interview
„Damals sahen wir besser aus“

Münster -

Sie sind seit rekordverdächtigen 25 Jahren zusammen und haben immer noch Spaß an ihrem Schaffen. Wenn das so weiter geht, feiern Die Fantastischen Vier im Jahr 2039 noch ihr Goldenes Bühnenjubiläum.

Dienstag, 21.10.2014, 11:10 Uhr

Smudo (46), Thomas D. (45), Michi Beck (46) und And.Ypsilon (46) sind durch wenige Tiefen und sehr viele Höhen gegangen. Ihr neues Album „Rekord“ ist stilistisch wieder so vielfältig, wie man es von den Fantas gewohnt ist. Wir frühstückten mit Smudo und Michi Beck, die auch als neue Juroren in der Castingshow „The Voice“ zu sehen sind, in einem Berliner Privatclub.

Täuscht der Eindruck eigentlich, oder feiert ihr praktisch schon das ganze Jahr lang euer 25-jähriges Bestehen?

Smudo: Wir haben einfach Bock, das Jubiläum mit unserer typisch fantamäßigen Bescheidenheit umzusetzen. Und unser richtiger Geburtstag war ausgerechnet der Tag des WM-Halbfinales Deutschland gegen Brasilien. Da wären wir eventuell ein bisschen untergegangen mit unserer Party.

Der Titel eures neuen Albums steht bereits seit Anfang des Jahres fest. Ebenso, dass es Ende Oktober veröffentlicht wird. Braucht ihr diese festen Termine, um euch selbst unter Druck zu setzen, fertig zu werden?

Michi Beck: Ja, brauchen wir. Wir müssen uns hin und wieder selbst in den Arsch treten. Deshalb hatten wir dieses Datum festgelegt, das wir unbedingt einhalten wollten, was nicht leicht war. Wir haben vor zwei Jahren angefangen, erste Ideen zu sammeln, doch lange Zeit, fast anderthalb Jahre lang, wollte uns nicht so richtig viel einfallen. Das nervte. So ein Album schreibt sich nicht von selbst, und je länger du das machst, desto schwieriger wird es. Zugleich ist es auch eine seriöse Angelegenheit, ungefähr so wie ein Hausbau.

Welchen „Rekord“ habt ihr genau aufgestellt?

Michi Beck: Wir sind unseres Erachtens die am längsten amtierende und durchgängig aktive HipHop-Band weltweit. Das ist nicht normal, und damit beschäftigen wir uns natürlich auch. Ich finde es sehr erstaunlich, mit 46 noch Rapper zu sein.

Auf „25“, der Auftaktnummer des Albums, hört man euren Stolz richtig raus.

Michi Beck: Soll man auch. Wir sind stolz auf die 25 Jahre und darauf, dass wir nach diesen 25 Jahren eine Platte gemacht haben, auf die wir stolz sein können. Früher ist früher, jetzt ist jetzt.

Smudo: Die Lorbeeren von gestern sind nichts wert. Man muss sich seinen Siegerkranz immer wieder neu verdienen.

Ihr seht übrigens immer noch aus wie vor zehn Jahren.

Smudo (lacht): Das ist sachlich unrichtig.

Michi Beck: Ich habe mir letztens acht Jahre alte Bilder angesehen. Ich schwöre: Damals sahen wir besser aus.

Ihr beiden seid in dieser Staffel neu bei „The Voice of Germany“ dabei. Was hat euch dazu bewogen?

Michi Beck: Es ist eine faire Sendung, wir haben ein neues Album, wir sind Unterhaltungskünstler.

Smudo: Es macht auch Spaß und ist eine gute Sendung. Wir haben natürlich auch abgewogen, inwiefern es unserer Glaubwürdigkeit nützt. Wir sind ja nicht nur Musiker, sondern auch Entertainer.

Michi Beck: Wir zehren da auch von unserer langjährigen Bühnenerfahrung. Wir sind gut eingespielt und führen sehr gern die Sätze des anderen zu Ende.

Deutscher Sprechgesang ist seit ein paar Jahren wieder angesagt, auch dank junger Musiker wie Marteria oder Cro. Was sagt ihr zu der neuen Konkurrenz?

Smudo: In Deutschland gibt es mittlerweile eine richtig reichhaltige HipHop-Kultur, das freut uns und macht uns als Gottväter des Genres natürlich auch stolz. Marteria macht das super, und ich finde es auch toll, dass Cro überhaupt keine Beißhemmung vor Pop hat. Und aus Stuttgart kommt er auch noch.

Wen hören eure Töchter lieber: Euch oder Cro?

Michi Beck: Romy steht schon sehr auf Papa-Musik. Die findet das interessant, wenn ich singe, hört aber auch gerade total viel Popmusik im Allgemeinen.

Smudo: Amy ist kritischer. Manches findet sie gut, manches schlecht. Neulich hörte sie unsere Platte und fragte „Papa, was ist ‚kiffen‘?“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2821655?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F57398%2F4847665%2F4847668%2F
Das Jucken hört nicht auf
Setzt Eichen und Menschen zu: der Eichenprozessionsspinner
Nachrichten-Ticker