Germanist Nils Bahlo erklärt die Sprache der neuen Selbstporträts
Was mein Selfie verrät

Münster -

Es war noch nie so einfach, an ein Selbstporträt zu kommen, wie heute. Handy raus, Arm ausstrecken, Foto knipsen. Selfies werden weltweit massenweise verschickt – und für Dr. Nils Bahlo vom Germanistischen Institut der Universität Münster sind die Handy-Selbstporträts eine Sache, die es wissenschaftlich zu erforschen gilt.

Montag, 11.04.2016, 19:04 Uhr

Selfies werden besonders gern vor Sehenswürdigkeiten geknipst. Auch das kleine Bild von Nils Bahlo ist ein Selfie .  Für die Kinderuni hat er selbst ausnahmsweise ein Selbstporträt mit seinem Handy gemacht.
Selfies werden besonders gern vor Sehenswürdigkeiten geknipst. Auch das kleine Bild von Nils Bahlo ist ein Selfie .  Für die Kinderuni hat er selbst ausnahmsweise ein Selbstporträt mit seinem Handy gemacht. Foto: dpa/Bahlo

In der Kindervorlesung am kommenden Freitag (15. April) berichtet Nils Bahlo um 16.15 Uhr im Hörsaal H1, Schlossplatz 46, über seine bisherigen Erkenntnisse: „Social Media – was mein Selfie über mich verrät“, hat Nils Bahlo seine Vorlesung betitelt. Das Thema zeigt auch die Vielseitigkeit des Faches Germanistik – beim Thema Selfie interessiert die Sprachwissenschaftler die Kommunikation – auch wenn beim Verschicken der Selfies gar keine Sprache im Spiel sein muss.

Es geht um Austausch von Botschaften – und das interessiert Sprachwissenschaftler. Auch wenn Menschen beim Kommunizieren gar nicht sprechen oder schreiben.

Was beabsichtigt der Fotograf des Bildes? Welche Mittel setzt er ein, um die Selfie-Botschaft mit seinem Gesichtsausdruck zu versenden? Und wie werden Selfies interpretiert? Das sind die Fragen, die Sprachwissenschaftler wie Nils Bahlo interessieren. „Bei den Selfies hat sich schon eine eigene Bildersprache verfestigt“, erklärt Bahlo. Er hat das Thema auch schon international erforscht und festgestellt: In Afrika verschicken die Leute noch zehn mal häufiger Selfies als hier. „Das liegt daran, dass dort Familienangehörige und Freunde viel intensiver aufeinander aufpassen als in entwickelten Ländern“, erklärt Bahlo – die Menschen könnten sich dort viel weniger auf das Gemeinwesen, etwa auf die Polizei , verlassen.

Nils Bahlo selbst macht und verschickt übrigens selten Selfies. „Jeder, der das tut, muss wissen, dass sein Selfie immer weiter verschickt werden kann“, warnt Bahlo. „Wo ein Bild am Ende landet, kann man nie wissen.“ 

Nils Bahlo erklärt übrigens auch in einem Trailer zur Kinder-Uni , worum es in seinem Vortrag geht.  

Zum Thema

Die Kinderuni ist geeignet für Kinder ab etwa acht Jahren. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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