Alex-Talk zum Medikamenten-Missbrauch
„Die richtige Pille in allen Lebenslagen“

Münster -

Gelegentlich ein Schmerzmittel, ab und zu eine Pille zum Aufputschen, und zur Nacht etwas, um gut durchzuschlafen: Häufig und oft unbedacht greifen Menschen in vielen Lebenslagen schnell zur Pille, und der Weg von der Kopfschmerztablette zum Aufputschmittel wird immer kürzer. Experten schätzen, dass mindestens zwei Millionen Deutsche einen kritischen Umgang mit Beruhigungs-, Aufputsch- oder Schmerzmitteln haben.

Donnerstag, 15.03.2018, 16:03 Uhr

Der verantwortungsvolle Umgang mit Medikamenten steht beim kommenden Alex-Talk am 20. März im Blickpunkt, zu dem die WN und die Alexianer in Münster einladen.
Der verantwortungsvolle Umgang mit Medikamenten steht beim kommenden Alex-Talk am 20. März im Blickpunkt, zu dem die WN und die Alexianer in Münster einladen. Foto: Fotolia / Robert Kneschke

Unter dem Titel „Für jedes Problem eine Pille…“ wird der Alexianer-Experte Dr. Matthias Schubring, Ärztlicher Leiter der St.-Antonius-Suchtklinik Hörstel, beim nächsten Alex-Talk am 20. März über einen verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten referieren: „Der schädliche Gebrauch von pharmazeutischen Produkten bleibt sehr lange und oft im Verborgenen und entwickelt sich meist schleichend“, erklärt der Leitende Arzt. Immer mehr würden etwa auch die sogenannten Upper wie zum Beispiel Amphetamine als leistungssteigernde Substanzen eingenommen, um in jeder Lebenslage die optimale Leistung abzurufen: „Leistungssteigerung durch Medikamente hat sich längst zu einem gefährlichen Lifestyle entwickelt: Besser, Schneller und Effizienter diktieren den Arbeitsrhythmus; Schöner, Klüger, Fitter das Privatleben“.

Damit habe das Streben nach Selbstoptimierung nahezu jeden Lebensbereich erreicht. „Zu einer Gesellschaft, die sich über Leistung definiert, passen leistungssteigernde Medikamente so gut wie iPhones und Burn-out“, weiß Schubring aus seinem Praxisalltag. So hätten die „Power-Substanzen“ gerade auch bei den Bildungsbürgern und Akademikern verstärkt Einzug gehalten, sodass der Klinikchef als Mitbegründer des gemeinnützigen Vereins „Eve & Rave Münster“ mittlerweile auch mit Infoständen an Fachhochschulen und Unis auf die Gefahren des Hirndopings hinweist.

Die Gefahr für eine Medikamentensucht ist groß: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) geht davon aus, dass bis zu fünf Prozent aller häufig verordneten rezeptpflichtigen Medikamente ein Suchtpotenzial haben. Etwa 70 Prozent der Fälle von Medikamentensucht entfallen auf die Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine, die bei dauerhafter Einnahme in die Sucht führen können.

Doch der Weg in den schädlichen Substanzgebrauch muss nicht zwingend über den Rezeptblock führen: Bis zu zwölf Prozent der nicht rezeptpflichtigen Medikamente haben ebenfalls Suchtpotenzial. „Hier sind in erster Linie Schmerzmittel, alkoholhaltige Stärkungsmittel, Abführmittel, Nasentropfen, beruhigende Pflanzenextrakte oder muskelentspannende Relaxantien zu nennen“, erklärt der Experte.

Zum Thema

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, ist zum Alex-Talk am Dienstag (20. März) um 18 Uhr in der Alexianer-Waschküche eingeladen. Eintrittskarten sind ab sofort in der Alexianer-Waschküche, Bahnhofstraße 6, und im WN-Ticket-Shop, Prinzipalmarkt 13-14, erhältlich, oder auch online unter alextalk-muenster@alexianer.de reservierbar.

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