WN-Aktion
Studentenwerk fordert: Studis in die City!

Sonntag, 08.07.2007, 18:07 Uhr

Münsters Wohnungsmarkt ist in Bewegung. Die Investoren entdecken (Vor-)Ruheständler als neue Zielgruppe. Politiker fordern unterdessen mehr Sozialwohnungen, um Geringverdiener nicht ins preiswertere Umland zu vertreiben. Doch was ist mit den Studierenden? Wo haben die über 40 000 jungen Frauen und Männer in dieser Stadt buchstäblich ihren Platz? Darüber sprach WN-Redakteur Klaus Baumeister mit Peter Haßmann und Achim Wiese vom Studentenwerk Münster . Das Studentenwerk , das auch die Mensen betreibt, ist beim "Elternalarm" aktiv und organisiert traditionell den Mensa-Brunch.

Wissen Sie eigentlich, wie viele Umzüge jährlich in Ihren Studentenwohnheimen stattfinden?

Haßmann: Wir haben 6000 Wohnheimplätze und eine riesige Fluktuation, besondern in den alten Wohnheimen. Wir kommen auf 3000 bis 3500 Einzüge im Jahr und natürlich ebenso viele Auszüge. 1000 Studierende ziehen intern um, also von einem Studentenwohnheim zum anderen. Weil die Zahl so gewaltig ist, gibt es in unserem Fuhrpark eigens zwei Lkw, die Studierende nutzen können, um ihren Umzug selbst zu organisieren.

Über 3000 Umzüge im Jahr, werden die Wohnungen da nicht schnell renovierungsbedürftig?

Wiese: Nein, damit haben wir eigentlich wenig Probleme. Alle Wohnungen werden im renovierten Zustand übergeben. Jeder, der neu einzieht, muss dies bei der Übergabe bestätigen und weiß dann auch, dass eventuelle Schäden auf ihn zurückfallen.

Also kein Vandalismus?

Wiese: Erfahrungsgemäß müssen wir bei jedem 20. Auszug einen Regressanspruch stellen, etwa weil ein Duschvorhang zerrissen oder eine Wand unerlaubterweise schwarz gestrichen wurde. Die große Masse unserer Mieter aber verhält sich korrekt.

Die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt in Münster sind hoch. Viele Studierende klagen darüber. Können Sie als öffentlicher Anbieter gegensteuern?

Wiese: Als Faustformel kann man sagen, dass die Warmmiete in den Wohnungen des Studentenwerkes um 100 Euro je Monat günstiger sind als vergleichbare Angebote auf dem freien Markt in Münster. Ein Beispiel: Für 20-Quadratmeter-Appartements bezahlen die Studierenden bei uns 190 Euro inklusive aller Nebenkosten. Das ist sehr günstig. Was den gesamten Mietwohnungsmarkt für Studierende in Münster betrifft, wirken wir durchaus preisdämpfend.

Haßmann: Allerdings machen uns die angesprochenen Nebenkosten zu schaffen. Denn die Energiekosten sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Da wir keine Verluste erwirtschaften dürfen, müssen wir die Belastung an die Mieter weitergeben.

Sehen Sie noch Bedarf für weitere Wohnheime?

Haßman: Auf jeden Fall. An die Politik haben wir bereits die Forderung nach 1000 weiteren Wohnheimplätzen gestellt. Wir gehen von steigenden Studentenzahlen in Münster aus, zumal im kommenden Jahrzehnt zwei Abiturientenjahrgänge zeitgleich zu den Hochschulen kommen. Hintergrund ist bekanntlich die Verkürzung der Gymnasialzeit.

Wiese: Münster ist eine Studentenstadt, also sollten Studenten in den Quartieren auch erlebbar sein. Ein Beispiel: Wir haben den Coerdehof im Kreuzviertel übernommen und in ein Studentenwohnheim umgewandelt. Das Kreuzviertel hat in den letzten Jahren eine deutliche Alterung in der Bevölkerungsstruktur erlebt. Die Studierenden senken jetzt den Altersdurchschnitt, bringen neues Leben in den Stadtteil.

Werden Studentenwohnungen ansonsten an den Rand der Stadt gedrückt?

Wiese: Die Gefahr besteht ohne Zweifel. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen gibt es aktuell den Trend, in jede frei werdende Lücke in der Innenstadt hochwertige Altenwohnungen zu packen. Ich halte das für falsch.

Wo sehen Sie noch Chancen für city-nahes Wohnen von Studierenden?

Wiese: Wir verhandeln gerade über ein Objekt an der Aegidiistraße. Wenn wir dort einen Anbau errichten dürfen, können wir ein Angebot schaffen, das sich ganz nah am Juridicum befindet.

Werden Ihnen Steine in den Weg gelegt, wenn Sie Wohnraum für Studierende schaffen möchten?

Haßmann: Nein, das kann man so nicht sagen. Unsere Gesprächspartner sind in der Regel die Stadt Münster und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes. Die Kontakte sind sehr gut. Flächen sind in der Innenstadt naturgemäß knapp. Deswegen haben wir die Möglichkeit, einen baurechtlichen Vorteil zu nutzen, den andere nicht nutzen können. Bei Studentenwohnheimen müssen wir für zehn Mieter jeweils nur einen Parkplatz nachweisen.

Schenken Münsters Kommunalpolitiker dem Thema studentisches Wohnen ausreichend Beachtung?

Haßmann: Im Grundsatz schon. Wir haben als Studentenwerk zum Beispiel in der Bürgermeisterin Karin Reismann eine wichtige Ansprechpartnerin, die unsere Wünsche kennt.

Wiese: Das heißt aber nicht, dass es nicht noch besser werden könnte. Denn längst nicht alle Projekte, die wir der Politik vortragen, werden von der Stadtverwaltung dann auch 1:1 so umgesetzt.

Münster ist eine Universitätsstadt. Glauben Sie, dass Studierende bei den Münsteranern auch willkommen sind?

Haßmann: Die Hochschulen und wir als Studentenwerk tun alles Mögliche, um die Bedeutung der Studierenden für Münster zu betonen. Viele Münsteraner haben das inzwischen auch begriffen.

Wiese: Aber nicht alle. Es gibt Münsteraner, denen es an Toleranz gegenüber den jungen Menschen fehlt. Sie betrachten die Hochschulen als einen willkommenen Wirtschaftsfaktor, regen sich aber über jede Studentenparty auf. Das funktioniert so nicht.

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