Renaturierung nahezu abgeschlossen
Die Ems wie zu Opas Zeiten

Mit schwerem Gerät haben Mitarbeiter der Bezirksregierung, der Stadt und einiger beauftragter Firmen die Ems im Bereich des Beaches einer gründlichen Überarbeitung unterzogen.

Freitag, 04.05.2018, 20:05 Uhr

Klaus Feldmann von der Stadt Greven hat die Bauarbeiten am Emsufer begleitet. Er ist auch Mitglied der Planungsgruppe „Greven an die Ems“.
Klaus Feldmann von der Stadt Greven hat die Bauarbeiten am Emsufer begleitet. Er ist auch Mitglied der Planungsgruppe „Greven an die Ems“. Foto: Oliver Hengst

Nach monatelangem Schaffen ist die Renaturierung (zuständig: Bezirksregierung) der Ems nahezu abgeschlossen. Die Stadt nutzte die Bauarbeiten, um eine so genannte Notentlastung zu bauen, die die Innenstadt vor Hochwasser schützen soll. Zudem wurde eine Rampe für mobil eingeschränkte Menschen gebaut. Über die Bauarbeiten sprach Redakteur Oliver Hengst mit Klaus Feldmann von der Stadt Greven, der zugleich Mitglied in der Planungsgruppe „Greven an die Ems“ ist.

Bislang ist die Fläche stets sehr behutsam verändert worden, im Winter jedoch sehr gravierend. Zu welchem Zweck?

Klaus Feldmann: Dies ist als erster Schritt zur Renaturierung der gesamten Ems zu sehen. Um diesen Bereich hier nur einmal anzufassen, gab es eine gemeinsame Aktion der Bezirksregierung und der Technischen Betriebe Greven. Zeitgleich wurden also die Notentlastung gebaut und die Ems naturnah hergestellt.

Was genau heißt hier naturnah?

Feldmann: Die Ems war in ein Steinbett eingefasst. Diese Steine sind im Böschungsbereich auf beiden Seiten komplett entnommen worden. Dann hat man die Ems aufgeweitet – besonders auf der Biederlack-Seite sieht man das. Dort sind auch Buhnen eingebaut worden. Die Ems stellt sich jetzt so dar, wie sie unsere Großväter gekannt haben: eine Ems, die jedes Jahr ein bisschen anders aussieht, weil die Steine als Fixierung nicht mehr da sind. Nach jedem Hochwasser gibt es kleine Änderungen. Und besonders wichtig: Wir stehen hier in der Fläche und sehen das Wasser, dadurch, dass wir die Böschungen vor allem im mittleren Bereich abgeflacht haben. Wir haben die Fläche als Veranstaltungsfläche gesehen und daher die Bereiche nahe der Beach-Bar relativ unangetastet gelassen. Beidseitig sind circa 50 000 Kubikmeter Boden ausgehoben worden.

Jetzt sieht man die Ems besser, man kann also auch näher ran gehen . . .

Feldmann: Ziel ist es, dass die Menschen die Natur mehr erleben und dadurch vielleicht auch mehr wertschätzen. Auf der Stadtseite steht dieser Aspekt im Vordergrund, gegenüber soll das Ufer eher abgeschottet bleiben und sich selbst überlassen werden, so dass es sich natürlich entwickelt.

Der abgeflachte Bereich hat künftig Strandatmosphäre. Darf man dort auch ins Wasser?

Feldmann: Das wird von ganz allein passieren. Natürlich sollten die Besucher auf Brutvögel und allgemein auf die Natur Rücksicht nehmen.

Renaturierung mit schwerem Gerät: Wie verträgt sich das mit dem Naturschutz?

Feldmann: Uns haben in der Tat viele Menschen vorgeworfen: Wie könnt ihr nur zu dieser Zeit ins Emsvorland gehen? Genau deshalb: Weil wir die Brutperiode berücksichtigt haben und erst danach in den Ausbau gegangen sind. Wir haben die Natur dadurch geschont.

Wird zum Saisonstart am Beach alles fertig sein?

Feldmann: Im hinteren Bereich (Feldmann deutet Richtung Brücke Nordwalder Straße) wird noch weitergearbeitet. Hier im vorderen Bereich sind die Arbeiten bis auf Rest- und Nacharbeiten abgeschlossen.

Wird der Rasen grün sein, wenn Greven Grass startet?

Feldmann: Das hängt auch vom Wetter ab. Vielleicht müssen wir noch mal mit einem Wasserfass drüber und tränken.

Was ist mit den neuen Wegen? Sind die schon begehbar?

Feldmann: Auch da werden wir noch ein bisschen nacharbeiten. Das werden allerdings keine klassischen Wege mit wassergebundener Decke. Sie werden auch grün werden, als Unterhaltungsweg – allerdings nicht so kräftiges Grün wie auf den Nebenflächen. Baustraßen werden, soweit sie vorher nicht schon da waren, wieder zurückgebaut. Die Rampen bleiben, der Asphalt aber nicht.

Apropos Rampe: Am Volleyballfeld gibt es eine Neuerung für Rolli- und Rollator-Nutzer. Die Rampe ist aber sicher auch für Radfahrer attraktiv. Dürfen sie die nutzen?

Feldmann: Sollten sie eigentlich nicht. Wir werden dort oben auch noch ein Schild aufstellen, dass Räder bitte oben am Deich abgestellt werden sollen. Aber das müssen wir abwarten. Wir vermuten, dass die Fläche durch die neue Struktur besser angenommen und auch außerhalb von Events mehr genutzt wird. Mal abwarten, wie sich das entwickelt.

Die Fläche ist etwas kleiner geworden. Wird das zum Problem, etwa für den Mittelaltermarkt, der viel Platz braucht?

Feldmann: Nein, ich denke nicht. Die Fläche ist nach wie vor ausreichend. Wir haben einen Mittelweg zwischen Verkleinern und genug Größe für Veranstaltungen Behalten gewählt.

So richtig sehen wird man die Auswirkungen vielleicht erst im nächsten Jahr . . .

Feldmann: Ja, gut möglich. Das gilt vor allem für die gegenüberliegende Seite. Wenn dort erstmal alles in Wuchs gekommen ist, wird es sicher noch spannender. Aber man sieht schon jetzt, wie interessant das gestaltet ist. Man sieht schon viele Leute, die spazieren gehen und sich das genau ansehen.

Sie sind nicht nur Mitglied der Planungsgruppe, sondern als Privatmensch Besucher der Fläche. Wird es eine besondere Saison?

Feldmann: Ja, ich denke schon. Was immer Ziel war der Planungsgruppe, nämlich die Menschen an die Ems zu bringen, das haben wir jetzt erreicht. Da freut man sich auch drauf. Ich bin gespannt, wie es angenommen wird. Die Idee ist: Hier am Beach sollen die Menschen die Natur erleben können, die anderen Bereiche sollen möglichst unberührt bleiben.

Eingangs sagten sie, es sei der erste Schritt. Welche folgen noch?

Feldmann: Wir haben im Prinzip noch drei weitere Elemente zur naturnahem Gestaltung der Ems. Die Situation der Ems in Greven wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett ändern, angefangen mit den Fischtreppen an der Schöneflieth. Dann werden entlang des Sportgeländes (Kollektoren und Nahwärme fürs Rathaus) 210 000 Kubikmeter Boden entnommen und die Fläche teilweise um drei Meter abgesenkt. Und dann wird noch ein großes Teilstück ab hier Richtung Emsdetten in großem Stil renaturiert.

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