Volkskundler Prof. Hartmann hält Kindervorlesung über Bauernregeln
Murmeltiere, Spinnen und andere „Wetterfrösche“

Münster -

Das Wetter und seine Vorhersage war für Menschen schon immer wichtig, manchmal lebenswichtig. Der Volkskundler Prof. Andreas Hartmann erklärt am Freitag (18. Januar) bei der Kinderuni, dass in Bauernregeln auch einige Wahrheit steckt.

Dienstag, 15.01.2013, 19:01 Uhr

Der Volkskundler Prof. Dr. Andreas Hartmann erklärt bei der nächsten Kinder-Vorlesung Wettervorhersagen
Der Volkskundler Prof. Dr. Andreas Hartmann erklärt bei der nächsten Kinder-Vorlesung Wettervorhersagen Foto: kv

Gibt es noch mehr Schnee? Brauche ich morgen Handschuhe und Mütze oder den Regenschirm? Das Wetter beschäftigt jeden Menschen jeden Tag – und ist und bleibt das Gesprächsthema Nummer eins. Auch Prof. Andreas Hartmann interessiert sich für das Wetter – nicht nur, weil er wissen will, ob er am nächsten Tag einen dicken Pullover anziehen sollte. Der Volkskundler von der Universität Münster erforscht das Verhältnis der Menschen zum Wetter – und Wettervorhersagen, vor allem aus Zeiten, als es noch keine wissenschaftliche Meteorologie gab. Am Freitag (18. Januar) um 16.15 Uhr im großen Hörsaal H1 am Schlossplatz 46 erklärt er bei der Kinderuni, wie Menschen früher Wetterprognosen wagten.

Bauernregeln heißen Sprüche „Abendrot, Gutwetterbot“. Oder: „Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.“ Ohne Satellitenbeobachtung von Hoch- und Tiefdruckgebieten aus dem All und wissenschaftliche Messergebnisse beobachteten die Menschen das Wetter genau und leiteten daraus Regeln ab. Um den Siebenschläfertag am 27. Juni herum, übrigens ähnlich wie dem 2. Februar, in USA als Murmeltiertag bekannt, entscheidet sich in der Tat häufig, welche Großwetterlage sich einstellt. „Manche Bauernregeln haben eine ähnlich hohe Trefferquote wie Prognosen von Meteorologen“, sagt Andreas Hartmann. Er erzählt am Freitag auch von dem Glauben an böse Wetterhexen, die im Bund mit dem Teufel angeblich dafür sorgten, dass Blitze gern in Kirchtürme einschlugen, von Laubfröschen, Schwalben und Spinnen, die als tierische Wetterboten galten und gelten.

Für Menschen früherer Zeiten, die weniger feste Häuser hatten und viel stärker von der Landwirtschaft abhängig waren, war das Wetter noch wichtiger als heute, erklärt Hartmann. Aber auch in der Gegenwart bleibt es eine Frage des Überlebens, ob ein Orkan eintrifft oder Dürre oder Überschwemmung die Ernte vernichten.

Als Volkskundler beschäftigt sich Andreas Hartmann mit dem „Selbstverständlichen“, wie er selbst sagt: dem Wetter eben, aber auch mit Dingen wie Kleidung, Tischsitten, Essgewohnheiten, Festtagsbräuchen. Bei der Kinderuni will er auch von seinem Fach erzählen, das es so in der Schule nicht gibt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2856661?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F57398%2F70675%2F70696%2F
Nachrichten-Ticker