Archiv 2004
Das „hohe Haus“ im Hörsaal

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Zu Hause in der Familie fängt es schon an. Vater will im Urlaub ans Meer, Mutter in die Berge, das Kind auf den Ponyhof. Wenn jeder was anderes will, aber nur ein Ziel für alle möglich ist, muss irgendwie eine Entscheidung fallen.

Das ist bei den Mädchen und Jungen, die gestern beim Semesterstart der Kinderuni Münster die Reihen im großen Hörsaal voll besetzten, auch nicht anders. „Wozu braucht man Politik?“, fragte der Mann vom Fach, Professor Dr. Wichard Woyke , im Titel seiner Kindervorlesung. Um nicht nur mit dem Beispiel vom Urlaubsstreit in der Familie die Antwort zu liefern: „Damit mehrere und sogar sehr viele Menschen, wie es sie beispielsweise in einem ganzen Land gibt, friedlich zusammenleben können.“

Da wo nur einer in der Familie entscheidet, ohne von den anderen zur Entscheidung beauftragt zu sein, herrscht Diktatur, lernten die kleinen Studenten. Eine Staatsform, der der Saal deutlich mit Missfallenskundgebungen kommentierte. Was wiederum den Professor veranlasste, gleich ein weiteres Diktatur-Beispiel zu bemühen: Im Hörsaal herrsche jetzt auch Diktatur, sprach Wichard Woyke augenzwinkernd ins Mikrofon: „Ich rede und ihr hört zu.“

Das stimmte nicht ganz, denn als Woyke den Hörsaal zwischenzeitlich zum Parlament erklärte, ging es daran, Argumente austauschen: für einen Schulneubau oder die Errichtung eines Stadions. „Ohne eine richtige Ausbildung gibt es keine Chancen auf einen guten Beruf“, formulierte ein Junge, was so mancher Erwachsene sicher gern hört. „Sport ist schön“, fasste ein Mädchen zusammen, was die Mehrheit dachte. Das Stadion gewann, im „hohen Haus“ aber deutlich knapper, als es sich zunächst bei einer Probeabstimmung abgezeichnet hatte. Darum, so erfuhren die Studenten sei es auch so wichtig, sich bei Wahlen zu beteiligen: „Denn im Stadtrat, der am Sonntag gewählt wird, entscheiden die gewählten Vertreter wirklich, ob zum Beispiel eine Schule oder ein Stadion gebaut wird.“

„Juhu“ – das war zwar auch einhelliger Kommentar im Saal zur Staatsform Anarchie, bei der ja jeder machen darf, was er will. Es stellte sich aber schnell die Einsicht ein, dass es sich in der Demokratie wohl doch am besten leben lässt. Das lernen auch übrigens die Tiere in dem Comic „Hanisauland“ der Bundeszentrale für politische Bildung, den Woyke seinen Hörern noch als Lektüre-Empfehlung mit auf den Weg nach Hause oder in die Mensa gab.

Vorher musste der Professor noch Autogramme geben. In die Kinder-Studentenausweise, in denen die Mädchen und Jungen auch in diesem Semester wieder Teilnahme-Stempel für ein Gewinnspiel sammeln können. Das nächste Mal am 15. Oktober. Dann wird die Kinderuni sport(wissenschaft)lich, wenn Prof. Dr. Dieter Jütting fragt: „Wer läuft denn da?“ und über Marathonläufe und olympische Leistungen spricht.

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