Vorbericht
Mit Phenylethylamin sprudeln Glücklich-Macher ins Gehirn

Donnerstag, 06.03.2008, 14:03 Uhr

Die beruhigende Nachricht zuerst: Nein, Schokolade macht nicht süchtig. Jedenfalls nicht im strengen Sinn. Wenn das so wäre, müsste man täglich 200 Tafeln vertilgen, lernten gestern rund 800 Mädchen und Jungen die Kinder im großen Hörsaal bei der Kindervorlesung über Psychologie.

Auch wenn die vollbesetzten Reihen – wie eine kleine Publikumsbefragung ergab – annähernd lückenlos mit leidenschaftlichen Schokoladenliebhabern gefüllt waren, bei dieser Vorstellung verging dann doch so manchem der Appetit. Das Thema war verlockend: „Hmmmh Schokolade! Warum können wir nicht genug davon kriegen?“ hatte der Suchtforscher Privatdozent Dr. Ralf Demmel seine Vorlesung überschrieben. Dass es nicht leicht ist, von der Süßigkeit zu lassen, wusste schon Montezuma, der letzte König der Azteken. Er trank nach der historischen Überlieferung jeden Tag unglaubliche 50 Tassen Kakao. Dagegen sind die 100 Tafeln oder zehn Kilo Schokolade, die jeder Deutsche durchschnittlich jedes Jahr vertilgt, schon fast eine Kleinigkeit.

„Gesund ist das trotzdem nicht“, warnte Ralf Demmel die Acht- bis Zwölfjährigen und erzählte von der unangenehmen Wahrheit, dass Schokolade leider vorwiegend aus Fett und Zucker, auch aus Eiweiß besteht. Immerhin: „Mama, hast du schon gewusst, dass in Schokolade Vitamin A, B und E ist?“ Diesen Satz übte Semmel mit dem jungen Publikum im Chor, ohne zu verschweigen, dass deren Menge leider gering ist. Der Stoff, der dafür sorgt, dass Schokolade so lecker ist und angenehme Stimmungen verbreitet, heißt Phenylethylamin. Er verbreitet schon den verlockenden Geruch. Und wenn er über die Zunge aufgenommen wird, regt sich im Gehirn das Belohnungszentrum, das immer aktiv wird, wenn der Mensch gute Laune hat. Dann öffnen sich dort viele kleine Kanäle und es sprudelt die Substanz, die glücklich macht – das Dopamin. Deshalb tut Schokolade auch so gut, wenn eine Klassenarbeit daneben gegangen ist oder die Lieblings-Fußballmannschaft mit 0:7 verloren hat.

Die jungen Hörer erfuhren von Ralf Demmel auch, dass Psychologen bei der Schokoladenforschung sogar die Art und weise studieren, wie Leute sie essen, und lud die Kinder zur Diskussion ein. Fazit: Der Genuss-Stil ist verspricht, wie der Name schon andeutet mehr Wohlgefühl, als der „Reinstopf-Stil“. Das Schlimmste daran außer Bauchschmerzen ist doch dies, wie ein Jungstudentin meinte: „Wenn man die Schokolade reinstopft, hat ganz schnell keine Schokolade mehr.“

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