Archiv 2006
Aua! Wie Schmerzen entstehen

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Waren das früher finstere Zeiten: Der Zahnarzt setzte die Zange ohne Betäubungsspritze an, und dann – Aua!!! Nicht nur Nadja (9) gruselte es ein bisschen, als im großen Hörsaal H 1 davon die Rede war, wie Menschen vor Erfindung der Schmerzmittel zumute war, wenn Zähne gezogen oder sogar richtig operiert wurde.

„Puh, das muss schrecklich gewesen sein“, seufzte schaudernd auch Prof. Dr. Susanne Klumpp vor dem vollbesetzen Hörsaal. Schulferien sind für wissbegierige Kinder kein Grund, die Kinderuni zu schwänzen – und dabei ging es gestern um ein Thema, bei dem jeder mitreden kann: Schmerzen. Hals-, Kopf-, Zahn-, Bauchschmerzen, es blieb im Saal kein Finger unten, als Pharmazeutin Klumpp bei den etwa Acht- bis Zwölfjährigen nach eigenen Erfahrungen fragte.

Auch wenn niemand vor solchen und anderen Schmerzen sicher ist – die Kinder wissen jetzt immerhin, was im Körper passiert, wenn es wehtut. Beim Erklären half der Professorin Nelly, die bei der Vorlesung auf der Bühne standhaft einiges zu erdulden hatte. Mehr als einmal wurde der Schaufensterpuppe mit dem Hammer auf die Finger gehauen. Und an der Glühbirnchenkette, die an Nellys Arm hoch bis zur Wirbelsäule und weiter bis zum Kopf angebracht war, konnten die jungen Studenten verfolgen, dass der Schmerz durch die Nervenbahnen läuft, wie der Strom durch ein Kabel.

Nellys Leiden hatten erst ein Ende, als Susanne Klumpp zeigte, wie ein Betäubungsmittel funktioniert. Durch das Medikament wird verhindert. Dass der Schmerzreiz von einer an die andere Nervenzelle weitergegeben wird. Der Strom ist unterbrochen, die Lämpchen gehen aus. Zum Schluss verpasste das Team um die Susanne Klumpp sogar eine Vollnarkose. Da erlosch die große Glühbirne an ihrem Kopf. „Wenn das Gehirn, die Botschaft, dass es wehtut nicht wahrnehmen kann, spürt der Mensch auch keinen Schmerz, nimmt aber auch sonst nichts mehr wahr“, erklärte die Professorin und zeigte den Kindern auch, welche Stelle im Gehirn welche Art von Schmerzen „übersetzt“. Weil für den Kopf ein großes Gebiet der Hirnrinde zuständig ist, sind zum Beispiel Zahn- oder Ohrenschmerzen so besonders unangenehm.

Vielleicht kein Zufall – es waren nämlich Zahnärzte, die es vor mehr als 100 Jahren durch die Entdeckung von Lachgas und Äther als Betäubungsmittel ermöglichten, dass viele medizinische Behandlungen und Operationen überhaupt durchgeführt werden können.

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