Archiv 2006
Eisbären schwimmt das Eis weg

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Im neuesten Film über Lars, den kleinen Eisbären, bläuen die Eisbären-Eltern ihrem Kind ein, sich vor den Menschen in Acht zu nehmen. Das kann Prof. Dr. Manfred Lange nur bestätigen. „Der Mensch ist der größte Feind der Eisbären“, sagt der Professor für Geophysik an der Universität Münster .

Nicht unbedingt, weil Menschen Eisbären ihres schönen Felles wegen jagen. „Der Mensch zerstört die Umwelt, die die Eisbären zum Leben brauchen“, erläutert Lange, der am kommenden Freitag (28. April) um 16.15 Uhr bei der nächsten Vorlesung der Kinderuni Münster Acht- bis Zwölfjährigen erklärt, „warum Eisbären schwimmen lernen müssen“.

Letzteres tun die weißen Riesen am Nordpol nämlich nur sehr ungern, wie Lange auch bei diversen Reisen in die Arktis festgestellt hat. Aber der Lebensraum der Eisbären schmilzt buchstäblich dahin. Weil das Klima ständig wärmer wird, gibt es am Nordpol immer weniger festes Eis. Wo die Eisbären noch vor zehn Jahren riesige Flächen zur Verfügung hatten, auf denen sie die Robben, ihre Lieblingsspeise, jagen konnten, müssen sie heute schon immer häufiger von Scholle zu Scholle schwimmen.

In der Arktis, also rund um den Nordpol, hat sich die durchschnittliche Temperatur in den vergangenen hundert Jahren um fünf Grad Celsius erhöht, die Fläche des Meereises ist schon um sechs Prozent zurückgegangen. Das liegt daran, dass die Menschen in anderen, weit entfernt liegenden Gegenden der Erde durch ihr Verhalten dafür sorgen, dass die Temperatur auf der Erde immer mehr steigt. Manfred Lange erklärt bei der Vorlesung, wie es kommt, dass die Industrie, Heizung und Autoverkehr das Klima auch am Nordpol beeinflussen.

Wissenschaftler haben berechnet, dass zwischen 2070 und 2090, also dann, wenn die Kinder aus der Vorlesung alte Leute geworden sind, kaum noch Eis am Nordpol sein wird. Für Eisbären sind magere Zeiten schon jetzt angebrochen. Weil sie nicht mehr so leicht Nahrung finden, sterben schon jetzt mehr kleine Eisbärenbabys als früher. Wenn die Klimaerwärmung nicht gestoppt oder wenigstens verlangsamt wird, werden die Eisbären aussterben – und mit ihnen viele Tiere in der Arktis auch, warnt Manfred Lange. Für die Enkel und Urenkel der Kinder, die am Freitag im Hörsaal sitzen, wäre dann Lars, der Eisbär im Bilderbuch das einzige Exemplar seiner Art.

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