Archiv 2006
Jeder muss lernen – alles andere wäre unfair

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Wenn ein Professor, der sonst nur erwachsene Studenten unterrichtet, eine Kindervorlesung halten soll, fühlt er sich manchmal nochmal reif für ein bisschen Unterricht. Da trifft es sich gut, dass Prof. Dr. Ewald Terhart mit einer Grundschullehrerin verheiratet ist. Die stellte die Frage, die gestern Thema der Kinderuni war, probehalber in ihrer Klasse: „Warum muss ich zur Schule gehen?“ „Warum ich gehen muss, weiß ich nicht“, sagte ein Mädchen, „aber ich weiß, warum ich gehen will: Weil es Spaß macht.“

Das war im dicht besetzten großen Hörsaal auch die überwiegende Meinung der rund 700 Mädchen und Jungen. Sie bekannten sich dazu, gern zur Schule zu gehen. Was ja nicht immer so sein muss: „Es gibt ja gute und weniger gute Tage“, gab Jonathan (10) zu bedenken. Das aber aber spielt überhaupt keine Rolle, denn zehn Millionen Kinder in Deutschland müssen ja zur Schule gehen. Prof. Terhart erklärte den Kindern, dass das auch gut so ist. „Wenn Eltern nicht durch das Gesetz verpflichtet wären, ihre Kinder zur Schule zu schicken, wäre das sehr unfair für diejenigen, die nicht in den Unterricht gehen“, gab der Professor zu bedenken. So hatten es viele noch nicht gesehen: „Lernte jeder nur für sich, wäre es ja Zufall, was man später weiß.“

Daran kann auch der Staat kein Interesse haben, der ja die Schulen mit den Steuern seiner Bürger bezahlt. „Es ist gut für den Staat, dass viele Leute gebildet sind“, fand eine junge Studentin. Und ein Junge traute dem Staat bei der Organisation der Schule auch viel zu: „Der Staat hat die beste Übersicht“, meinte er zu der Frage, warum nicht beispielsweise Firmen Schulen betreiben. „Die wollen vielleicht Reklame machen“, meinte ein anderer, und Ewald Terhart ergänzte, dass nur der Staat durch Wahlen von allen Bürgern kontrolliert werden kann. Auch das lernen Kinder in der Schule – oft ohne, dass sie es merken: Diskutieren, seine Meinung vertreten und die Auffassung anderer respektieren.

In früheren Zeiten ging es in der Schule weniger um Mitbestimmung. Der Lehrer hatte das Sagen und setzte sich häufig mit dem Stock durch. Auch Ewald Terhart hat das als kleiner Grundschüler einmal erlebt – ein Thema, das die Kinder brennend interessierte. Doch schlagen dürfen die Lehrer schon lange nicht mehr.

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