Archiv 2006
Kann man Gedanken lesen?

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Hausaufgaben machen – da ist unter anderem das Vorderhirn gefragt. Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis könnten wunderbar arbeiten, würde da nicht ständig ein „Mandelkern“ dazwischenfunken. Hirnforscher nennen ihn auch „Ekelkern“. „Der Ekelkern wird immer aktiv, wenn was Unangenehmes passiert – besonders wenn der Mensch sich fürchtet, aber auch wenn er sich ekelt oder extreme Unlust empfindet“, erklärt Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer .

Die Medizinerin arbeitet am Universitätsklinikum mit Kernspintomographen. Das sind Geräte, die sichtbar machen, welche Teile des Gehirns gerade aktiv sind. Die Frage „Kann man Gedanken lesen?“ liegt darum nah. Ob das möglichst ist, wird die Wissenschaftlerin bei der nächsten Kindervorlesung am Freitag (31. März) um 16.15 Uhr im großen Hörsaal H 1 am Hindenburgplatz erklären.

Zu erkennen, was ein anderer denkt – das ist ein Menschheitstraum, aber auch eine ziemlich gruselige Vorstellung. Inzwischen wissen die Hirnforscher, welche Teile des Gehirns für Gefühle, welche für Gedanken, die Sprache, das Sehen oder Hören verantwortlich sind. Es ist sogar begrenzt schon möglich, durch Gedanken Computer zu steuern. „Dafür werden aber sehr komplizierte und teure Geräte benötigt“, sagt Bettina Pfleiderer, die bei der Vorlesung einige dieser Methoden vorstellen wird.

Schon vor fast 100 Jahren gab es mit dem so genannten Lügendetektor erste Versuche, herauszufinden, ob jemand die Wahrheit sagt. Im Gegensatz zu den heutigen Möglichkeiten mutet die Methode vorsintflutlich an, zeigt aber etwas ganz Wesentliches, erklärt die Professorin: Der Lügendetektor beweist, dass es nicht möglich ist, etwas zu denken, ohne dabei zu fühlen, und ohne dass der Körper Reaktionen zeigt. Wer lügt, wird rot, der bekommt vielleicht Herzklopfen oder schwitzt.

Die Fortschritte der Wissenschaftler bei der Gedankenleserei wird Bettina Pfleiderer in eine spannenden Geschichte „einpacken“, verspricht die Mutter von zwei Töchtern. Bevor die 44-Jährige Professorin an der medizinischen Fakultät der Uni Münster wurde, studierte sie Chemie und arbeitete einige Jahre an einer Universität in den USA. Dabei spezialisierte sie sich auf moderne Röntgenverfahren. Nach der Rückkehr nach Deutschland studierte sie parallel zu ihren Forschungen an der Klinik für klinische Radiologie noch Medizin.

Mit Bettina Pfleiderers Vorlesung beginnt das Sommersemester der Kinderuni, die sich an Mädchen und Jungen ab acht Jahren wendet. Studentenausweise gibt es wieder am Infotisch der Westfälischen Nachrichten, die die Vorlesungen gemeinsam mit der Universität Münster organisieren. Wer drei der vier Vorlesungen im Sommersemester besucht, kann an einem Gewinnspiel teilnehmen und Preise gewinnen. Kinder die jedes Mal kommen, erhalten ein Kinderdiplom.

Weil die Professoren ihre Vorlesungen ohne Bezahlung halten, bleibt die Kinderuni kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig. Erwachsene Begleiter sind wie immer willkommen, werden aber gebeten, die Sitzplätze im Hörsaal den Kindern zu überlassen. Die Vorlesungen werden per Video in die angrenzenden Säle übertragen.

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