Archiv 2006
Mehr als Käse, Windmühlen und Wohnwagen

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Holländer-Käse, Urlaub an der Nordsee, Holz-Schuhe und die Fußballmannschaft in den orangefarbenen Trikots, die besonders gern gewinnen will, wenn es gegen die Deutschen geht. Die Niederlande, unsere Nachbarn im Westen, sind in Münster so nah und so gut bekannt, dass schon jedem Kind dazu etwas einfällt.

Dass es aber über das Land, in dem mit 17 Millionen Einwohnern so viele Menschen leben wie in Nordrhein-Westfalen, noch viel mehr Interessantes zu entdecken gibt als Gouda-Käse, Windmühlen und die zur Ferienzeit auf den Autobahnen allgegenwärtigen Wohnwagen, in denen die Niederländer gern Campingurlaub machen, erklärt am Freitag (9. Februar) Professor Friso Wielenga bei der Kinderuni um 16.15 Uhr im großen Hörsaal H 1.

Friso Wielenga ist Professor für Niederlandekunde und als Niederländer mit einer deutschen Frau erlebt er auch in der Familie die enge Nachbarschaft zwischen seiner Heimat und Deutschland. Seit 1999 ist er Direktor des Hauses der Niederlande, das in Münster am Alten Steinweg neben der Stadtbücherei im historischen Krameramtshaus untergebracht ist. Hier wird über die Niederlande geforscht und das Haus beherbergt die größte niederländische Bibliothek auf deutschen Boden. Ein solches Haus der Niederlande gibt es nirgendwo sonst in Deutschland.

Wem beim Gedanken an die Niederlande sofort Windmühlen oder Wohnwagen einfallen, der denkt an Klischees – also an vereinfachte Vorstellungen, die sich häufig auf Vorurteile gründen. „So denken viele Niederländer beim Stichwort Deutschland auch nach wie vor an Menschen in Seppl-Hüten oder Dirndl-Kleidern, die gar nichts anderes essen als Sauerkraut“, schmunzelt Friso Wielenga.

Gemeinsam mit seinen Söhne Max (9) und Lorenz (10) hat er sich auf die Kinderuni vorbereitet. Die Jungen, die Niederländisch und Deutsch sprechen, haben Bilder über die Beziehungen der Deutschen und Niederländer gemalt und werden ihrem Vater auch helfen, wenn es am Freitag bei der Kinderuni für die jungen Studierenden darum gehen wird, einen Schnellkursus in niederländischer Sprache zu absolvieren. „Denn was“, fragt Friso Wielenga, „ ist bei Nachbarn wichtiger, als dass sie sich verstehen können?“

Mit der Vorlesung über die Niederlande für acht bis zwölfjährige Mädchen und Jungen endet schließlich das Wintersemester der Kinderuni. Wer jede der sechs Vorlesungen gehört hat, erhält am Ende ein persönliches Kinderdiplom.

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