Archiv 2006
Wer schrieb die Bibel?

Mittwoch, 05.03.2008, 00:03 Uhr

Münster. Nahezu alle Christen auf der Welt haben eine bei sich zu Hause, in den Kirchen wird gepredigt und vorgelesen, was in der Bibel steht. Sie ist das auf der Welt am meisten verbreitete Buch überhaupt – aber wer hat die Bibel geschrieben?

Eine Frage, die Ulrich Berges , Professor für katholische Theologie und Religionswissenschaftler, nicht mit einem Satz beantworten kann. Deshalb erklärt er am Freitag bei der Vorlesung der Kinderuni Acht- bis Zwölfjährigen, wie die Bibel entstanden ist.

Einen wichtigen Hinweis dazu gibt schon der Name Bibel selbst, erklärt der Theologe. Im Griechischen heißt die Bibel „biblia“ und das heißt wörtlich nicht Buch, sondern Bücher. Die Bibel besteht also aus vielen Büchern vieler Schreiber. Die Geschichten, die heute in der Bibel stehen, sind innerhalb von ungefähr 1000 Jahren entstanden. Die jüngsten Texte wurden etwa 100 Jahre nach Christi Geburt geschrieben.

Professor Berges kennt die Bibel in- und auswendig in allen Sprachen, in der ihre Texte jemals geschrieben wurden: Hebräisch, Griechisch, natürlich auch die Übersetzungen ins Lateinische, und sehr viel später, vor etwa 500 Jahren, durch Martin Luther ins Deutsche.

Wer die Bibel so gut kennt wie Ulrich Berges, weiß, dass viele ihrer Geschichten sich immer wieder verändert haben – und dass manche zu unterschiedlichen Zeiten erzählt wurden. Die Geschichte von der Ankunft eines Erlösers wird in der Bibel nicht nur von den Evangelisten Lukas und Matthäus im Neuen Testament in der Weihnachtsgeschichte erzählt, die am Heiligen Abend in den Kirchen vorgelesen wird.

Schon etwa 700 Jahre zuvor hat der Prophet Jesaja im Alten Testament geweissagt, eine junge Frau werde ein Kind bekommen, ein künftiger König, der die Menschen in Judäa, dem damaligen Israel, erlösen werde. Jesaja war seinerzeit Minister am königlichen Hof von Judäa – und das Land war von Feinden aus Assyrien bedroht. „In dieser Lage war eine Geschichte, die vom Retter erzählte für die Menschen sehr tröstlich“, erklärt Berges.

In der Bibel stehen die Geschichten, die so wichtig für die Menschen waren, dass sie nicht nur weitererzählt, sondern aufgeschrieben wurden. Wie sich dieser „Sammelband“ der biblischen Geschichten entwickelt und wer die wichtigsten Bibelschreiber waren, erklärt der Theologe Ulrich Berges, der nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Priester ist. Als Seelsorger hat er auch in Rom und viele Jahre in Peru gearbeitet, bevor er als Professor an die Universität in seine Heimatstadt Münster zurückkehrte.

Die Sitzplätze im großen Hörsaal sind bei der Vorlesung für Kinder reserviert. Erwachsene Begleiter werden gebeten, die Kinderuni per Videoübertragung in den angrenzenden Hörsälen zu verfolgen.

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