Westfalenfleiß beteiligt sich seit einigen Jahren am Klasse!-Projekt
Zeitungsarbeit in der Werkstatt

Angefangen hat alles vor knapp drei Jahren. Damals beteiligte sich Paul Kreimer mit einer Werkstatt-Gruppe zum ersten Mal am Klasse!-Projekt. Der frühere Leiter der Papst-Johannes-Schule in Münster-Kinderhaus kannte das Medienprojekt für Schülerinnen und Schüler – und fragte sich, ob es nicht auch für die Beschäftigten bei Westfalenfleiß spannend sein könnte.

Dienstag, 25.09.2018, 11:55 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 25.09.2018, 11:42 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 25.09.2018, 11:55 Uhr
Die Werkstattgruppe mit Paul Kreimer (hintere Reihe, zweiter von links) beteiligt sich seit Jahren am Klasse!-Projekt. Die Beschäftigten von Westfalenfleiß lesen die Zeitung – und haben das Thema Migration für ein eigenes Projekt aufgegriffen.
Die Werkstattgruppe mit Paul Kreimer (hintere Reihe, zweiter von links) beteiligt sich seit Jahren am Klasse!-Projekt. Die Beschäftigten von Westfalenfleiß lesen die Zeitung – und haben das Thema Migration für ein eigenes Projekt aufgegriffen. Foto: Rayen/Westfalenfleiß GmbH

Die Antwort des Förderschullehrers: Auf jeden Fall. Paul Kreimer macht seitdem jedes Jahr beim Klasse!-Projekt mit. Die Zeitung ist zum festen Bestandteil im Alltag von Westfalenfleiß geworden. Beschäftigte, die nicht am Zeitunglesen während der Projektphase beteiligt sind, stecken morgens den Kopf durch die Tür, erzählt Paul Kreimer. Sie geben Kommentare zu Themen ab oder fragen nach einem Zeitungsexemplar. Das Projekt hat bei allen das Interesse für gedruckte Nachrichten geweckt.

Mich interessiert Fußball – von Preußen Münster bis zu internationalen Ligen. Deshalb lese ich vor allem den Sportteil.

Henry, 25 Jahre

Nach dem Wochenende geht es in der Zeitungsrunde oft um Fußball-Ergebnisse und Tabellenplätze. Fußball ist für Henry Lieblingslesestoff. Der 25-Jährige interessiert sich von Preußen Münster bis zu den internationalen Ligen für alles, was mit dem runden Leder zu tun hat. Oft spricht er mit Marvin über seinen Lieblings-Preußenspieler Martin Kobylanski. Hat es Randale oder Pyro-Technik bei Partien gegeben, regt der sich auf. „Das finde ich gar nicht gut. Wir gehen doch ins Stadion, um friedlich Fußball zu gucken.“ Der 19-Jährige hat eine feste Meinung – über die er mit den Werkstatt-Beschäftigten gern diskutiert.

Für Paul Kreimer liefert die Zeitung einen bunten Blumenstrauß an Themen, die zu Gesprächen führen und oft kontroverse Diskussionen auslösen. „Die Zeitung bereichert unseren Werkstatt-Alltag eindeutig“, zieht er sein Fazit. „Uns werden Themen ins Haus getragen, denen wir sonst keine Bedeutung zugemessen hätten“, schildert er. Noch mehr Wert legt er auf die Vermittlung von Medienkompetenz. „Das Entscheidende bei unseren Erfahrungen mit der Zeitung ist, dass wir als Leser die Absender kennen: die Redaktionen, die Verlage und Journalisten, die mit ihrem Namen für Nachrichten und Artikel bürgen.“

Ich ärgere mich über Raser und Drängler im Straßenverkehr. Deshalb interessieren mich Unfälle. Ich möchte wissen: Was war die Ursache?

Uwe, 59 Jahre

Doch aus dem reinen Lese-Projekt ist für die Beschäftigten längst mehr geworden. Als die Klasse!-Runde sich immer wieder mit dem Flüchtlings-Thema beschäftigte, ging es bei den morgendlichen Lesezeiten auch um dieses Thema. Dabei stellte sich allen die Frage, ob Migration auch für Westfalenfleiß eine Rolle spiele. Die Klasse!-Teilnehmer fingen an zu recherchieren. Und sie fanden heraus, dass bei ihnen Menschen aus 30 Nationen beschäftigt sind. Das bunte Miteinander wurde aufgearbeitet, eine Landkarte besorgt, Länderflaggen überall dort eingepikt, wo Beschäftigte von Westfalenfleiß herkommen. Beschäftigte mit Migrationshintergrund wurden interviewt, ihre Lebensgeschichten aufgeschrieben. Diese Arbeiten wurden in der Werkstatt ausgestellt. Jedes Klasse!-Jahr wird das Thema nun mit einem neuen Aspekt aufgegriffen. In diesem Frühjahr gab es im Rahmen der Woche „Münster gegen Rassismus“ sogar in der Stadtbücherei in Münster eine eigene Ausstellung. Die Aufmerksamkeit spornt das Werkstatt-Team an, weiterzumachen. Sanjeeb (44 Jahre) hat über Klasse! entdeckt, dass die Zeitung auch immer wieder über sein Heimatland Indien berichtet. Artikel und Fotos schneidet er sofort aus und bringt sie seiner Mutter mit. Klasse! sorgt also auch jenseits der Werkstatt für reichlich Gesprächsstoff.

Meine Freundin kommt aus Afghanistan. Deshalb interessieren mich Nachrichten aus diesem Land.

Stefan, 36 Jahre
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