Programm
Meisterhaft debattiert: Wettstreit lockt Hunderte Zuhörer

Montag, 07.06.2010, 18:06 Uhr

Münster - Schade, dass Horst Köhler nicht da war. Hunderte Zuhörer in der Aula am Aasee hätten die Anwesenheit des vor einer Woche zurückgetretenen Bundespräsidenten sicherlich begrüßt. Denn acht Studierende diskutierte anlässlich der Deutschen Debattiermeisterschaft vorn auf der Bühne ein Thema aus, welches Köhler unfreiwillig auf die politische Tagesordnung gehoben hat: Darf Deutschland militärische Gewalt zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen einsetzen? Anders gefragt: Sind Bundeswehreinsätze erlaubt, wenn es darum geht, Handelswege freizuhalten und einen offenen Zugang zu Rohstoffen und Absatzmärkten zu erhalten?

„Töten für frische Erdbeeren“, zeigte der Kritiker Clemens Lechner aus Jena die Konsequenz auf, sollte der Staat tatsächlich dazu übergehen, „Leben gegen Wirtschaft zu setzen“. „Dummerweise fahren auch heute noch alle Autos mit Benzin“, warnte im Gegenzug der Befürworter Philipp Stiel aus Tübingen davor, die Energieversorgung des Industrie- und Exportlandes Deutschland dem Zufall zu überlassen.

Der 24-jährige Stiel trug am Ende eine doppelte Krone davon. Zum einen gewann er mit seinem Kollegen Peter Croonenbroeck die Teamwertung, zum anderen wurde der Volkswirtschaftler zum besten Einzelredner gekürt.

Dass er - gemeinsam mit drei anderen Finalisten - die undankbare Aufgabe hatte, sich für Militäreinsätze auszusprechen, dürfte ihm ein paar Sympathiepunkte bei der Jury beschert haben. „Anfangs war ich schon etwas geschockt, als ich hörte, welcher Partei ich zugelost worden war“, verkündete Sieger Stiel nach dem Wettbewerb .

Zur Jury gehörten auch zwei Bundestagsabgeordnete, Ruprecht Polenz (CDU) und Maria Klein-Schmeink (Grüne). Beide sind nicht davor gefeit, dass eine ähnliche Debatte irgendwann im Deutschen Bundestag ausgetragen wird, dann aber nicht bloß aus Liebe zur Rhetorik. Gleichwohl ärgerte sich Klein-Schmeink in erster Linie darüber, dass es nur eine Frau in den Kreis der acht Finalisten geschafft hatte. „Das lässt für die Zukunft der Politik nichts Gutes hoffen.“

Bei allen Emotionen auf der Bühne: Als die Meister gekürt waren, feierten Vertreter von 30 Debattierclubs gemeinsam. Wie meinte doch die Organisationschefin Katharina Röhm: „Debattieren ist die fairste Sportart, die es gibt.“

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