Herzkranke Kinder
Erst Freude – dann Angst

Münster -

Der Verein „Herzkranke Kinder“ unterstützt Eltern und Familien, die nach der Diagnose in ein tiefes Tal von Ängsten und Sorgen fallen.

Freitag, 09.12.2016, 21:12 Uhr

Möchten Eltern helfen (v.l.): Inge Senger, Betty Langhans und Barbara Westbrink. Das kleine Foto entstand vor über 25 Jahren, als Inge Senger sich als Mutter eines herzkranken Babys erstmals mit diesem Thema auseinandersetzen musste.
Möchten Eltern helfen (v.l.): Inge Senger, Betty Langhans und Barbara Westbrink. Das kleine Foto entstand vor über 25 Jahren, als Inge Senger sich als Mutter eines herzkranken Babys erstmals mit diesem Thema auseinandersetzen musste. Foto: ide

Neun Monate helle Freude. Glück pur. Und neugierige Spannung. Dann endlich – das Baby ist da. Und oft nur Stunden später reicht ein Satz. „Ihr Kind hat einen Herzfehler.“ Für Eltern bleibt die Welt einfach stehen. Und sie kennen plötzlich nur noch ein Gefühl: „Angst“, beschreibt Inge Senger diese Achterbahn der Emotionen, die Mütter und Väter durchleben. Angst um den winzigen Menschen auf ihrem Arm, Angst vor allem, was jetzt auf sie zukommt.

Inge Senger weiß, wovon sie spricht. Sie ist Mutter eines herzkranken Kindes und schon seit über zwei Jahrzehnten aktiv im Verein „Herzkranke Kinder“ engagiert. Aus eigener Erfahrung kann sie nachfühlen, wie wichtig für Eltern das Gespräch mit anderen Eltern ist, Eltern, die dasselbe Schicksal erlebt haben und manchmal ganz ohne Worte verstehen, was Mütter und Väter gerade durchmachen. „Das war ein Grund, weshalb betroffene Eltern vor 25 Jahren den Verein gegründet haben“, blendet sie zurück.

Wenn Mütter oder Väter heute Kontakt zum Verein knüpfen, um Unterstützung bitten, dann möchten sie vor allem eins: „Von uns hören, dass alles gut wird“, spürt Inge Senger immer, dass der Verein als Rettungsanker empfunden wird.

Natürlich könne niemand einfach versprechen, dass alles gut wird, aber: „Wir können zuhören, beraten, Beispiele von anderen erzählen, Mut machen. Und auch Kontakt zu anderen betroffenen Familien herstellen.“ Das sei für manche schon sehr wichtig und hilfreich: „Sie merken auf einmal, dass sie nicht allein sind, dass auch andere Menschen dieses Schicksal teilen, und dass es trotz allem möglich ist, das Leben mit einem herzkranken Kind zu meistern.“

Dennoch stehe die Angst – besonders am Anfang – immer im Vordergrund. „Wir vermitteln auch an Fachleute, wir sind selbst ja keine Therapeuten. Aber wir können Wege aufzeigen, Weichen stellen für psychologische Unterstützung.“

Große Resonanz finden auch die gemeinsamen Wochenenden, die der Verein organisiert, damit Familien überhaupt einmal etwas unternehmen können und Abwechslung zum Alltag finden. „Die Gefahr der Isolation ist sehr groß. Auch die Beziehungen der Eltern leiden, manche Ehe hält der Belastung gar nicht stand“, berichtet Inge Senger.

Es sind viele unterschiedliche Aktivitäten, die der Verein anbietet, um das „Wir-Gefühl“ zu stärken, um das Leben der Betroffenen bunter zu machen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes – auf der Station im UKM sorgt der Verein dafür, dass immer genügend Spielsachen im Spielzimmer sind. Er sorgt dafür, dass der Wartebereich kunterbunt gestaltet und mit Spielen bestückt wird, die die Wartezeit verkürzen. Um all diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist der Verein auf Spenden angewiesen: „Wir freuen uns sehr, dass die Leser uns unterstützen“, bedankt sich der Vorstand.

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