Banges Warten auf eine Spenderniere
Der Kampf um Baby Fatima

Münster -

Seitdem die kleine Fatima vor eineinhalb Jahre mit einem schweren Nierendefekt auf die Welt kam, ist sie auf die Dialyse und künstliche Ernährung angewiesen. Jetzt setzen die Ärzte und ihre Familie große Hoffnungen in eine Nierentransplantation.

Samstag, 09.12.2017, 15:12 Uhr

Fatima ist ständig auf die Bauchfelldialyse und eine künstliche Ernährung angewiesen. Das Bild entstand während ihres 26-wöchigen Aufenthalts in der Uniklinik Münster.
Fatima ist ständig auf die Bauchfelldialyse und eine künstliche Ernährung angewiesen. Das Bild entstand während ihres 26-wöchigen Aufenthalts in der Uniklinik Münster. Foto: Elke Neuhaus

Der Schock kam zur Halbzeit ihrer Schwangerschaft. „Ihr Baby hat eine schwere Nierenfunktionsstörung. Ein Überleben ist kaum möglich“, hatten die Ärzte Nadia Alayan (22) gesagt. Damit begann der nun fast zwei Jahre währende Kampf um das Leben der kleinen Fatima. Pränatal musste fehlendes Fruchtwasser aufgefüllt werden, und als das Baby in der 34. Woche verfrüht auf die Welt kam, spornte es Ärzte und Pfleger in der Universitätsklinik Münster zu Höchstleistungen an: Kinderintensivstation, Hochfrequenz­beatmung und die fieber­hafte Suche nach der richtigen Medikation bei diesem seltenen Gendefekt der Nieren.

„Denn wegen der fehlenden Hormonausschüttungen der Nieren war auch die Entwicklung von Herz und Gehirn in Gefahr“, erklärt Prof. Dr. Monika Bulla , Vorsitzende des Fördervereins „Hilfe für das nierenkranke Kind“, der für die kleine Fatima und für viele andere Kinder alle Register zieht, um ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen.

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Überlebenswichtige Ausstattung

Den großen Respekt der Ärzte hat die junge Mutter Nadia Alayan, die sich selbst zu einer medizinischen Expertin entwickelt hat. „Notgedrungen“, sagt sie bescheiden. Jedenfalls sorgt sie zu Hause dafür, dass die inzwischen eineinhalbjährige Fatima zwölf Stunden pro Tag eine Bauchfelldialyse und fast rund um die Uhr Sondennahrung erhält.

Wenn sie mit Fatima aus dem Haus geht, hat sie die Überlebenstechnik im Rucksack und ist über einen Schlauch mit ihrem Kleinkind verbunden. Jeden Monat transportiert ein Lieferwagen neue Großmengen an Spritzen, Verbandsmaterial und Flüssigkeiten für die künstliche Ernährung und die Dialyse. 400 Milliliter Flüssigkeit müssen regelmäßig in Fatimas Bauchraum geleitet und wieder abgelassen werden – um Filterfunktionen der versagenden Nieren zu übernehmen. Regelmäßige Blutuntersuchungen entscheiden über die Zusammensetzung der Sondennahrung. Bulla: „Die physischen und psychischen Anforderungen für die Eltern sind enorm.“

WN-Spendenaktion 2017: Alle Projekte

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  • Alle Projekte der WN-Spendenaktion

    Unseren Mitmenschen helfen - besonders jenen, die in einer akuten Notsituation sind: Das ist der Leitgedanke der WN-Spendenaktion.

    Wir stellen Ihnen alle vier Projekte aus Münster vor. 

    Foto: WN
  • Projekt 1: Kinderdialyse

    Der Förderverein "Hilfe für das nierenkranke Kind" kämpft gegen die gesellschaftliche Isolation von Kindern mit chronischen Nierenerkrankungen.

    „Wir versuchen, Alltagsprobleme zu lösen und den chronisch kranken Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu geben“, erklärt die Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Monika Bulla .

    Foto: pd
  • Projekt 1: Kinderdialyse

    Dreimal in der Woche muss Berivan Yüksel zur Dialyse in das Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche an der Waldeyerstraße. Die Zwölfjährige ist eines von vielen schwer nierenkranken Kindern, die hier behandelt werden.

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: Förderverein Hilfe für das nierenkranke Kind
  • Projekt 2: Kinderneurologie

    Die Kinderneurologiehilfe Münster betreut Familien mit einem Kind nach einem Schädel-Hirn-Trauma.

    Sie begleiten Familien durch die schwere Zeit nach der Klinik und helfen, den Alltag zu bewältigen.

    Foto: Oliver Werner
  • Projekt 2: Kinderneurologie

    „Ohne Spenden können wir die qualitativ hochwertige Betreuung nicht bieten“, macht die Vorsitzende deutlich. Denn: „Unser Angebot ist kostenlos: Jeder, der Hilfe benötigt, bekommt sie.“

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: Oliver Werner
  • Projekt 3: Entwicklungshilfe

    Seit 16 Jahren baut der Ökumenische Eine-Welt-Kreis (ÖWK) St. Nikolaus Wolbeck Schulen für das Dach der Welt. Im Himalaya leistet er mit seinem nepalesischen Partnerverein Krisenhilfe.

    Foto: ÖWK Wolbeck
  • Projekt 3: Entwicklungshilfe

    „Denn wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist, hat auch die Landbevölkerung längst erkannt“, weiß Christoph Roer vom ÖWK aus Gesprächen vor Ort.

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: ÖWK Wolbeck
  • Projekt 4: Wohnhilfen

    1991 hat Bernd Mülbrecht (Bild) den "Förderverein für Wohnhilfen" gegründet und damit schon über 80 Menschen eine dauerhafte Bleibe verschafft.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Projekt 4: Wohnhilfen

    Heinrich Wiesmüller (Bild) wohnt in der umgebauten Dreifaltigkeitskirche. Dort wohnen ehemalige Wohnungslose, die älter sind als 60 Jahre.

    Auch auf dem ehemaligen TÜV-Gelände entstehen zur Zeit neue Wohnungen. Zur Mö­b­lie­rung benötigt der Verein Spenden.

    Alle Infos zum Projekt finden Sie hier .

    Foto: Anna Spliethoff
  • Spendenaufruf

    "Wir alle können etwas tun für eine bessere Welt! In diesem Sinn bitten wir um Ihre Unterstützung. Helfen Sie! Mit Herz!"

    Ihre

    Dr. Benedikt Hüffer 

    Dr. Eduard Hüffer

    Verleger der Westfälischen Nachrichten

    Foto: WN

„Ohne so tatkräftige Unterstützung hätte ich das nicht geschafft“, blickt Nadia ­Alayan zurück. 26 Wochen lang konnte sie nach Fatimas Geburt im Familienhaus wohnen, das finanziell vom Förderverein „Hilfe für das nierenkranke Kind“ unterstützt wird. Zur Entlastung der jungen Mutter zu Hause in Lippstadt setzte sich der Förderverein für einen Pflegedienst ein, der nachts die Versorgung regelt und Fatimas Eltern eine kurze Phase des Kraftschöpfens ermöglicht.

Aktiv im Förderverein (v.l.): Prof. Dr. Monika Bulla, Elke Tschorn, Inga Lammers, Jochen Petscher und Dr. Stefan Fründ

Aktiv im Förderverein (v.l.): Prof. Dr. Monika Bulla, Elke Tschorn, Inga Lammers, Jochen Petscher und Dr. Stefan Fründ

Hilfe zur Selbsthilfe

Dank der Hilfe ist Nadia Alayan auch der berufliche Einstieg geglückt. Sie hat ihren Bachelor geschafft und arbeitet seit Kurzem auf einer halben Stelle, mit der sie die Intensivpflege ihres Kindes und ihre Einkommenssicherung vereinbaren kann. Ein Paradebeispiel für die Hilfe zur Selbsthilfe, die der Förderverein unterstützt und deshalb dankbar ist für jede Spende, die seine Arbeit auch künftig sichert.

Dank der gemeinsamen Kraftanstrengungen hat sich Fatima überraschend gut entwickelt. Ihr Hirn hat offensichtlich keinen Schaden genommen – „die Kleine krabbelt, zieht sich hoch und stellt sich hin“, sagt die stolze Mutter. Jetzt hofft sie inständig, dass das Warten auf eine Spenderniere nicht allzu lang dauern wird: „Wenn ich nur an die Transplantation denke, geht mein Puls auf 180.“

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