Trainingsgeräte für Knochenmark-Transplantationszentrum
Krebspatient radelt 900 Kilometer im Uni-Klinikum

Münster -

Das Trimmrad auf der Station im Knochenmark-Transplantationszentrum ist zu einem Symbol für Durchhaltevermögen und den Sieg über den Krebs geworden. Patient Hilmar Jaensch hat in vier Wochen 900 Kilometer zurückgelegt. Die Initialzündung für den Förderverein, weitere Trainingsgeräte zu finanzieren.

Mittwoch, 28.11.2018, 20:30 Uhr aktualisiert: 30.11.2018, 10:29 Uhr
Das Trimmrad spielte für Hilmar Jaensch während seiner Behandlung im Knochenmarktransplantations­zentrum eine zentrale Rolle. Sein Arzt Prof. Dr. Matthias Stelljes (l.) und Krankenpflegerin Maike Meyer sind froh über die Unterstützung des Freundeskreises KMT Münster, der mehrere Trainingsgeräte für die Patienten für einen besseren Heilungserfolg finanziert hat.
Das Trimmrad spielte für Hilmar Jaensch während seiner Behandlung im Knochenmarktransplantations­zentrum eine zentrale Rolle. Sein Arzt Prof. Dr. Matthias Stelljes (l.) und Krankenpflegerin Maike Meyer sind froh über die Unterstützung des Freundeskreises KMT Münster, der mehrere Trainingsgeräte für die Patienten für einen besseren Heilungserfolg finanziert hat. Foto: Oliver Werner

Stattdessen steigt er nach Chemotherapie und Knochenmark-Transplantation auf seinem Isolierzimmer täglich aufs Trimmrad. „Wie lange muss ich bleiben?“, will er von seinem Arzt wissen. „Wenn Sie in Köln angekommen sind, haben Sie es überstanden“, ermuntert ihn Prof. Dr. Matthias Stelljes augenzwinkernd. Der an Leukämie erkrankte 72-jährige Patient übertrifft alle Erwartungen und radelt in vier Wochen 900 Kilometer.

Enorm war sein Erfolg auch, was die Heilung angeht. Während viele Patienten nach dem Anwachsen des Transplantats noch ­Wochen benötigen, bis sie so weit gestärkt sind, dass sie entlassen werden können, so Stelljes, schaffte Hilmar ­Jaensch es vor fünf Jahren ohne diese Übergangszeit.

Für den Freundeskreis Knochenmark-Transplantation (KMT) „war es die Initialzündung“, spezielle Motorikgeräte zu finanzieren, mit denen Patienten selbst schon im Bett trainiert werden können, erzählt Vereinsvorsitzender Dr. Manfred Gotthardt.

Denn nicht jeder Patient ist von Hause aus so sportlich wie Hilmar Jaensch, der auch Tennis, Rudern und Klettern zu seinen Hobbys zählt. Als er vor fünf Jahren zum Arzt ging, wollte er vorsichtshalber nur einen Gesundheitscheck für eine Dolomiten-Klettertour machen lassen. Das Ergebnis haute ihn um: „Sie sind nicht gesund, sondern todkrank.“ Den Urlaub hätte er womöglich nicht überlebt, wenn er nicht kurz darauf seine erste Chemotherapie bekommen hätte, blickt Stelljes zurück.

Ob Klettern in den Dolomiten oder Radfahren an langen Infusionsschläuchen – „Durchzuhalten“, so ­Jaensch, „ist das A und O und mein Lebensprinzip“. Sich ablenken und die Selbstheilungskräfte mobilisieren, ist seine Devise.

Aber auch das Pflegepersonal leistet bei der intensivmedizinischen Betreuung Großes. Wenn sich Schleimhäute in Mund, Magen und Darm entzünden und häufige Übelkeit zusätzlich zehrt, „brauchen die Patienten zudem viel mentale Unterstützung“, betont Gesundheits- und Krankenpflegerin Maike Meyer. „Ich habe so viel Empathie erfahren. Die Anteilnahme des Personals machte mich sprachlos“, erklärtJaensch.

Täglich wird er von seiner Frau besucht, die ihm Bücher bringt, die – wie alles, was in sein Isolationszimmer gelangt – durch den Sterilisator müssen. Man sieht es den Büchern anschließend an.

Um diese Prozedur künftig Betroffenen zu ersparen, möchte der Freundeskreis KMT für die Zimmer im geplanten Erweiterungsbau nicht nur Trainingsgeräte für eine frühzeitige Mobilisation der Patienten, sondern auch E-Book-Reader anschaffen. Dafür ist der Verein auf Spenden angewiesen. Zweimal im Jahr kommt Hilmar Jaensch zur Nachsorge ins KMT-Zentrum, in dem im vergangenen Jahr rund 200 Kinder und Erwachsene behandelt wurden. Obwohl es mir gut geht, so Jaensch, „habe ich doch jedes Mal Herzklopfen“.

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