Wie soll es weitergehen?
Krisenhilfe ist für jeden Menschen da, der allein und ohne Lebensfreude ist

Münster -

Tief enttäuscht von der großen Liebe. Völlig verzweifelt nach dem plötzlichen Tod des Partners. Beschämt über eine nach außen perfekte Fassade, hinter der sich eine Lebenslüge verbirgt. Menschen geraten in Krisen, erleben dunkle Stunden, stellen sich selbst, ihr Leben, ihre Zukunft in Frage. Und wissen einfach nicht mehr ein noch aus.

Freitag, 14.12.2012, 20:12 Uhr

Wie soll es weitergehen? : Krisenhilfe ist für jeden Menschen da, der allein und ohne Lebensfreude ist
Wie soll es bloß weitergehen? Die Krisenhilfe hilft Menschen, die nicht mehr allein weiter- wissen. Foto: krise

Sie fühlen sich verloren, ohne Ansprechpartner, allein. Gefangen in einem dunklen Tunnel. Wie soll es bloß weitergehen? Wer in dieser Situation aufgefangen werden möchte, der ist bei der Krisenhilfe Münster an der richtigen Adresse. „Wir möchten Menschen helfen, ehe es zu spät ist, ehe sich die düsteren Gedanken so verfestigen, dass jede Lebensfreude, jede Lebenslust erloschen ist“, sagt Petra Karallus . Die Leiterin der Krisenhilfe und das Team aus knapp 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern sind froh über jeden, der rechtzeitig zum Telefonhörer greift und die Nummer 51 90 05 wählt.

Inge Roß und Ludger Bröcheler haben in der Zeit ihres Engagements für die Krisenhilfe viele dieser Menschen begleitet. „So verzweifelt sie oft am Anfang gekommen sind, im Laufe der Zeit geht es bergauf, finden sie aus ihrem Tief heraus. Das zu spüren, ist sehr schön“, berichten beide. Und: „Oft fließen in diesen Gesprächen auch Tränen. Wer Schlimmes erlebt, der muss weinen. Das ist gut. Und das hilft.“ Aber, und das ist ihnen auch wichtig, es werde auch gelacht, es gebe diese besonderen Momente, in denen die Stimmung entspannter, positiver werde.

Zum Beispiel bei der jungen Frau, die gerade ihre Mutter verloren hat und dann von ihrem Vater erfährt, dass auch er todkrank ist. Wie soll sie das schaffen? Damit fertig werden? Ihm Stütze sein und selbst nicht den Lebensmut verlieren?

WN-Spendenaktion: vier Projekte, ein Konto

► Projekte: Krisenhilfe (Beratung von Menschen in existenziellen Lebenskrisen), Organspende (Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, um Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen), Uganda (Bau eines Kindergartens), Sri Lanka (Hilfe für Kinder und Minen-Opfer).

► Auswahl: Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Sonst wird die Spende aufgeteilt.

► Konto: 8888 bei der Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ 400 501 50).

► Rückfragen: Telefon 0251 / 690 716.

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Oder die Frau, die noch in der Klinik ist, bald entlassen werden soll und Not verspürt, sich nicht zurechtzu finden. Sie hat Angst, nach dem behüteten, strukturierten Alltag in der Klinik allein zu sein in ihrer Wohnung, sich nicht mehr zurechtzu finden. Dieser Druck war riesig – Ludger  Bröcheler ist zum ersten Termin zur ihr in die Klinik gefahren und hat ihr deutlich gemacht: „Sie ist nicht allein. Die Krisenhilfe ist für sie da.“ Diese Unterstützung hat sie nach ihrer stationären Behandlung gestärkt: „Das war ein begleiteter Übergang.“ Schon die früh festgelegten Gesprächstermine über Wochen hätten ihr ein Gerüst gegeben: „Kleine Anker im Alltag.“

In all diesen Situationen – und das waren nur einige, wenige Beispiele aus dem breiten Spektrum – ist den Mitarbeitern wichtig, ehrlich zu sein. „Wir wollen nicht mit irgendeinem Trost kommen, wollen nichts schönreden. Stattdessen gemeinsam überlegen, wie es weitergehen kann.“ Eine Krise empfinde jeder ganz unterschiedlich: „Es gibt nicht die eine Krise und das eine Patentrezept dagegen.“

Ein Prinzip der Krisenhilfe sei, dass jeder alles sagen dürfe, betont Petra Karallus. So die ältere Dame, die um ihren Mann trauert. Nach 50 überaus glücklichen Ehejahren. „Ihre Kinder wollte sie nicht belasten, aber die tiefe Traurigkeit bedrückte sie selbst immer mehr. In unseren Treffen musste sie sich nicht verstellen, hier konnte sie sagen, ich möchte gar nicht mehr leben. Es gibt mir nichts mehr.“ Sie war gekommen in der Hoffnung, „jemand hält dieses Gefühl mit mir zusammen aus“. Es habe ihr geholfen, ihr Leben doch noch einmal neu anzunehmen.

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