WN-Spendenaktion unterstützt Monastir
Projekte stärken eine junge Demokratie

Münster -

Der Förderverein Münster-Monastir unterstützt drei Hilfsprojekte in der tunesischen Partnerstadt. Diese leisten einen großen Beitrag zur Stärkung der jungen Demokratie, die noch lange nicht gefestigt ist.

Donnerstag, 19.12.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 19.12.2019, 15:42 Uhr
Mitstreiter des Umweltprojekts „Notre Grand Bleu“ tragen eine Schildkröte ins Wasser. Damit das Projekt weiterlaufen kann, ist es dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Mitstreiter des Umweltprojekts „Notre Grand Bleu“ tragen eine Schildkröte ins Wasser. Damit das Projekt weiterlaufen kann, ist es dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Foto: privat

Auch vor der „Jasminrevolution“ im Jahr 2011 war Tunesien eine Demokratie – „allerdings nur auf dem Papier“, sagt Ahmed Zehahla . Er wurde in Münster geboren, wuchs in Tunesien auf und ist mit der aktuellen politischen Situation im Heimatland seiner Eltern bestens vertraut. „In den vergangenen Jahren ist sehr viel geschehen“, sagt Zehahla, der sich im Freundeskreis Münster-Monastir engagiert. Heute gebe es Meinungsfreiheit und Pressefreiheit. Jede zweite Position in gewählten Gremien müsse mit einer Frau besetzt werden. Die Wahlen seien seit 2011 wirklich frei. Parallel sei der institutionelle Rahmen für die junge Demokratie geschaffen worden.

„Wirtschaftlich geht es allerdings vielen Menschen heute schlechter“, sagt Zehahla. Die Angst wachse, dass vor allem außerhalb der eher liberalen Städte die Uhren wieder auf die Zeit vor der Jasminrevolution zurück gedreht werden könnten.

Demokratie stärken

Drei Projekte des Fördervereins, an die die Mittel aus der WN-Spendenaktion fließen werden, wollen verhindern, dass es so weit kommt – und stattdessen dazu beitragen, die Demokratie in Tunesien zu stärken.

Die Initiative „Notre Grand Bleu“ reinigt das Meer, fördert den Artenschutz – und will bei der Bevölkerung von Monastir ein Bewusstsein für den Schutz der Umwelt schaffen. Die Einrichtung „Stimme der Kinder“ betreut Säuglinge, die von ihren Müttern in den Entbindungsstationen zurückgelassen wurden – und kümmert sich um Frauen in Not. Damit trägt sie zugleich dazu bei, die Stellung der Frau in Tunesien zu stärken. Und die „Association des Beaux Arts“ bestärkt Kinder und Jugendliche, sich künstlerisch frei und ohne Grenzen mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinanderzusetzen.

Ergänzende Projekte

„Diese Projekte zu fördern, heißt gleichzeitig, die Demokratie und die freie Meinungsbildung zu unterstützen und damit die Zivilgesellschaft in Tunesien zu stärken“, sagt Thomas Kollmann vom Freundeskreis Münster-Monastir. So unterschiedlich die drei Projekte sind – „in ihrer Vielfalt ergänzen sie sich“, betont Kollmann. Vor allem Frauen sowie Kinder und Jugendliche sollen ermutigt werden, sich für die Zukunft eines demokratischen Tunesiens verantwortlich zu fühlen und ihren eigenen Lebensweg frei und selbstbestimmt zu gestalten. „Das“, sagt Kollmann, „wäre vor der Jasminrevolution nicht möglich gewesen.“

Auch wenn sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert, Islamisten an Boden gewinnen und Staaten wie die Türkei und Saudi-Arabien verstärkt Einfluss in Tunesien nehmen, ist Ahmed Zehahla guter Hoffnung, dass sich die junge Demokratie behaupten wird: „Die zivile Gesellschaft ist in Tunesien sehr wachsam.“ Die drei Hilfsprojekte tragen nach seiner Einschätzung dazu bei, diese Wachsamkeit weiter zu erhöhen.

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