Patrick Taylor hat eine Organtransplantation hinter sich
Neue Leber hat sein Leben gerettet

Münster -

Im Sommer gaben die Ärzte der Uniklinik Patrick Taylor nur noch wenige Monate. Diagnose: Leberkrebs. Vor zwei Wochen hat er ein Spenderorgan erhalten. Die rund achtstündige Operation hat der 62-Jährige gut überstanden.

Dienstag, 18.12.2012, 18:12 Uhr

Patrick Taylor hat eine Organtransplantation hinter sich : Neue Leber hat sein Leben gerettet
Hat die Transplantation gut überstanden: Patient Patrick Taylor (r.) mit Oberarzt Dr. Arnold Radtke. Foto: -kal-

Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als würde Patrick Taylor dieses Weihnachtsfest nicht mehr erleben. Im August erfuhr der 62-Jährige, dass er nicht nur unter einer Leber-Zirrhose leidet, sondern zudem unter Leber-Krebs – Folgen einer Hepatitis-C-Infektion, die er sich vor rund 20 Jahren zugezogen hatte.

In den Monaten vor der Diagnose hatte sich Taylor zunehmend abgeschlagen gefühlt, bei Touren machte der passionierte Radsportler immer früher schlapp. „Als ich zum Arzt ging und die Krebs-Diagnose bekam, war ich geschockt“, erinnert sich Taylor, der in Bielefeld als Küster in einer evangelischen Gemeinde arbeitet. Nur ein neues Organ könne ihn retten, teilten ihm die Ärzte mit. Und: „Es muss schnell gehen.“

Patrick Taylor bricht in Tränen aus, wenn er sich an die Ereignisse in diesem Sommer erinnert. Damals war er indes überraschend stark. „Wir fuhren drei Tage nach der Diagnose wie geplant in den Urlaub“, erzählt Taylor – in seine Heimat, nach London. Auch die 13, 20 und 21 Jahre alten Kinder waren dabei. Vor der Abreise weihte er sie in sein Schicksal ein. „Danach verdrängte ich für ein paar Tage alles. Es wurde der schönste Urlaub, den ich je gemacht habe.“

Unmittelbar nach seiner Rückkehr setzten ihn die Ärzte auf die Warteliste für eine Transplantation. Der lang ersehnte Anruf kam Ende November, nachts um 3.30 Uhr. „Wir haben ein Organ für sie“, teilte ihm ein Arzt der Uniklinik mit. 20 Minuten später saß er im Taxi Richtung Münster, wo kurz darauf die acht Stunden dauernde Operation begann. Am frühen Nachmittag meldeten sich die Mediziner bei Taylors Frau: „Er hat alles gut überstanden.“

„Ich bin so dankbar“, sagt der 62-Jährige. Seiner Frau, seinen Kindern, aber auch den Mitarbeitern des Uniklinikums, „die immer für mich da waren“. Inzwischen geht es ihm den Umständen entsprechend gut, Weihnachten wird er allerdings noch in der Klinik verbringen müssen. „Meine Frau und meine Kinder werden kommen“, sagt Taylor – und bricht erneut in Tränen aus. „Meine Tochter ist für ein Jahr in England. Als ich sie vor ein paar Wochen verabschiedete, dachte ich, wir sehen uns nie wieder.“ Nun wird es doch ein Wiedersehen geben.

„Patrick Taylor hat viel Glück gehabt, dass er so schnell eine neue Leber erhalten hat“, betont Oberarzt Dr. Arnold Radtke – schließlich übersteigt die Organ-Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches. Entsprechend froh ist Radtke, dass es Initiativen wie „No panic for organic“ gibt, die für die Organspende werben. Der Mediziner bezeichnet das Engagement von Dieter Kemmerling und seinen Mitstreitern als „sensationell“. Damit „No panic“ seine Arbeit fortsetzen kann, benötigt die Initiative dringend Geldspenden – von denen am Ende Menschen wie Patrick Taylor profitieren.

„Der 29. November 2012 ist mein zweiter Geburtstag“, sagt der 62-Jährige, der die Entlassung aus dem Krankenhaus herbeisehnt. Pläne für die Zeit danach hat er bereits genug. Er möchte wieder als Küster arbeiten, lange Radtouren unternehmen, mehr Zeit mit der Familie verbringen „und Dinge machen, die wirklich wichtig sind“. Der Verwirklichung dieser Pläne, betont Oberarzt Radtke, wird nun wohl nichts mehr im Wege stehen.

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