WN-Spendenaktion
Pelikanhaus: Kranke Kinder brauchen vor allem ihre Eltern

Münster -

Dass Lotte noch lebt, hat sie nicht zuletzt ihrer Mutter zu verdanken – denn die wich auf der Intensivstation des Clemenshospitals Tag und Nacht nicht von ihrer Seite. Um Angehörige wie Lottes Mutter unterbringen zu können, planen die Alexianer das Pelikanhaus.

Samstag, 21.12.2019, 13:00 Uhr
Kinder jeden Alters brauchen auf der Kinderintensivstation vor allem ihre Angehörigen, um gesund zu werden. Davon berichtet eine junge Frau, die als 14-Jährige nach einem schweren Unfall nur langsam ins Leben zurückkehrte, aus eigener Erfahrung.
Kinder jeden Alters brauchen auf der Kinderintensivstation vor allem ihre Angehörigen, um gesund zu werden. Davon berichtet eine junge Frau, die als 14-Jährige nach einem schweren Unfall nur langsam ins Leben zurückkehrte, aus eigener Erfahrung. Foto: Erik Hinz / Clemenshospital

Zwei Tage nach ihrem Unfall wurde Lotte ins Clemenshospital verlegt. Vor dem Abflug des Hubschraubers riefen die Ärzte die Familie zusammen: Man möge sich von Lotte verabschieden; niemand wisse, ob sie den Transport überlebt.

Lotte hat überlebt. Wer der 19-Jährigen heute begegnet, trifft eine selbstbewusste junge Frau bei scheinbar guter Gesundheit. Doch der Unfall wirkt nach. Als 14-Jährige war Lotte auf einer Landstraße bei strömendem Regen von einem Auto mit hoher Geschwindigkeit erfasst worden. Schweres Schädel-Hirn-Trauma, 14 Wirbelbrüche, zertrümmerte Knochen – ihre Mutter, die auf der Suche nach der Tochter am Unfallort eintraf, wurde von wohlmeinenden Rettungskräften zunächst daran gehindert, die Verletzte zu sehen.

„Mama war immer da.“

Doch die Mutter ließ sich nicht davon abhalten, bei ihrer Tochter zu sein. Weder damals noch später. Lotte weiß heute genau, was ihr geholfen hat, die Zeit des Überlebenskampfes und der Genesung zu überstehen: „Mama war immer da.“ Immer heißt, wirklich immer, sagt Lottes Mutter: „Die meiste Zeit bleibt man am Bett, egal wie.“

Auf einem Stuhl, auf einer Pritsche. Tage- und nächtelang. Das war nicht das Schlimmste. „Das Schlimmste war zu hören, dass das Kind wahrscheinlich ein Pflegefall wird – falls sie überhaupt erwacht.“ Zwei Wochen lang lag Lotte im Koma. Dann fand sie langsam wieder ins Leben zurück. Singen ging schneller als sprechen: Eine Zeile ihres Lieblingsliedes „Rolling in the Deep“ von Adele, von der Musiktherapeutin immer wieder vorgespielt, war Lottes erste Äußerung.

Ein Zuhause auf Zeit

Neun Monate lang blieb Lotte Reha-Patientin, die ersten zweieinhalb Monate in der bundesweit berühmten Kinderneurologischen Frührehabilitation am Clemenshospital. Wie selbstverständlich half ihre Mutter in der Pflege mit – bis ihre Tochter wieder laufen konnte. Nach mehreren Tagen Wartezeit war endlich ein winziges Zimmer im sogenannten Angehörigenhaus neben der Klinik freigeworden; und damit gab es erstmals die Möglichkeit, sich für ein paar Stunden Schlaf ins Bett zu legen: „Man kann ja auch einfach nicht mehr.“

Doch mit dem kargen Schlafplatz war es nicht getan. Mona­telang blieb Lottes Mutter hin- und hergerissen zwischen der Sorge um ihr schwer verletztes Kind und dem schlechten Gewissen, sich gar nicht um Lottes jüngeren Bruder kümmern zu können. Denn für ihn und ihren Mann war im Angehörigenhaus kein Platz: „Das reißt ja eine Familie auseinander.“ Deshalb unterstützen Lotte und ihre Mutter den Neubau des „Pelikanhauses“. Hier sind zwölf geräumige Zimmer für Eltern, Geschwister oder Großeltern schwer kranker Kinder und Jugendlicher vorgesehen, und ein Minimum an Komfort dazu.

Wie wichtig so ein Zuhause auf Zeit ist, weiß sicher niemand besser als Lotte, die sich neben ihrer Berufsausbildung mittlerweile ehrenamtlich um die Angehörigen verletzter Kinder kümmert. Der Kontakt zur Familie sei für den Erfolg der Behandlung entscheidend, sagt sie: „Diese Klinik wurde für mich ein zweites Zuhause, weil Mama da war. Niemand kann die Mama ersetzen.“

Vier Projekte - ein Konto

► Projekte:    Nimas    (Bildungsförderung für Kinder in Problemlagen), Tilbeck (Beratungsangebot, um technische Produkte zu finden, die Senioren eine selbstständige Lebensführung erleichtern),    Monastir    (Unterstützung für Kinder und Umwelt in Münsters tunesischer Partnerstadt),    Pelikanhaus    (Bau eines Hauses für Angehörige schwerkranker junger Patienten am Clemenshospital)

► Wer für ein bestimmtes Projekt spenden möchte, sollte das bei der Überweisung vermerken. Sonst wird die Spende gleichmäßig aufgeteilt. Eine Spendenquittung wird ab 200 Euro automatisch ausgestellt, wenn die Adresse angegeben ist.

► Namensnennung: Die WN berichten regelmäßig über die Spendenaktion. Wenn Sie mit der Nennung Ihres Namens in der Zeitung einverstanden sind, tragen Sie bitte bei der Überweisung unter Verwendungszweck „Veröffentlichung: Ja“ ein.

► Konto: Sparkasse Münsterland-Ost (BLZ: 400 501 50); IBAN: DE 43 4005 0150 0000 0088 88

► Rückfragen: Telefon 0251 / 690 917 211

► Datenschutz: Ihre personenbezogenen Daten verwenden wir, soweit keine darüber hinausgehende Einwilligung vorliegt, nur zur Abwicklung des der Erhebung zugrundeliegenden Zwecks. Nähere Informationen zu unserem Umgang mit personenbezogenen Daten erhalten Sie unter    www.wn.de/Service/Datenschutz   .

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