Flüchtlingslager Kaddupulam
Sri Lankas vergessene Kinder

Münster -

Der seit über 30 Jahren aktive münsterische „Arbeitskreis Sri Lanka“ unterstützt die Ordensschwestern „Holy Family Sisters“ und ihr Kinderzentrum seit 2002. Für 2013 soll die Hilfe für „Kaddupulam“ sogar aufgestockt werden. Vorsitzender Lutz Löher hofft deshalb sehr auf die Spendenbereitschaft der WN-Leser.

Mittwoch, 12.12.2012, 17:12 Uhr

Flüchtlingslager Kaddupulam : Sri Lankas vergessene Kinder
Die zwölfjährige Priya (im grünen Kleid) hat die Lepra überstanden und kümmert sich um ihre Geschwister. Foto: Lutz Löher

Der Bürgerkrieg war lang und schrecklich. 2009 besiegte die sri-lankische Armee die „Befreiungstiger von Tamil Eelam“, die seit 1983 für die Unabhängigkeit des Inselnordens vom Rest der Republik gekämpft hatten. Seitdem fallen keine Bomben mehr, die Angst ist vorbei. Doch die Not ist geblieben

Noch immer ist das Militär allgegenwärtig, sind die Flüchtlingslager überfüllt, können Vertriebene nicht in ihre zerstörten Dörfer zurückkehren. Die Not lässt in der tropischen Schwüle eine Krankheit gedeihen, die man längst besiegt glaubte: Lepra. Aus Angst vor Ansteckung werden etwa im Internierungslager Kaddupulam in der Jaffna-Provinz die Kranken mitsamt ihren gesunden Angehörigen in völlig unversorgte Leprosensiedlungen verbannt, wo die Verhältnisse noch schlimmer sind.

Priya lebt hier. Ihr Vater hat Lepra, ihre Großmutter hat Lepra, die Zwölfjährige und ihre drei Geschwister gelten als gesund. Bis Priya einen handtellergroßen hellen Fleck auf ihrer dunklen Haut bemerkt. Einen Piekser mit der Nähnadel spürt sie kaum. Ordensschwestern der „Holy Family Congregation“ bringen sie daraufhin zum Arzt. Der Bluttest bestätigt die Diagnose: Priya hat sich mit Lepra angesteckt.

Das aufgeweckte Mädchen hat großes Glück, dass die Schwestern in der Nähe sind. Die kümmern sich seit über zehn Jahren um die unversorgten Kinder der Leprakranken von Kaddupulam. Im kleinen Lagerhaus einer ehemaligen Fischerei-Genossenschaft kochen sie Essen für die Kinder und betreuen wenigstens die Kleinsten an Ort und Stelle. Für Priya können sie eine Antibiotika-Kombination beschaffen, mit deren Hilfe sich die Krankheit in ihrem Frühstadium vielleicht besiegen lässt.

Für Priyas Großmutter, mit der das Kind auch in der Regenzeit in einer Hütte aus Ästen und geflochtenen Palmwedeln haust, kommt diese Hilfe zu spät; ihre Hände sind schon verstümmelt, das Gesicht durch hervortretende Wangenknochen entstellt. Die „Holy Family Sisters“ bemühen sich deshalb besonders um Gesundheitserziehung. Ansteckung, das wissen die Schwestern, können sie kaum vermeiden.

Der seit über 30 Jahren aktive münsterische „Arbeitskreis Sri Lanka“ unterstützt die Ordensschwestern und ihr Kinderzentrum seit 2002. Auch im kommenden Jahr gehört „Kaddupulam“ zu den 18 Projekten, die der Verein und sein Vorsitzender Lutz Löher gezielt fördern. Vor einiger Zeit hat eine münsterische Delegation die Leprosensiedlung besucht und war erschüttert von der Armut und der Not der Leprakranken. Etwa 30 fröhliche Kinder wie Priya werden in dem Fischerhaus versorgt und betreut – dank der Spenden aus Münster wird auch ihren kranken Angehörigen geholfen. Für 2013 soll die Hilfe für Kaddupulam sogar aufgestockt werden. Lutz Löher hofft deshalb sehr auf die Spendenbereitschaft der WN-Leser.

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