WN-Spendenaktion 2017
Teilhabe statt Armut

Münster -

Manche sind schon über 80, doch einen Zoo haben sie noch nie besucht. Für die Mieter des Fördervereins für Wohnhilfen sind die Ausflüge immer etwas besonderes. Und dabei sind auch noch die Nachbarn eingeladen.

Montag, 27.11.2017, 10:00 Uhr aktualisiert: 27.11.2017, 11:54 Uhr
Das neue Tigergehege war für die Mieter und Nachbarn des Fördervereins für Wohnhilfen ein Highlight. Viele von ihnen waren noch nie in einem Zoo. Brigitte Willumeit (2.v.l.) hat zu den ehemals Wohnungslosen echte Freundschaften geschlossen.
Das neue Tigergehege war für die Mieter und Nachbarn des Fördervereins für Wohnhilfen ein Highlight. Viele von ihnen waren noch nie in einem Zoo. Brigitte Willumeit (2.v.l.) hat zu den ehemals Wohnungslosen echte Freundschaften geschlossen. Foto: anf

Viele von ihnen waren zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Zoo. Der Förderverein für Wohnhilfen hat den Besuch für die ehemals Wohnungslosen möglich gemacht. Nicht nur die Mieter aus der Dreifaltigkeitskirche, auch künftige Mieter der „York-Höfe“ und Nachbarn sind mit in den Allwetterzoo gekommen.

„Wir machen das aus vielerlei Gründen, vor allem, damit Menschen sich kennenlernen“, erklärt Bernd Mülbrecht , Vorsitzender des Fördervereins. Das Leben werde dadurch nicht nur für die ehemals Wohnungslosen, sondern auch für die Nachbarn einfacher. Und genau das ist Mülbrecht wichtig: „Wir sind von Anfang an auf die Nachbarn zugegangen. Wir haben immer eine offene Tür.“

Die nutzt auch Brigitte Willumeit . Die 66-Jährige wohnt in direkter Nachbarschaft zur Dreifaltigkeitskirche. Jeden Dienstag kommt sie vorbei und macht beim Spielenachmittag mit. „Ich schätze am meisten die Gesellschaft und die Gespräche“, erklärt die Rentnerin.

An diesem Dienstag bleiben die Brettspiele im Schrank, es ist ein Ausflug geplant. „Ein paar Mal im Jahr können wir das mit unseren Mietern und den Nachbarn machen“, erklärt Bernd Mülbrecht. Auch Brigitte Willumeit lässt sich die Chance nicht entgehen, Tiger und Elefanten zu besuchen. Normalerweise sind noch drei andere Frauen bei den Treffen dabei, doch dieses Mal ist Willumeit allein unter Männern.

„Das macht nichts“, findet die 66-Jährige und sagt: „Die Männer sind alle sehr nett.“ Die Rentnerin habe bis vor einigen Jahren keinerlei Kontakt zu Wohnungslosen gehabt: „Ich war eher scheu gegenüber Menschen, die auf der Straße leben.“ Sie gibt auch zu, eher mal einen Bogen um sie gemacht oder sogar die Straßenseite gewechselt zu haben. Doch als Nachbarin habe sie die ehemals Wohnungslosen in der Dreifaltigkeitskirche kennengelernt. Das habe ihre Ansicht komplett verändert: „Ich war ganz erstaunt, als ich die Lebensgeschichten gehört habe.“

Doch Brigitte Willumeit findet es schade, „wie viele Vorurteile es den Menschen gegenüber noch gibt“. Für die 66-Jährige sind die Männer nicht nur Nachbarn, sondern auch Freunde: „Ich bin gerne mit ihnen zusammen. Manchmal sogar lieber als mit Menschen, die von oben herab agieren und nicht mal versuchen, mit Wohnungslosen in Kontakt zu kommen.“

Auch im neu entstehenden Quartier „York-Höfe“ soll eine Gemeinschaft aus den neuen Mietern des Fördervereins und den Nachbarn entstehen, erklärt Bernd Mülbrecht: „Wir wollen viele Menschen erreichen und dazu beitragen, dass sich ein Quartier gut entwickelt.“ Ausflüge wie jetzt in den Zoo sollen in Zukunft alle Mieter gemeinsam machen. Für Mülbrecht sind solche Aktionen sehr wichtig: „Dabei geht es um Teilhabe am normalen Leben. Wenn ich teilhaben kann, ist es auch eine Reduzierung von Armut.“

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