Interview mit Experten aus Washington
„Trump würde keine Schwäche zugeben“

Washington -

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Freitag, 02.10.2020, 18:12 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 19:39 Uhr
Professor Steven Billet von der George-Washington-Universität
Professor Steven Billet von der George-Washington-Universität

Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie am Freitagmorgen von der Infektion Trumps erfuhren?

Billet: Ich bin wie viele Experten geschockt, aber nicht überrascht. Donald Trump hat so getan, als könnte er diese Pandemie kontrollieren und das Virus einfach wegzaubern. Dabei gibt es einige Bedenken bezüglich seiner Anfälligkeit wegen seiner Vorerkrankungen. Und man sollte nicht zu viel Transparenz von seinem Mitarbeiterstab erwarten. Wir müssen uns nun auf unsere demokratischen In­stitutionen und Verfassungsprozesse verlassen, um einen Weg vorwärts zu finden – eine Anforderung, die unsere politischen Anführer wahrlich herausfordert in einer Zeit von einer übergroßen Parteilichkeit und einer Wahl, die kaum mehr als einen Monat entfernt ist.

Was sind die größten Sorgen?

Billet: Ich bin sehr besorgt um die Nationale Sicherheit, weil Trump niemals eine Schwäche oder Verwundbarkeit zugeben würde. Das Trump-Lager wird genau aufpassen, was an die Öffentlichkeit dringt. Wahrscheinlich wird ein Teil seines Stabs in Quarantäne gehen. Auch das führt zu Fragen, ob die Präsidentschaft noch ordentlich funktioniert. Bislang ist ja Vizepräsident Mike Pence negativ getestet worden. Das wird nun noch ein paar Mal wiederholt werden müssen, um sicherzugehen, dass er nicht infiziert ist. Es spricht Bände, dass der Stabschef Mark Meadows bei seinem aktuellen Briefing aus dem Weißen Haus keine Maske trug und nur knappe Auskunft gab. Die Wahrheit, die Transparenz und die Ehrlichkeit sind schon zu diesem Zeitpunkt zusätzliche Opfer im Weißen Haus.

Und was wird aus dem Wahlkampf?

Billet: Es gibt drei Fragen: Wird es noch eine Präsidentendebatte geben? Wahrscheinlich wohl nicht. Und wird es ein Votum des Senats für Amy Coney Barrett noch vor der Wahl geben, wie Trump es plant? Senatsführer Mitch McConnell wird mit Sicherheit versuchen, dies durchzusetzen, um eine konservative Nachfolgerin am Surpreme Court noch rasch durchzusetzen. Langfristig ist die Frage: Werden die Republikaner versuchen, die Wahl wegen dieser Schwierigkeiten zu verzögern? Es ist gesetzlich kaum möglich, aber denkbar.

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