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Humor, so schwarz wie die Autos? Wenn Bestatter witzig werben

Seit Serien wie „Six Feet Under“ ist klar: Tod und schwarzer Humor - das kann ganz gut zusammen passen. Doch als Bestattungsinstitut mit makabren Sprüchen für seine Dienste zu werben - das muss man sich trauen. Ein Bestatter in Italien macht es vor.

Dienstag, 03.04.2018, 21:04 Uhr

Werbung: Humor, so schwarz wie die Autos? Wenn Bestatter witzig werben
Der Hauptsitz des Bestattungsunternehmens "Taffo", vor dem eine lebensgroße Papst-Statue von Johannes Paul II. steht. Foto: Alvise Armellini/dpa

Es ist eine Branche, in der es normalerweise nicht so viel zu lachen gibt. Doch das italienische Bestattungsinstitut Taffo sieht gerade darin einen Grund für humorvolle Werbung - und kein Hindernis. „Wenn Sie etwas getrunken haben, lassen Sie wen anders fahren“, schreibt das römische Unternehmen auf seine Plakate. Und darunter: „Sonst fahren wir Sie.“

Lustig? Eine angemessene Werbung für ein Bestattungsinstitut? Die Meinungen darüber gehen auseinander - insbesondere, wenn man Taffos Werbung in Deutschland vorzeigt.

Taffo hat Jahresumsatz vervierfacht

Mit ihrer ungewöhnlichen Masche hat es die Firma aus Rom in Italien zu landesweiter Bekanntheit gebracht. Sie nutzt vor allem Facebook - fast 65.000 Fans hat Taffo in dem sozialen Netzwerk. Zum Tod von Ikea-Gründer Ingvar Kamprad postete es dort etwa eine Ikea-typische Aufbauanleitung - für einen Sarg. Mit Bezug auf die typischen Produktnamen des schwedischen Möbelriesen war sie stilecht mit „TÄFFO“ betitelt.

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Dass Taffo mit seinem Marketing erfolgreich ist, lässt sich auch an den Unternehmenszahlen ablesen. Über die letzten zehn Jahre haben die Römer ihren Jahresumsatz nach eigenen Angaben auf zwischen vier und fünf Millionen Euro geschraubt - und damit vervierfacht.

Zugleich sind sie zur Nummer eins in der italienischen Hauptstadt aufgestiegen, einem stark umkämpften Markt angesichts von mehr als 500 örtlichen Bestattungsinstituten. Landesweit rangiert Taffo zwischen Rang fünf und sechs, wie Alessandro Taffo sagt, Angehöriger der vierten Generation des Familienunternehmens.

Viele Beschwerden in Deutschland

In Deutschland ist humorvolle Werbung für Bestattungen bislang kein Thema. Oliver Wirthmann , Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, hält das auch für richtig. „Der Bestatter hat eine besondere Stellung in der Gemengelage zwischen Verstorbenen und Angehörigen. Diese Stellung muss er ausfüllen“, sagt er. Niemals dürfe er die Gefühle von Angehörigen herabwürdigen. Die Grenze, ab der Menschen einen Spruch oder ein Bild geschmacklos fänden, läge bei jedem woanders - deshalb rate er ab von Versuchen, witzig zu werben.

Beim Bundesverband der Bestatter gingen stets viele Beschwerden ein, wenn ein Bestattungsinstitut in Deutschland Werbung mit Humor ausprobiere. Das werde schon immer wieder versucht - doch meistens seien es „relativ untaugliche Versuche, Aufmerksamkeit zu erhaschen“, sagt Wirthmann. Gewiss sei es in Ordnung, sich über das Sterben mal lustig zu machen - auch, „damit der Tod nicht das letzte Wort behält“. Doch zur Werbung seien Witze nicht geeignet.

Werbung scheint zu funktionieren

Als krassestes Beispiel aus den vergangenen Jahren nennt Wirthmann eine Firma, die an der U-Bahnsteigkante mit dem Spruch „Kommen Sie doch näher“ warb. Witzig oder nicht witzig? Der Bundesverband reagierte mit einer Abmahnung. Auch der Deutsche Werberat rügte das Plakat, es musste abgenommen werden.

Zurück zu Taffo in Rom: Als im vergangenen Juli bei staubtrockener Sommerhitze eine Reihe von Waldbränden Italien heimsuchte und die Rede davon war, dass einige auf Brandstiftungen zurückgingen, posteten die Römer eine eindeutige Botschaft auf Facebook: „Wenn Du Brände magst, komm zu uns - wir kremieren Dich.“

Michele B., einer der Facebook-Fans von Taffo, reagierte darauf so, wie es die Marketing-Abteilung des Unternehmens beabsichtigt haben dürfte: „Ihr habt jetzt meinen Respekt“, schrieb er als Kommentar - „und in der hoffentlich entferntesten Zukunft werdet ihr auch meinen toten Körper bekommen.“ Taffo antwortete: „Wir haben es nicht eilig, Dich zu sehen, Mike!“ Die Werbung scheint also zu funktionieren - zumindest bei der jüngeren Generation.

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