«Kommt ein Zettelchen, räumen wir»
Kurioser Fall vor Gericht: Eine Waschmaschine und die Strafe Gottes

Warendorf -

Stein des Anstoßes: eine Waschmaschine in einem Mietshaus in Warendorf. Die soll Tag und Nacht laufen und angeblich zu gewerblichen Zwecken genutzt werden. Das jedenfalls behauptet eine Mieterin, die seit 17 Jahren in einer Dreizimmer-Wohnung im Erdgeschoss wohnt und sich durch das ständige Laufgeräusch aus dem Keller arg belästigt fühlt. Die Mieterin pochte auf Einhaltung der Hausordnung. Da dies nicht geschah, griff sie zu ungewöhnlichen Methoden und bombardierte die Besitzerin der Waschmaschine mit Briefen, teils verbalen, teils beleidigenden Tenors: „Teufelskind, Geist der Habgier.“

Dienstag, 18.09.2018, 18:45 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 16:48 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 18:45 Uhr
«Kommt ein Zettelchen, räumen wir»: Kurioser Fall vor Gericht: Eine Waschmaschine und die Strafe Gottes
Foto: dpa (Symbolbild)

Ihre Mitbewohnerin titulierte sie als „Lügnerin und Betrügerin.“ Aber auch der Vermieter, in diesem Fall die Wohnungsbaugenossenschaft, blieb von den Wurfsendungen nicht verschont. Dem Vermieter wünschte die Briefeschreiberin den „polnischen Geist der Bosheit“ an den Hals und „die Strafe Gottes“. Da von Seiten des Vermieters nichts passierte, anscheinend weiter Tag und Nacht die Waschmaschine im Keller lief, vermutete die Mieterin gar „Schmiergeld“. Hinter dem Hausmeister vermutete sie einen „Spion“. Sie solle aus dem Haus „geekelt“ werden.

Mieter fühlten sich belästigt

Kurz: Der Frieden im Sechs-Familienhaus war empfindlich gestört. Die Briefe blieben nicht im Haus, landeten mittlerweile in anderen Briefkästen im Umfeld, aber auch bei Institutionen wie dem Jobcenter. Mieter fühlten sich empfindlich belästigt und traten an die Wohnungsbaugenossenschaft heran. Diese schaltete einen Anwalt ein: „Jetzt ist Feierabend. Mein Mandant fühlt sich von den Briefen drangsaliert. Der gute Ruf der Wohnungsbaugenossenschaft wird in den Dreck gezogen. Die Beklagte mischt den ganzen Block auf.“ Die Folge: fristlose Kündigung, Räumungsklage.

„Wer zuletzt lacht . . .“

Dienstag standen Briefeschreiberin und Vermieter vor dem Amtsgericht. Und auch dort unterstellte die Mieterin ihrem Vermieter, Schmiergelder zu kassieren – anders könne sie sich nicht erklären, warum die Hausordnung nicht eingehalten werde und die Waschmaschine weiter nachts laufe. Der Anwalt ermahnte seine Mandantin mehrmals, jetzt still zu sein, anderenfalls werde er sein Mandat niederlegen. Er räumte ein, dass die Frau mit den Briefen übers Ziel hinausgeschossen sei, derzeit aber keine Wurfsendungen mehr verfasse, die fristlose Kündigung auf „tönernen Füßen“ stehe.

Am Ende gab es einen Vergleich: Die Mieterin muss zum 30. Juni 2019 ausziehen, kann sich aber schon früher eine neue Wohnung suchen. Die Briefeschreiberin verpflichtet sich, der Wohnungsbaugenossenschaft bis zum Auszug keine verbalen Angriffe mehr zu schicken. „Kommt ein Zettelchen, räumen wir sofort“, so deren Anwalt. Die Mieterin nahm den Vergleich nicht kommentarlos an: „Wer zuletzt lacht . . .“

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