Kultur
Im Auftrag des großen Meisters

Dienstag, 10.07.2007, 18:07 Uhr

Münster / Ladbergen . Krzysztof Penderecki zählt ganz ohne Zweifel zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt war es die spektakuläre Lukaspassion des polnischen Komponisten, deren Uraufführung Anno 1966 im Paulusdom zu Münster ungeahnte internationale Aufmerksamkeit erregte. Mit einem Schlag trat Pendereckis Musik damals heraus aus dem kleinen Zirkel der Eingeweihten, aus dem Kreis der Spezialisten für das absolut Neue. Die Wiederaufführung der Lukaspassion im vergangenen Jahr in Münster unterstrich einmal mehr den Rang dieser klingenden Leidensgeschichte, aber auch den ihres Schöpfers.

Ulrich Grosser war federführend daran beteiligt, dass dieses Ereignis hat stattfinden können. Der in Ladbergen lebende Organist, Cembalist und Dirigent darf sich mit Fug und Recht seit Jahren als guter Freund Pendereckis fühlen – aus eben diesen freundschaftlichen Beziehungen erwuchs die Idee, ein ganzes Festival zu Ehren Pendereckis zu veranstalten, rund um die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Münster.

Pendereckis Werkverzeichnis ist enorm, keine Frage. Doch ein Mosaiksteinchen fehlt noch immer darin, eines, das dem Organisten Futter gibt. „Penderecki hat kein genuines Orgelwerk geschrieben“, bedauert Ulrich Grosser. Wobei sich daran auch nichts mehr ändern wird. Und dennoch: Wenn im Advent 2007 die neue Orgel der Kathedrale zu Olsztyn, dem früheren Allenstein, geweiht wird, gibt es Penderecki zu hören. Orgeltranskriptionen, die Ulrich Grosser im Auftrag des Komponisten und in engem Kontakt mit ihm erstellt hat. Wobei der Meister selbst die Auswahl der in Frage kommenden Originalstücke getroffen hat. Das „Miserere“ aus der Lukaspassion etwa, oder das Adagio aus der 3. Sinfonie, die Passacaglia aus der Streicherserenade. „Alles Musik, die sich sehr gut auf der Orgel darstellen lässt“, weiß Ulrich Grosser, der dankbar ist für das große Vertrauen, das Penderecki ihm entgegenbringt. Immerhin gilt es, die Vielschichtigkeit der Musik zu wahren.

Genau deshalb richtet Grosser die Orgeltranskriptionen für zwei Spieler ein. Vier Hände und vier Füße sorgen für ein Mehr an Farbe und Bewegung als nur zwei. Bei der Uraufführung in Olsztyn – die neue Orgel wird bereits vor Ort installiert – ist Andrej Chorosinski mit dabei. Er zählt zu den profiliertesten polnischen Organisten. Und damit auch jedes klangliche Detail stimmt, wird Penderecki höchstpersönlich die Vorbereitungen begleiten.

Fest steht auch, dass der Westdeutsche Rundfunk Köln eine Produktion der neuen Orgelmusik Pendereckis realisieren wird, entweder im Paderborner Dom oder in der Stadthalle Wuppertal mit ihrer großen Orgel.

Bis dahin aber heißt es für Ulrich Grosser erst einmal üben, üben, üben. Denn einfach sind die Stücke wahrlich nicht, mit der die Orgel-Lücke in Pendereckis Werkverzeichnis geschlossen wird.

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