Kultur
Modellen auf die Pelle gerückt

Donnerstag, 21.08.2008, 19:08 Uhr

Borken-Gemen. Die Haut – das ist für die Mediziner zunächst das größte Organ des menschlichen Organismus . Und für Maria-Margerita Modlmayr ? Für die Künstlerin, wohnhaft in Köln, ist Haut eine Art Landschaft, bestehend aus vielen Ebenen, die in ihren Bildern etwa in pastosem Farbauftrag Niederschlag finden. Wie bei jenem Paar in Pink, das zugleich das Schlussbild von Modlmayrs zwölfteiligem Bilderzyklus „Spiegelungen: Modelle & Malerin“ markiert. Zu sehen ist dieser zurzeit in der Galerie Depot Haus Grafenwald in Gemen bei Borken .

Die freischaffende Künstlerin, sie arbeitet unter dem Namen „M-M Modlmayr“, präsentiert ihre Bilder regelmäßig im Haus unweit der Jugendburg. Denn Modlmayr, geboren 1967 im Allgäu, wuchs, nach vierjährigem England-Aufenthalt mit ihren Eltern, in Borken auf. Seither ist das Depot in Gemen tatsächlich ihr (Bilder-)Depot. Denn es sind Modlmayrs Eltern, die seit fünf Jahren die Geschicke des Hauses lenken.

Die dort nun ausgestellte Arbeit (Öl auf Leinwand) von M-M Modlmayr entstand bereits 1999, war aber bislang nur in München zu sehen, wo die Künstlerin von 1992 bis 1999 Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste studierte. Bevor Modlmayr danach zum Studienaufenthalt nach Venedig und zum Stipendium nach Paris aufbrach, versammelte sie noch einmal einige Künstlerkollegen um sich und bat sie, Modell zu sitzen.

Wichtig war es ihr, die „Beziehung zwischen Modell und Malerin zu spiegeln“. Deshalb mussten die, die Modlmayr malte, am Ende ein Foto von der Künstlerin schießen. Nach dieser Vorlage porträtierte sie sich selbst – „mit dem Ausdruck im Gesicht, den man hat, wenn man sich zuvor vier Stunden lang mit der Person gegenüber beschäftigt hat“.

Das gemeinsame Sitzen scheint abzufärben. Denn wer die „Paarungen“ betrachtet, entdeckt Ähnlichkeiten. In den Farben sowieso, die hat Modlmayr absichtlich „angepasst“. Mal ist es die Sitzhaltung, mal sind es Lichteffekte im Haar, die korrespondieren. Dann wiederum kann der Betrachter den Gesichtsausdruck eines Modells nur erahnen; dafür ist der der Malerin umso ausgeprägter. Ein anderes Mal wählte sie verschiedene Positionen, damit „eine Drehung in der Arbeit“ deutlich wird. Kollegen, die sie besser kannte, ist sie zudem näher auf die Pelle gerückt als anderen.

Die Beschäftigung mit Gesichtern zieht sich von jeher durch die Modlmayrschen Arbeiten. Speziell mit der Haut hat sich die Künstlerin während ihres Aufenthaltes in Paris intensiv beschäftigt, indem sie historische Techniken der Darstellung studierte. Auch daraus entstand später eine sehenswerte Porträtreihe. Aktuell arbeitet sie an einem Bilder-Zyklus über „Gesichter in Bewegung“ – präsizer: in Mikrobewegung. Bis 13. Dezember; Besichtigung nach Anfrage unter 01 60 / 52 14 399.

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