Medien
Catherine Flemming: „Selbstbewusst, schnell, sexy...“

Freitag, 09.01.2009, 12:01 Uhr

Als Assistentin Marietta hatte sie in der jüngsten Folge von „Commissario Laurenti“ einen furiosen Einsatz, demnächst spielt sie wieder in einem Kölner „ Tatort “. Catherine Flemming sprach mit unserem Redaktionsmitglied Harald Suerland über spannende Figuren, liebenswerte Kollegen und süße Getränke.

Am Donnerstag wurde der fünfte Laurenti-Fernsehkrimi ausgestrahlt, nach dem bisher letzten Laurenti-Roman von Veit Heinichen . Sind weitere denkbar?

Flemming: Ja, zum Glück gibt es noch weitere Folgen. Im Februar erscheint der sechste Roman von Veit Heinichen, und im Mai beginnen die Dreharbeiten in Triest . Nach dem fünften Laurenti-Krimi bin ich etwas traurig, dass wir nur einen im Jahr verfilmen.

Ihre Figur der Marietta erinnerte bisher immer ein wenig an die Sekretärin Elettra aus den Brunetti-Krmis.

Flemming: Keine Ahnung, wovon Sie da sprechen . . . (lacht). Nein, jeder Vergleich ist dem Untergang geweiht, wie es so schön heißt. Marietta ist keine Sekretärin, sondern sie ist Laurentis Assistentin. Sie hat die Polizeischule absolviert, weiß mit Waffen umzugehen und kennt Dienst auf der Straße.

Das war ja in der jüngsten Folge wichtig.

Flemming: Für mich ist es der wichtigste Laurenti im Moment, der Angriff auf Laurenti und die dadurch entstandenen Verwundbarkeit erforderten einen hohen psychischen und physischen Einsatz und eine intensive Teamarbeit. Die Hauptfiguren wurden greifbarer und gleichzeitig komplexer.

Marietta wird gern als schnippisch beschrieben...

Flemming: Nein, sie ist nicht schnippisch ist sie nicht, sie ist frech und sie denkt schnell, sie ist selbstbewusst, sexy, vielleicht geheimnisvoll . . . Marietta liest gern Kriminalromane, und ihr Beruf ist ihre Leidenschaft, vor allem mag sie ihren Chef. Für sie ist er verschroben, chaotisch und liebenswert, er weckt ihren Kümmerinstinkt.

Sind Sie selbst auch eine Krimi-Leserin?

Flemming: Ja, die Ursprünge liegen wohl bei meiner Oma. Ihr ganzes Haus, eine einzige riesige Bibliothek. Ich bin ein haptischer Mensch, und schon als Kind liebte ich die alten Büchereinbände. Ein Fest für die Sinne. Bis heute liebe ich Jack London und vor allem Oscar Wilde.

Kannten Sie denn schon vor der Filmreihe die Romane von Veit Heinichen?

Flemming: Ich hatte mit großer Neugierde davon gehört. Mit britischen Krimis kannte ich mich besser aus, vor allem liebe ich den britischen Humor. Vielleicht hat mir mein Vater, als Schotte, diese Liebe zur englischen Literatur vererbt. Auf jeden Fall möchte ich Heinichens Romane empfehlen, es sind nicht nur gute Krimis, sondern auch eine wundervolle Entdeckungsreise, um Triest und den Karst kennenzulernen.

Drehen Sie die Reihe ausschließlich oder vorwiegend in Triest?

Flemming: Wir drehen immer an Originalschauplätzen, in großartigen Bauten wie zum Beispiel der Questura...

Wie viel touristischer Freiraum bleibt denn bei den Dreharbeiten?

Flemming: Ich lustwandele in Drehpausen zuweilen durch die Stadt. An drehfreien Tagen habe ich mir diesmal ein Fahrrad genommen und bin über den Karst und an der Küste entlang bis nach Slowenien geradelt. Mittlerweile fahre ich auch zuhause nur noch mit dem Rad durch Berlin – damit bin ich meistens schneller als die Blechlawinen.

Wie ist es, neben einem „Theatertier“ wie Henry Hübchen zu spielen: Anstrengend?

Flemming: Er ist mir ein lieber Freund seit vielen Jahren, und es ist ein Geschenk, mit einem solchen Kollegen zu arbeiten. Ich muss gestehen, sobald mir ein Mensch als schwierig und anstrengend, vielleicht auch noch kompliziert angekündigt wird, freu ich mich wie ein Schneekuchenpferdchen (der Begriff stammt von meiner Oma), diesen Menschen so schnell wie möglich kennenzulernen! All diese Aussagen bedeuten für mich: Dieser Mensch ist eine Entdeckungsreise, aufregend, vielschichtig und keinesfalls aalglatt oder gar langweilig.

Was war das Besondere an diesen Dreharbeiten?

Flemming: Das gesamte Team: eine angenehme und inspirierende Ansammlung von Menschlein . . . Eine große Freude war es mir, mit Ann-Kathrin Kramer zu spielen. Wenn man gemeinsam eine richtige Spielfreude hat ist es Rock‘n‘Roll. Auch ja, und dann Rolf Hoppe! Schon als Kind habe ich ihn bewundert und jedes Weihnachtsfest „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, eines meiner Lieblingsmärchen, zwei- bis dreimal hintereinander angesehen. Außerdem mag Rolf, genau wie ich, einen doppelten Espresso. Und diesmal habe ich ihn verführt, ihn mit Honig zu süßen, das ist besser fürs Aroma. Habe ich von den Griechen gelernt.

Gibt es bei einer solchen Filmreihe ein familiäres Zusammenwachsen des Ensembles, etwa mit den anderen Reihen-Hauptdarstellern Henry Hübchen, Barbara Rudnik oder Florian Panzer?

Flemming: Unbedingt, man nähert sich einander an und findet Vertrauen, auch über private Dinge zu sprechen. Das gesamte Team hat sich dafür eingesetzt, dass Barbara im Team bleibt, das gibt ihr Kraft und Zuversicht – eine beeindruckende Frau. In Florians sechsjährigen Sohn habe ich mich beim ersten Kennenlernen verliebt. Und mit Henry verbindet mich unter anderem die Segelleidenschaft.

Sie haben über Ann-Kathrin Kramer gesprochen; mit deren Mann Harald Krassnitzer haben Sie mal etwas Kurioses gedreht, nämlich „Das Blut der Templer“...

Flemming: Kurios ist gut. Es war ein Wahnsinns-Casting: Nach Stunden heftigen Schreiens, Heulens und Schwertkämpfens haben wir vor Erschöpfung nur noch gelacht. Keiner der Schauspieler war sich im Klaren, wie diese Geschichte wohl aussehen wird, aber welch ein Geschenk, einen Beruf zu haben, in dem man sich seinem Spieltrieb hingeben kann. Es gab Schwerter, Rüstungen und Ritter . . . Am Ende wurde es ziemlich blutig, aber es war eine gute schauspielerische Tour de Force, und ich konnte in meiner Rolle mehr Farben zeigen als in manch anderen Filmen. Erst kürzlich habe ich Freunde meines Neffen getroffen, der 23 ist: Die fanden diesen Zweiteiler „ziemlich cool“.

Können Sie mit dem bekannten schwärmerischen Lob, Sie seien „die deutsche Michelle Pfeiffer“ etwas anfangen?

Flemming: In erster Linie ist das ein großartiges Kompliment, weil Michelle Pfeiffer nicht nur eine schöne Frau, sondern eine beeindruckende Schauspielerin ist. Aber ich glaube, das gibt es nur in Deutschland, dass man von Schauspielern immer sagt, sie seien wie diese oder jener. Offenbar fehlen uns immer noch der Glamour und das Selbstbewusstsein, jeden so zu nehmen, wie er ist. In Los Angeles kämme ja auch keiner auf die Idee, zu Bruce Willis zu sagen: Mensch, Sie sehen ja aus wie Heino Ferch.

Auf Ihrer raffiniert gestalteten Internet-Seite erfährt man unter anderem von ihrer Ausbildung beim Actors Studio von Lee Strasberg und Stella Adler. Was lernt man in New York, was man nicht in Berlin oder München lernen kann?

Flemming: Erstmal danke fürs Kompliment. Dann darf ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin meines Erachtens eine der besten in Europa ist.Meine Entscheidung, nach New York zu gehen, entspringt einem Schritt, den ich Anfang 1988 vollzogen habe. Ich habe 1988 die DDR nicht offiziell verlassen, und in meiner damaligen Verfolgungspanik wollte ich weiter weg von Deutschland kommen und habe mich an meine russischen Ballett-Freunde in New York gewandt. Ich bin zum Vorsprechen und hatte Glück.

Vom Theater steht gar nichts auf Ihrer Internet-Seite – spielt das keine so große Rolle für Sie?

Flemming: Um Gottes willen, was wäre die Welt ohne Theater! Leider habe ich in den letzten Jahren weniger Theater gespielt. Bis 1994 war ich fünf Jahre lang mit der Shakespeare-Company on the Road. Zuletzt habe ich 1999 im Off-Theater in Miami gespielt, unter der Regie von David Schweitzer. Mit ihm arbeite ich an einem neuen Stück. Und es gibt auch die Idee, ein Stück in englisches Sprache in Berlin aufzuführen. Im Moment habe ich mich der schreibenden Zunft zugewandt und arbeite mit Autoren an eigenen Projekten. Wenn ich mir eine Empfehlung erlauben darf: sich unbedingt bis März in der Volksbühne in Berlin „Die Möwe“ anschauen. Herausragend!

Bei früheren Krimi-Einsätzen, etwa in einem Berliner Tatort, war nie ganz klar, ob Sie auf der Opfer- oder vielleicht doch auf der Täter-Seite stehen...

Flemming: Ja, genau, im Dezember habe ich den Kölner „Tatort: Platt gemacht“ abgedreht und kann es kaum erwarten, dass er endlich ausgestrahlt wird. Bisher konnte ich in allen „Tatorten“, in denen ich gespielt habe, diese Farbenvielfalt zeigen. Täter und Opfer in einer Rolle zu vereinen ist ein wunderbares Ballett für mich und ungeheuer spannend.

Was die Marietta bei „Commissario Laurenti“ nicht so zu bieten hat, oder?

Flemming: Oh doch. Im fünften Fall gibt es einen Alleingang, da ist Marietta schon ein wenig auf der anderen Seite. Natürlich wäre ich glücklich, all diese Farben in Mariettas Figur beizubehalten. Ich liebe diese Frau!

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