Kultur Nachrichten
Bei Mozart ruht der Maestro in sich

Sonntag, 14.06.2009, 18:06 Uhr

Senden - Justus Frantz am Samstagabend auf dem Gut Kappel in Senden - das versprach ein besonderes musikalisches Erlebnis beim zweiten Konzert der Reihe „ Musiklandschaft Westfalen “. Nach dem großartigen Eröffnungskonzert mit Krzysztof Penderecki und dem „Nationalen polnischen Radio-Sinfonieorchester Kattowice“ im St. Paulus-Dom zu Münster war dieses Konzert das erste im Konzertsaal „Landschaft“.

Frantz, dessen Reputation als renommierter Pianist für stetige Debatten sorgt, hat an diesem Abend sicherlich die Sympathien der vielen Zuhörer gewonnen. Mit dem Sofia Festival Orchester, es war ihm ein überaus kompetenter Partner, eröffnete er mit der Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy einen eindrucksvollen Abend. Das bulgarische Orchester spielte dieses Werk mit Akribie und viel Gefühl für dynamische Nuancen, zeigte wie bei der Sinfonie Nr. 2 von Ludwig van Beethoven eine lebendige und mitreißende Interpretation.

Aber vermutlich war das Klavierkonzert d-Moll KV 466 von Wolfgang Amadeus Mozart der eigentliche Grund, weswegen so viele Musikinteressierte den Weg nach Senden gefunden hatten. Justus Frantz spielte dieses für ihn zum Standardrepertoire gehörende Werk mit der ganzen Bravour eines Maestros der Tasten. Man hätte ihm allerdings in diesem außerordentlichen Ambiente eines Reiterguts einen besser gestimmten Konzertflügel gewünscht.

Aber der Mann, der schon über den Wolken in einem Flugzeug klassische Musik populär gemacht hat, zeigte sich als wahrer Künstler. Er dirigierte nicht vom Flügel aus, sondern konzentrierte sich ganz auf dieses außerordentlich dramatische Werk. Man erlebte einen Pianisten, der ein in vielen Konzerten gespieltes Stück trotzdem mit Frische und dramaturgischem Esprit interpretierte, dessen technische Virtuosität einem in sich geschlossenen persönlichen Mozart-Bild entsprach. Mag es Pianisten geben, die dieses Klavierkonzert anders sehen und spielen: Es war die sympathische Ausstrahlung von Justus Frantz, die an diesem Abend einfach jeden für ihn einnahm.

Hautnah erlebbar war die Verehrung für einen Mann, der zu denen zählt, die klassische Musik populär gemacht haben. Am Ende fragte er das Publikum, ob als Zugabe lieber Mozart oder Chopin gewünscht wäre. Mit einer sehr lyrischen und klangbetonten Wiedergabe des Fantasie-Impromptus bedankte sich Frantz für die stehend dargebrachten Ovationen.

Das Publikum hat er an diesem Abend bestens unterhalten.

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