Kultur Nachrichten
So schön klingt nur Hollywood

Freitag, 24.07.2009, 14:07 Uhr

Raesfeld - Das Ährengold ist längst in der Scheune, zurück bleiben die Stoppeln. Doch auf Feldern, Wiesen und Auen rund um Schloss Raesfeld herrscht jetzt Betriebsamkeit. Hier treffen sich klassische Musik, eine noble Kulisse und lecker Essen - das Ganze als Teil des Festivals „Musiklandschaft Westfalen“, das mit Krzysztof Pendereckis Auftritt im Dom zu Münster begann.

Nicht weniger prominent die aktuellen Gäste auf dem Acker: Das Royal Philharmonic Orchestra London gab sich und dem Publikum die Ehre. Immerhin, die „Royals“ sind schon europäisches Spitzenniveau - und ließen daran auch keinen Zweifel. Gewaltig orgelndes Blech in den „Star Wars“-Tönen, Geigenschluchzen vom Feinsten in „Dr. Schiwago“. Durch die riesigen, von der Klangregie optimal geregelten Lautsprecherboxen geschickt, wirkte das ziemlich perfekt.

Nichts als Filmmusik gab es an diesem Abend vor mehr als 2000 Zuhörern: „A night at the oscars“. Und mittendrin Dominique Horwitz als kundiger, geschliffen formulierender Conférencier. Kurz, bündig und pfiffig fielen die Kommentare des beliebten Schauspielers aus. Genau so muss es sein. Denn im Zentrum stand ganz klar die Musik, bei der Maestro Carl Davis am Pult auch schon mal kräftig die Tränendrüsen des Publikums aktivierte. Mit der Musik zur „Love Story“ zum Beispiel. Oder den honigsüßen Melodien aus „Brokeback Mountain“. In seinem mattgüldenen Mantel manövrierte Davis das orchestrale Luxusschiff auch durchs gefährliche Eismeer, als die „Titanic Suite“ an der Reihe war. Und wieder eine völlig andere Klangwelt tat sich auf in Tan Duns China-Impressionen aus „Tiger & Dragon“, während einen Steinwurf weiter die Reibekuchen für die Pause hörbar ins Fett eintauchten.

Open Air-Konzerte gehen nicht ohne Gaumenfreuden. Das Festival in Raesfeld macht es in dieser Hinsicht genau richtig, bietet keinen Schnickschnack, sondern Bodenständiges direkt aus der Region. Ein Likörchen, selbst gemacht, einen „Westfalenburger“ - oder halt ein würziges Mettendchen. Das kommt an, vor allem weil auch die Preise völlig in Ordnung sind. Da ist eine lange Konzertpause sehr willkommen.

Aber irgendwann gaben die Londoner Trompeten das Signal zum zweiten Teil. Der Himmel war inzwischen dunkel, die Bühne strahlend hell - momenthaft aber auch giftgrün für Nino Rotas „Der Pate“. Später erkundeten Davis und sein Orchester „Jenseits von Africa“ die Weiten des Kontinents, gaben den „Clou“ zum Besten und landeten zielsicher - in London: „My Fair Lady“. Alle schönen Frederik Loewe-Evergreens erwachten zum Leben. Einfach toll gespielt, und nirgends einfach nur mal so heruntergespielt. Das hatte Stil.

Bis einschließlich Sonntag wird in und um Schloss Raesfeld Musik gemacht.

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