Jürgen P. Wallmann im Gespräch
Literarischer Kosmos

Der Titel des handlichen Büchleins aus dem Neuen Literaturkontor führt vielleicht etwas in die Irre. Denn Jürgen P. Wallmann, langjähriger Mitarbeiter unserer Zeitung und einer der führenden Literaturkritiker in Deutschland...

Montag, 10.08.2009, 18:08 Uhr

Der Titel des handlichen Büchleins aus dem Neuen Literaturkontor führt vielleicht etwas in die Irre. Denn Jürgen P. Wallmann , langjähriger Mitarbeiter unserer Zeitung und einer der führenden Literaturkritiker in Deutschland , ist hier nicht Gegenstand des Gesprächs. Er bringt nach guter alter Journalistentradition vielmehr andere ins Gespräch, jene Menschen, über die er in über vier Jahrzehnten geschrieben und berichtet hat. Das sind Schriftsteller, Publizisten und Lyriker, deren Werk mitunter sperrig erscheint und nicht selten nur einem kleineren Kreis dafür aber um so intensiver lesender Kulturfreunde wichtig ist. Spannend sind diese ausführlichen Interviews vor allem deshalb, weil sie etwas über die Befindlichkeit und Empfindsamkeit von Autoren aussagen, die sich vielleicht sonst hinter ihren Zeilen verstecken. Wenn Jürgen P. Wallmann etwa Harald Hartung auf den im Literaturbetrieb kursierenden Satz „Wer nicht unter Literaten gelebt hat, weiß nicht, was Hass ist!“ anspricht, dann sprühen Funken im Gespräch. Dann ist von den Egoismen mancher Schreiber, von Neid und Missgunst die Rede, von eigenen und fremden Stärken und Schwächen. Aber auch von Reiner Kunzes weisem Spruch, dass im Grunde keiner das Buch des anderen schreiben könne, weil eben jeder Autor und jeder Dichter über einen anderen Lebens- und Erfahrungshorizont verfüge.

Die ausführlichen Gespräche, meist im Westdeutschen Rundfunk gesendet, umfassen über 35 Jahre, reichen von der großen Weltliteratur bei Heinrich Böll bis hin zu regionalliterarischen Meisterwerken wie etwa bei dem Ostwestfalen Norbert Johannimloh, der über seine „Lust zu fabulieren“ und den eigenen westfälischen Lebenskreis berichtet. Der Schreib- und Fabulierkosmos der Befragten reicht vom „Kampfplatz Familie“ wie bei Burkhard Spinnen aus Münster bis hin zum „Kunstwerk als Beitrag zu einer menschenwürdigen Welt“ (Reiner Kunze).

» Jürgen P. Wallmann im Gespräch. Mit einem Vorwort von Harald Hartung. Neues Literaturkontor Bielefeld, 160 Seiten, 12.80 Euro.

Johannes Loy

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