Kultur Nachrichten
Ein „buddhistisches Christentum?“

Dienstag, 29.09.2009, 17:09 Uhr

Münster - Die großen Weltreligionen sind sich nach Einschätzung des Religionswissenschaftlers und Theologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel noch nie so nahe gekommen wie heute. Das Ergebnis sei Konfrontation, aber auch eine gegenseitige Durchdringung der Traditionen, schreibt der Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität in seinem neuen Buch „Transformation by Integration“.

Auf der einen Seite besäßen Religionen ein Konfliktpotenzial, bei dem sie sich wechselseitig als Bedrohung wahrnähmen. Auf der anderen Seite gebe es einen Prozess der gegenseitigen Durchdringung. „Begegnung und Dialog fördern ein besseres Verstehen.“

Immer mehr Menschen übernähmen Einsichten und Praktiken aus anderen Religionen für ihr eigenes Leben und bildeten „multireligiöse Identitäten“ aus, so Schmidt-Leukel. In seinem Buch konzentriert er sich auf die theologischen Probleme, die mit dieser Entwicklung verbunden sind. „Es macht wenig Sinn vor Synkretismus, also der Vermischung von Religionen, zu warnen“, unterstreicht der Wissenschaftler. „Solche Prozesse ereignen sich zurzeit in großem Stil. Hier bedarf es einer theologischen Neubewertung.“

Als Beispiel führt der Autor zentrale Fragen des christlich-buddhistischen Verhältnisses an. „Es gibt inzwischen sogar namhafte Theologen, die von sich beanspruchen, zugleich Christen und Buddhisten zu sein.“ Die Zukunft der Theologie und die Alternative zur religiösen Konfrontation liegt für Schmidt-Leukel darin, dass Religionen einander als Quellen echter Einsicht schätzen lernen. „Ihre Identität wird sich dabei wesentlich verändern.“

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