Medien
Die Qual mit dem Kostüm

Dienstag, 15.12.2009, 16:12 Uhr

Ihr Markenzeichen sind die roten Haare, die sie als Kind nicht mochte, weil sie deswegen gehänselt wurde. In der Erfolgsserie „Girl friends“, in der Fanny Stavjanik von 2001 bis 2005 die Hotelmanagerin Iris Sandberg spielte, war sie sogar mal blond. In der „Sisi“-Neuverfilmung von Regisseur Xaver Schwarzenberger für das ZDF spielt sie nun die Gräfin Esterhazy. Über die Dreharbeiten zum elf Millionen Euro teuren Film sprach sie mit unserem Redaktionsmitglied Petra Noppeney.

Seit wann nennen Sie sich Fanny, Frau Stavjanik?

Fanny Stavjanik: Fanny ist die Abkürzung von Franziska. Irgendwann hat das jemand aus Versehen beim Vertragaufsetzen geschrieben. Plötzlich hieß ich Fanny, und ich habe nicht mehr dran gerührt.

Ketzerisch gefragt: Wozu braucht die Welt eine neue „Sisi“-Verfilmung?

Stavjanik: Nach 50 Jahren halte ich es für berechtigt, eine Neuverfilmung in Angriff zu nehmen. „Sisi“ ist ein Mythos, den man heute anders sieht. Es gibt inzwischen viele Biografien, die ihrem politischen Wirken größere Aufmerksamkeit schenken. Außerdem war sie die Frau an der Seite eines Herrschers, die aus einem liberalen Elternhaus stammte und sich mit den rigiden höfischen Regeln nicht abfinden wollte. All das ist spannend.

... und beschert Ihnen in der Rolle der Gräfin Esterhazy einige Probleme...

Stavjanik: Weil die Esterhazy die Aufgabe hat, Sisi in die Schranken zu weisen und sie zu bespitzeln. Da sie Ungarin ist, fühlt sie sich aber selbst unterdrückt. Am Hof durfte kein Ungarisch gesprochen werden. Durch das liberale Denken von Sisi wird auch der rebellische Geist der Esterhazy geweckt. Am Ende wird sie deshalb von Erzherzogin Sophie gefeuert.

... was im Film die streng dreinblickende Martina Gedeck übernimmt. Wie war die Zusammenarbeit?

Stavjanik: Sehr schön. Es ist immer eine Freude, wenn man gute Filmpartner hat.

Stimmt es, dass Sisi-Darstellerin Cristiana Capotondi die Texte auf Italienisch gesprochen hat, während alle anderen Deutsch gesprochen haben?

Stavjanik: So stand es schon im Drehbuch. Geschrieben liest sich das Italienische natürlich noch anders, als es gesprochen klingt.

Das steht schon so im Drehbuch drin?

Stavjanik: Ja, ich muss im Dialog mit ihr ja wissen, was mein Stichwort ist.

Haben Sie Ihre junge Kollegin für ihren Mut bewundert, die Sisi zu spielen?

Stavjanik: Ja, ich habe vor allem ihre Leistung bewundert und keine Sekunde an Romy Schneider gedacht.

Sie tragen in dem Film wunderschöne Kostüme . Wie lang dauerte es, bis sie in diesen Kleidern steckten?

Stavjanik: Bei mir ging es schneller als bei den Kolleginnen mit den kaiserlichen Gewändern. Es hat ungefähr 20 Minuten gedauert, dann war ich drin.

Die Kleider wurden alle für den Film gemacht?

Stavjanik: Die meisten wurden aus Mailand und Rom angeliefert, andere speziell für den Film angefertigt. Es war ständig ein Riesenstab von Näherinnen am Set, um die Kleider anzupassen. Das kann ich verraten: Es ist keine Freude, sie zu tragen. Nach dem ersten Drehtag weiß man, dass es eine Qual werden wird.

Dennoch soll Sie dieser Kostümfilm auf die Idee gebracht haben, ein eigenes Filmprojekt zu realisieren.

Stavjanik: (lacht) Das stimmt. Mein Großonkel ist 1924, im Alter von 17, gemeinsam mit einem jungen indischen Journalisten um die Welt geradelt, inklusive Sahara-Durchquerung. Die Reise ist durch Artikel von damals, ein Buch mit Autogrammen prominenter Zeitgenossen und Aufzeichnungen meines Vaters gut dokumentiert. Ich bin nun dabei, daraus einen Film zu machen.

Sie sind auch gereist - von Wien in Ihre Wahl-Heimat Berlin.

Stavjanik: In Wien habe ich lange Theater gespielt, dann wurde es mir dort zu eng. Berlin lag auf der Hand, weil ich dort die meisten Freunde hatte. Inzwischen bin ich hier mit Familie sesshaft geworden.

Werden Sie eigentlich noch auf die „Girl friends“ angesprochen?

Stavjanik: Sehr oft werde ich gefragt, ob die ZDF-Serie bald wiederkommt. Auch für mich ist das eine schöne Erinnerung. Es war eine tolle Zeit damals mit super Crew und guten Drehbüchern. Ich denke manchmal: Wenn wir Darsteller von damals irgendwann alt und grau sind, sollten wir die Serie als „Golden Girls“ wieder aufleben lassen.

» „Sisi“: Teil 1 morgen, Teil 2 am Sonntag, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/310174?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F594054%2F594173%2F
Drogenring im Münsterland zerschlagen - 145 Kilogramm Marihuana sichergestellt
Kriminalität: Drogenring im Münsterland zerschlagen - 145 Kilogramm Marihuana sichergestellt
Nachrichten-Ticker