Biografie über Albert Schweitzer
Ein Mann als Mythos

Dienstag, 18.05.2010, 18:05 Uhr

Bis in die 1960er Jahre war Albert Schweitzer eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Welt, der große Wohltäter, ein Mythos geradezu, verehrt als Vorbild, kritisiert als Rassist oder Selbstdarsteller: Wer war Albert Schweitzer, der 1965 in Lambarene im Alter von 90 Jahren starb? Die neue Biografie von Nils Ole Oermann ist spannend zu lesen, nicht unkritisch, und setzt sich intensiv mit seinen theologischen und philosophischen Schriften auseinander.

Zunächst mal war Albert Schweitzer ein „work­aholic“. Was er geschafft hat, hätte für drei Leben gereicht. Dreimal promoviert in Philosophie, Theologie und Medizin, drei komplette Studien, neben Theologie und Medizin auch Orgel. Er wurde einer der berühmtesten Orgelspieler seinerzeit, schrieb eine ganzheitliche Bachbiografie. Dabei war er als Theologe so liberal, dass er sich damit selbst eine Hochschulkarriere verstellte. Aber er war gefragt als Redner.

Dieser Intellektuelle entschließt sich 1913, Missionsarzt in Afrika zu werden, in dem durch ihn weltberühmt gewordenen Lambarene, wo er mit eigenen Mitteln und Spenden das „Urwaldhospital“ aufbaut, es war sein Anspruch, die Einheit von Ethik und Wirklichkeit wieder herzustellen. Das ist sein nicht zu schmälerndes Verdienst, für das er 1953 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Später engagierte er sich in der Friedensbewegung und in der Anti-Atom-Kampagne - na gut, aber er ließ sich auch für die DDR-Propaganda vereinnahmen. Blauäugig? Diese majestätische Persönlichkeit mit den kleinen menschlichen Schwächen ist auch heute noch geeignet, die Meinungen und Geister zu spalten.

» Nils Ole Oermann: Albert Schweitzer. 1875 - 1965. Eine Biographie. 367 Seiten, etliche Abbildungen. Verlag C.H. Beck, München: 24,90 Euro.

Erhard Obermeyer

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