Kultur Nachrichten
Abschied vom „blonden Hans“

Freitag, 23.07.2010, 16:07 Uhr

Münster - Es war Ende der fünfziger Jahre still geworden um den großen Hans Albers . Kaum mehr Filmangebote , hin und wieder einen Bühnenrolle. Der in Münster 1957 uraufgeführte „Tolle Bomberg“: ein reichlich müder, klamottiger Aufguss seines berühmten „Münchhausen“-Films zum 25-jährigen Ufa-Jubiläum 1943. Und „Das Herz von St. Pauli“ aus dem gleichen Jahr reüssierte bestenfalls in Hamburgs Lichtspielhäusern. Kein Vergleich mit Albers´ berühmtem Film „Große Freiheit Nr. 7“, für den er 1943 die atemberaubende Gage von 460 000 Reichsmark erhielt.

Hans Albers hätte gerne den Flieger Harras (Ernst Udet) in „Des Teufels General“ gespielt. Doch Regisseur Helmut Käutner gab die Rolle nicht dem mit Alkoholproblemen kämpfenden alternden „Blonden Hans“, sondern dem 39-jährigen Jungstar Curd Jürgens. Zuletzt berichteten die deutschen Zeitungen, der Schauspieler und Sänger wolle sich in seiner Villa mit 27 000-Quadratmeter-Grundstück in Garatshausen am Starnberger See gründlich von einer schweren Grippe erholen.

Dann die völlig unerwartete Meldung: „Hans Albers ist tot“. Deutschlands populärster Mime der dreißiger und vierziger Jahre starb vor 50 Jahren, am 24. Juli 1960, in einem Sanatorium ganz in der Nähe seines Domizils an schweren inneren Blutungen. Fraglos die Folge seines jahrzehntelangen exzessiven Trinkens: Er habe in seinem Leben soviel Alkohol getrunken, sagte er einmal selbstironisch, dass „ein Panzerkreuzer auf diesem See schwimmen könnte“.

Hans Albers kam 1891 als Sohn eines wohlhabenden Fleischermeister in Hamburg-St. Georg zur Welt. Heimlich zugestecktes Geld seiner Mutter für Schauspielunterricht ermöglichte ihm die spätere Bühnen- und Filmkarriere. Zwischen 1917 und 1929 wirkte er in über hundert Stummfilmen mit, zumeist als Hochstapler, Verführer und Lebemann. Der Tonfilm brachte den großen Durchbruch: 1930 spielte Albers an der Seite von Marlene Dietrich und Emil Jannings im legendären „Blauen Engel“. Sein Rollenfach war immer das des Draufgängers („Hoppla, jetzt komm ich“). Fast alle seine Filmlieder wurde zu Evergreens: Von „Flieger, grüß mir die Sonne“ über „Good-bye Johnny“ bis zu „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Albers avancierte zu Deutschlands bekanntestem und bestbezahltem Schauspieler. Filme wie „Bomben auf Monte Carlo“, „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ und „FP 1 antwortet nicht“ füllten deutschlandweit die Kinos.

Wenn der Publikumsliebling in Babelsberg vor der Kamera stand, logierte er im Berliner „Adlon“. Als ihm einmal die Hitler-Regierung zumuten wollte, seine Suite zugunsten des bulgarischen Königs Boris III. zu räumen, ließ er Goebbels mitteilen, er denke nicht daran: „Ich bin selber ein König.“ Albers mochte die „braune Suppe“ nicht und mied Empfänge der Nazigrößen - ganz anders als der „Kollege von der Sommerbühne“, wie er Heinz Rühmann zu nennen pflegte. Er ging demonstrativ auf Distanz. Seine Popularität schützte Albers vor Repressalien. Seine Lebensgefährtin Hansi Burg war „Halbjüdin“, emigrierte 1938 und kehrte gleich 1945 zu ihm zurück.

Nach dem Krieg fiel es Hans Albers, dem lebenslangen Toupet-Träger, zunehmend schwer, seine Karriere im alten Stil fortzusetzen. Seine Alkoholabhängigkeit wurde immer mehr zum Problem, der körperliche Verfall unübersehbar. Für den Hamburger war klar, dass er nach seinem Tod nicht etwa auf dem Dorffriedhof von Tutzing, sondern auf dem Ohlsdorfer Friedhof beerdigt werden wollte. Über 10 000 Menschen strömten am 29. Juli 1960 dorthin, um Abschied von ihrem Idol zu nehmen. Regisseur Käutner rief dem Seemann Hannes Kröger aus der „Großen Freiheit“ die Schlussworte zu: „Tschüss, min Jung. Good bye Johnny! Moi Wedder end gode Fahrt“. Dann erklang noch einmal „La Paloma“.

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