Medien
Zehn Jahre „Big Brother“: In der Nische etabliert

Berlin - Jürgen, Zlatko und Alida: Deutlich mehr als 250 Kandidaten haben im vergangenen Jahrzehnt den deutschen „Big Brother“-Container bewohnt, doch nur wenige sind Fans und Fernsehzuschauern im Gedächtnis geblieben. Dazu gehören sicherlich die beiden guten Freunde Zlatko Trpkovski und Jürgen Milski, die in Staffel eins Party machten, ebenso Staffel-zwei-Siegerin Alida Kurras...

Dienstag, 10.08.2010, 07:08 Uhr

Berlin - Jürgen , Zlatko und Alida : Deutlich mehr als 250 Kandidaten haben im vergangenen Jahrzehnt den deutschen „Big Brother“-Container bewohnt, doch nur wenige sind Fans und Fernsehzuschauern im Gedächtnis geblieben. Dazu gehören sicherlich die beiden guten Freunde Zlatko Trpkovski und Jürgen Milski, die in Staffel eins Party machten, ebenso Staffel-zwei-Siegerin Alida Kurras, die heute noch als Fernsehmoderatorin bei Sendern der dritten Reihe präsent ist.

Alle anderen Gewinner und Teilnehmer sind weitgehend vergessen - so dürfte es auch dem Sieger der zehnten Staffel ergehen, der am Montag (9.8.) ab 21.15 Uhr gekürt wird.

Zum Start im März 2000 war „Big Brother“ ein Massenphänomen: Auch wer nicht zuschaute, redete darüber. Es hagelte Proteste und Forderungen, ein solcher Menschen-Zoo müsse verboten werden. Die Boulevardmedien begleiteten jede Sinnesregung der Bewohner, Kuscheleien und Streit wurden genüsslich ausgeweidet, der Voyeurismus via TV erklomm neue Höhen. Doch am Ende war alles undramatischer als befürchtet. Schnell setzte sich die Erkenntnis durch: Der Alltag der Containerbewohner ist mindestens genauso langweilig wie der eigene.

Mittlerweile ist „Big Brother“ Nischenfernsehen - für einen Sender wie RTL II allerdings eine komfortable Nische mit einer festen „BB“- Fangemeinde. 1,18 Millionen Zuschauer schauten im Schnitt zu, der Marktanteil betrug 4,8 Prozent - die beste Staffel seit fünf Jahren. Bei den Zuschauern von 14 bis 49 Jahren, die für die Werbung besonders interessant sind, waren es 8,6 Prozent - ein überdurchschnittlicher Wert.

Dafür wurden Skandälchen und Kuriosa öffentlichkeitswirksam gestreut - mal mehr, mal weniger gezielt. Gleich am ersten Tag der Jubiläumsstaffel im Januar stieg Kandidat Horst aus, weil auch ein schwules, HIV-infiziertes Paar mit im Haus wohnte. Dann schockierte das Kölner Finanzgericht mit der Entscheidung, dass die hart erarbeiteten Gewinne aus der „Big Brother“-Show versteuert werden müssen. Die Medienwächter wiederum bescheinigten einer Folge, sie sei jugendgefährdend, weil sie zwei Frauen unter der Dusche zeigte und die Kamera „ausschließlich auf deren Brüste“ gerichtet gewesen sei.

Kurz vor Beginn der Fußball-WM im Juni verstieß RTL II gegen die eigene Jugendfixiertheit und ließ mit der 65-jährigen Anne die bislang älteste „Big Brother“-Kandidatin in das kameraüberwachte Haus in Köln-Ossendorf einziehen. Und schließlich warf der Sender den Kandidaten René hochkant aus der Show - Grund: mangelndes Taktgefühl.

Zum Abschluss gibt es am Montag nochmal eine Tageszusammenfassung des Geschehens im Container - so wie jeden Tag zuvor, allerdings erst um 20.15 Uhr und nicht wie üblich um 19.00 Uhr. Ab 21.15 Uhr feiern sich RTL II, die Produktionsfirma Endemol sowie die „BB“-Gemeinde selbst: Zur dreistündigen Finalshow werden rund ums Haus 5000 Fans erwartet, es gibt Musikeinlagen, B-Promis wie Monica Ivancan oder Ross Antony plaudern mit „BB“-Moderatorin Aleks Bechtel über das Geschehene und „BB“-Veteranin Alida gibt die Außenreporterin. Und natürlich wird am Ende der auf 211 Tage verlängerten Show ein Gewinner gekürt: Anne, Manuela, Natascha, Marc oder Timo dürfen auf das Preisgeld von 250 000 Euro hoffen - und auf Kurzzeit-Ruhm.

Der Quotenerfolg spricht dafür, dass es im kommenden Jahr eine elfte Staffel geben wird, doch bei RTL II ist man zurückhaltend. Dazu gebe es derzeit keine Informationen, heißt es. Klarer ist da schon, wie die Programmlücken geschlossen werden, die das Ende von „Big Brother“ reißt.

Schon am Montag starten zwei neue Formate: „Der Kreuzfahrtkönig“ um 18.00 Uhr ist eine Show, in der fünf Kandidatenpaare an Bord eines Schiffes gegeneinander spielen - moderiert wird das Ganze von Jochen Bendel, der in den Pionierzeiten des Privatfernsehens noch echte TV- Innovationen lieferte. Im Anschluss (19.00 Uhr) sendet RTL II „X- Diaries - love, sun & fun“ - eine Dokusoap, für die der Sender den neuen Begriff „Dokunovela“ benutzt. „"X-Diaries“ erzählt die verrücktesten und schönsten Geschichten der Deutschen an ihren Lieblings-Urlaubsorten“, heißt es von RTL II - mit Laiendarstellern, stark zugespitzten Drehbüchern, viel nackter Haut und Herz-Schmerz gibt es Storys aus Ibiza, Mallorca, Lloret de Mar oder Rimini.

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