Kultur Nachrichten
Münsters Lyrikpreis denkt global

Donnerstag, 03.02.2011, 17:52 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 03.02.2011, 17:52 Uhr

Münster - Nach 18 Jahren und zehn Preisvergaben präsentiert sich der münstersche Poesiepreis nicht nur erwachsen, sondern auch flügge und mit globalem Anspruch. Deshalb wird in der Stadt der Annette von Droste-Hülshoff 2011 nicht mehr „nur“ der „Preis für europäische Poesie“, sondern nun erstmals der “Preis für internationale Poesie“ vergeben. Der ausgezeichnete Lyriker kommt in diesem Jahr konsequenterweise aus den USA, heißt Ben Lerner und feiert just heute, am 4. Februar, seinen 32. Geburtstag. Was Münsters Kulturfachleute und Jurymitglieder gestern bei der offiziellen Bekanntgabe zusätzlich beglückte und entzückte. Der zweite Preisträger, in Münster stets der deutsche Übersetzer des Lyrikpreisträgers, ist Steffen Popp. Beide erhalten am 3. April im Rahmen des 17. Lyrikertreffens in Münster die entsprechende Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von je 7750 Euro.

Jury-Mitglied Norbert Wehr sagte es frank und frei: Auch ihm war der 1979 geborene und in Topeka in Kansas aufgewachsene Ben Lerner bislang ein Unbekannter. Doch dann erschien kürzlich der Gedichtband „Die Lichtenbergfiguren“, und die fünfköpfige Jury war Feuer und Flamme. Zur Begründung der Zuerkennung des Preises heißt es nun: „Ben Lerner hat mit seinem furiosen Gedichtband ,Die Lichtenbergfiguren ein Meisterstück moderner Sonett-Kunst vorgelegt, in dem der Zusammenprall der alten klassischen Erhabenheitsrhetorik der Gedichtform Sonett mit den modernen Redeweisen und den profanen Fachsprachen des 21. Jahrhunderts kunstvoll inszeniert wird“. Erschienen ist der Band übrigens im Luxbooks-Verlag (Wiesbaden).

Weiter heißt es im Urteil der Juroren: „In 52 Anläufen mit jeweils überraschender Formgebung entwirft Lerner höchst bewegliche, variationsreiche Sonette, in denen sich lyrische Direktheit mit kluger poetologischer Reflexion verbindet.“

Lerners` deutscher Übersetzer, Steffen Popp (Berlin), 1978 in Greifswald geboren, gilt der Jury als „einer der begabtesten Köpfe der jungen deutschen Dichtergeneration“. In der Begründung heißt es: „Steffen Popp hat für diese funkensprühende Assoziationskraft der Lernerschen ,Lichtenbergfiguren intelligente deutsche Entsprechungen gefunden, die der kontrollierten Sprunghaftigkeit dieses poetischen Bewusstseins gerecht werden ()“.

Zwar gibt es offenbar kein zentrales Motiv und keinen roten Themenfaden in Lerners Lyrik, Hermann Wallmann, Vorsitzender des Literaturvereins Münster, sieht jedoch neben dem Spiel mit Sprache und Sprachformen Motive wie „Verletzung, Verzehrung und Zerstörung“ auch unter Rückgriff auf Paul Celan am Werk.

Wie immer ist die Preisverleihung in Münster eingebettet in das Lyrikertreffen, das sich diesmal vom 1. bis 3. April um das Thema „Übersetzen“ dreht. So wird es dort nicht nur ein Werkstattgespräch mit den beiden Preisträgern geben. Sie werden auch mit dem bilingualen Zweig der Marienschule über das Thema Übersetzung diskutieren.

Kern des Lyrikertreffens bleibt - in großen Lesungen - die Begegnung mit dem Wort. Schon vorab gibt es ein umfangreiches Programm mit Slams, Literaturfilmen, Clips und Lesungen. Nicht zuletzt öffnet sich das Lyrikertreffen auch Kindern. Dazu zählen eine Gedichtrevue von Jandl bis Morgenstern und ein umfangreiches Lyrik-Angebot für Grundschulen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/256778?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F594141%2F594156%2F
Nachrichten-Ticker